6. Bölüm
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6. Bölüm

DIE BESONDERHEITEN DES LETZTEN GESANDTEN ALLAHS

Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) eines Tages in Medina mit seinen Gefährten saß, kam ein Jude zu ihm und sagte: „Oh Abu Kasim! Einer deiner Freunde hat mir ins Gesicht geschlagen.“ Dieser Mann war kein andrer als Finhas, der den Zorn Abu Bakrs (r.a.) zu spüren bekam, weil er die Worte: „Siehe, Allah ist arm und wir sind reich!“, verwendete und sich über den Koranvers lustig machte, der über Personen handelt, die „Allah ein schönes Darlehen leihen“, d. h. ihr Vermögen um Allahs Wohlgefallen willen ausgeben.

Finhas hatte sich schon einmal über Abu Bakr (r.a.) beim Gesandten Allahs beklagt. Auch dieses Mal beklagte sich Finhas über Abu Bakr. Wegen der Beschwerde des Finhas ließ der Gesandte Allahs (s.a.w.) seinen Gefährten Abu Bakr (r.a.) zu sich rufen und fragte ihn: „Hast du diesen jüdischen Mann geschlagen?“ Daraufhin gab Abu Bakr zu, dass er ihn geschlagen hatte.

Abu Hurayra (r.a.) und Abu Saʿid al-Hudri (r.a.) überliefern, dass Abu Bakr (r.a.) eines Tages auf dem Markt einen Juden gesehen habe, der mit dem, für seine Ware vorgeschlagenen Preis nicht zufrieden war und seine Ware mit folgenden Worten lobte: „Ich schwöre bei Allah, Der Moses (a.s.) vor aller Welt bevorzugt hat …“ Als Abu Bakr (r.a.) diese Worte hörte, entgegnete er: „Oh du Nichtsnutziger! Ist er denn auch vor Muhammed bevorzugt? So schwöre ich auf Allah, Der Muhammed vor aller Welt bevorzugt hat.“ Sie führten die Diskussion weiter und Abu Bakr (r.a.), der seinen Zorn nicht mehr kontrollieren konnte, schlug Finhas ins Gesicht. Daraufhin ging Finhas mit der Begründung, dass er wegen des Abkommens zwischen den Muslimen und den Juden unter dem Schutz des islamischen Staates stand, zum Gesandten Allahs und verklagte Abu Bakr (r.a.). Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.) sich beide Seiten angehört hatte, warnte er sie: „Schätzt keinen der Propheten Allahs höher ein als einen anderen Propheten!“ Und: „Schätzt auch mich nicht höher ein als Moses!“ Diese Warnung war ein deutliches Zeichen dafür, dass er ausdrücklich gegen einen Konkurrenzkampf zwischen den Propheten war.

Alle auserwählten Gesandten Allahs haben bezüglich des Glaubens, der Universalität und der Essenz ihrer Botschaft, die sie übermittelt haben, dieselbe Autorität. Auch wenn Allah manche Propheten bezüglich des Wissens, der spirituellen oder der weltlichen Stellung unterschiedlich gesegnet hat, so besteht zwischen ihnen hinsichtlich ihrer Aufgabe als Prophet kein Unterschied. Ein Muslim, dessen Wegweiser der heilige Koran ist, wird feststellen, dass alle Gesandten von Allah auserwählt wurden und vorbildliche Persönlichkeiten sind. Daher macht er zwischen den Gesandten Allahs keinen Unterschied. Allah beschreibt im heiligen Koran die Gläubigen mit folgenden Eigenschaften: „Alle glauben an Allah und Seine Engel und Seine Schriften und Seine Gesandten“, „Und die da glauben an das, was auf dich herabgesandt wurde und (an das, was) vor dir herabgesandt wurde.“ Es ist die Aufgabe der Gläubigen, die diese Eigenschaften besitzen, zu sagen: „Wir machen keinen Unterschied zwischen den Gesandten.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) warnte die Menschen davor, die Propheten als Konkurrenten zu sehen, und sagte: „Niemand von euch soll sagen, dass ich eine höhere Stellung habe als der Prophet Jonah (a.s.).“ Es ist sehr bedeutungsvoll, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) seine Stellung nicht höher einstuft als die Stellung des Propheten Jonah (a.s.), der aufgrund seiner Ungeduld von einem Fisch verschluckt wurde und den Allah Ta´ala im heiligen Koran mit folgenden Worten erwähnt: „Sei nicht wie der mit dem Fisch.“

Während Allah Ta´ala manche Propheten nur mit der Einladung zur Religion beauftragt hat, gab Er manchen Seiner Propheten Seiten, Bücher und das religiöse Gesetz. Propheten wie Nuh/Noah (a.s.), Ibrahim/Abraham (a.s.), Musa/Moses (a.s.), Isa/Jesus (a.s.) und Muhammed (s.a.w.) wurden wegen ihres erfolgreichen Widerstands gegen die Unterdrückung und problembehafteten Umständen als „Ulu al-Azm“ bezeichnet. Im heiligen Koran wird offenbart, dass Allah Ta´ala mit Propheten wie Moses (a.s.) gesprochen hat, manchen Propheten eine hohe Stellung gegeben hat, Jesus (a.s.) mit dem „Ruh al-Qudus“ (Erzengel Gabriel/Heiliger Geist(a.s.)/) unterstützt hat und wiederum anderen Propheten diverse Begabungen verliehen hat. Allah Ta´ala verkündet im heiligen Koran: „Und wahrlich, Wir bevorzugten einige Propheten vor anderen. Und Wir gaben David die Psalmen.“ Dieser Vers erinnert daran, dass Allah Ta´ala mit Seinem Willen dem Propheten David (a.s.), der vorher als Schmied tätig war, Macht gegeben, die Tore der Weisheit geöffnet und seine Stellung erhöht hat.

Allah Ta´ala lobt Seinen Gesandten Muhammed (s.a.w.) in der Sure al-Baqara, in der die Anstrengungen der Propheten Abraham (a.s.), Jesus (a.s.), Moses (a.s.) erwähnt werden, um den Monotheismus zu verkünden, mit folgenden Worten: „Denn siehe, du bist wahrlich einer der Entsandten.“ Auch nahm Allah Ta´ala, wie im heiligen Koran berichtet wird, allen Gesandten und ihren Völkern das Versprechen ab, dem Gesandten, der das Buch und die Weisheit überbringen wird, zu glauben und ihn zu unterstützen.

Alle auserwählten Gesandten Allahs haben bezüglich des Glaubens, der Universalität und der Essenz ihrer Botschaft, die sie übermittelt haben, dieselbe Stellung. Allerdings haben sie, was das Weltliche und das Jenseitige angeht, für sie persönliche, unterschiedliche Eigenschaften. In diesem Rahmen besteht kein Zweifel daran, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) sich durch einzelne Eigenschaften und Besonderheiten von den anderen Propheten unterscheidet. Gewiss stehen diese Eigenschaften und Besonderheiten im Zusammenhang mit seiner Ummah (Religionsgemeinschaft). Als Beispiel hierfür lässt sich die Überlieferung des Dschabir b. Abdullah (r.a.) anführen, wonach der Gesandte Allahs (s.a.w.) einst gesagt hat: „Mir wurden fünf Dinge gegeben, die den Propheten vor mir nicht gewährt wurden: Mir wurde die Unterstützung zuteil, meinem Feind, über eine Distanz von einer Monatsreise Angst einzuflößen. Die Erde wurde mir zu einem Ort der Gebetsstätte gemacht und als rein deklariert; demnach soll jemand aus meiner Ummah, über dem die Zeit eines Gebets anbricht, an Ort und Stelle sein Gebet verrichten. Mir wurde die Kriegsbeute für erlaubt (halal) erklärt. Die Propheten vor mir wurden nur zu ihrem eigenen Volk gesandt, während ich zu der ganze Menschheit entsandt worden bin. Außerdem wurde mir die Fürsprache im Jenseits (Schafaah) erlaubt.“

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) den oben aufgezählten Aspekten hinzugefügt hat: „Mir wurde die Eigenschaft des ‚Dschawamiʿ al-Kalim‘ (die Begabung, mit wenigen Worten viel zu sagen) gegeben … Und die Prophetenkette fand mit mir ihr Ende.“

Wie auch die Überlieferungen bestätigen, wurde der Gesandte Allahs (s.a.w.) damit unterstützt, in die Herzen der Feinde mit Allahs Hilfe Angst einzuflößen, wie es auch in der Handak-Schlacht der Fall war. Während die Gläubigen der anderen monotheistischen Religionen ihre Gebete nur an bestimmten Orten verrichten durften, hat Allah Ta´ala Seinem Gesandten (s.a.w.) und seiner Ummah erlaubt, an jedem sauberen Ort ihr Gebet zu verrichten, und ihnen auch die Möglichkeit gegeben, im Notfall die rituelle Waschung mit reinem Sand oder trockener Erde zu vollziehen (Tayammum). Außerdem hat Allah Ta´ala, Der die Bedürfnisse der Menschen kennt, den Muslimen die Kriegsbeute nach einem Krieg mit Nichtmuslimen erlaubt.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wurde für die gesamte Menschheit entsandt. Manche Gelehrte sagen, Noah (a.s.) und Abraham (a.s.) seien ebenso für die gesamte Menschheit entsandt worden. Zudem besteht kein Zweifel daran, dass auch die Botschaften der Propheten, die nur zu einem bestimmten Gebiet oder Volk entsandt wurden, allgemeingültige Grundsätze enthalten.

Manche Gelehrte sagen, dass seine Eigenschaft des „Dschawamiʿ al-Kalim“, d. h. die Begabung, mit wenigen Worten viel auszudrücken, prägnant, gesittet und literarisch zu reden, im heiligen Koran und in den Ahadithen zum Vorschein kommt.

Die in der Überlieferung erwähnte Erlaubnis, die Fürbitte aussprechen zu dürfen, wurde tatsächlich nicht nur dem Propheten (s.a.w.), sondern auch anderen Propheten gewährt, und denen, die einen Bund mit Allah geschlossen haben, denen, die die Wahrheit bezeugen, und denen, mit denen Allah zufrieden ist, und denen Allah sie zu gewähren wünscht. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wird jedoch der erste Prophet sein, der am Tag des Gerichts um die Fürbitte für die Menschen bitten wird, er wird der Erste sein, der die Fürsprache aussprechen wird, und im Vergleich zu anderen Propheten die meisten Gläubigen haben wird. Diese ehrenvolle Position, die unserem Propheten verliehen wurde, ist der „Maqam-i Mahmud“. Dieser Rang ist der Rang, in dem unser Prophet die Fürbitte für seine Ummah aussprechen wird.

Der Gesandte Allahs, Muhammed (s.a.w.), der als eine Barmherzigkeit für alle Welt, als ein Freudenbotschafter für die gesamte Menschheit und für die Dschinn und als ein Warner entsandt wurde, ist das Siegel (der Letzte) der Propheten. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) verkündete: „Die Propheten sind alle wie Brüder von demselben Vater; ihre Mütter sind unterschiedlich, aber ihre Religion ist dieselbe.“ Das Verhalten des Gesandten Allahs, das in dieser Überlieferung verdeutlicht wird, ist äußerst bedeutsam und vorbildlich, weil er für das Prophetentum eintritt, das seit Anbeginn der Zeit besteht, und ohne eine Unterscheidung zwischen den Propheten zu machen, sich der Kette der Propheten einfügt.

Ebenso unterscheidet sich der Gesandte Muhammed (s.a.w.) von den anderen Propheten durch die Beschaffenheit des heiligen Korans und dessen Wunder. Auch den vorherigen Gesandten wurden je nach ihrer Zeit und der Entwicklung der Gesellschaft spezielle Wunder gegeben, die aber mit dem Ableben des jeweiligen Propheten ihre Gültigkeit verloren. Doch das Wunder des Gesandten Muhammeds (s.a.w.), der heilige Koran, ging mit dem Ableben des Propheten nicht verloren, sondern er hat seine Gültigkeit als einziges Wunder bis heute bewahrt und wird es auch bis zum Tag der Auferstehung bewahren. Aus diesem Grund hat der Gesandte Allahs (s.a.w.) gesagt: „Die Propheten vor mir wurden mit Wundern unterstützt, die zeitlich begrenzt waren. Das Wunder, welches mir gegeben wurde, ist der heilige Koran, den Allah Ta´ala mir offenbart hat. Daher hoffe ich, dass ich am Tag der Auferstehung der Prophet sein werde, dem die meisten Menschen folgen.“

Auf der anderen Seite ist der heilige Koran ein Beweis dafür, dass die Wissensquellen des Gesandten Allahs nicht nur auf seinen Verstand und die fünf Sinnesorgane begrenzt waren, sondern es zeigt, dass auch die göttliche Offenbarung zu seinen Wissensquellen gehörte. Die Tatsache, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) auf direkte Weise mit der göttlichen Offenbarung angesprochen wird, ist eine wichtige Besonderheit, die ihn von den anderen Menschen unterscheidet.

Die Offenbarung kam auch in schweren Zeiten in Form göttlicher Hilfe. Allah, Der Erhabene, half Seinem Gesandten während der Auswanderung nach Medina (Hidschrah) mit unsichtbaren Heerscharen, sandte während der Graben-Schlacht (Handak) den Feinden einen Sturmwind und unsichtbare Heerscharen und flößte Schrecken in ihre Herzen ein. Auch bei der Schlacht von Badr unterstützte Allah Ta´ala die Gläubigen mit fünftausend herabgestiegenen Engeln. Die Nachricht, dass die Byzantiner, die gegen die Perser eine Niederlage erlitten hatten, in Kürze diese besiegen werden, und die Nachricht, dass Mekka erobert werden wird, wurden auch durch göttliche Offenbarungen vorhergesagt. Und in der Nacht der Isra (Nachtreise) und des Miradsh (Himmelfahrt) wurden dem Gesandten Allahs (s.a.w.) die deutlichsten Zeichen seines Herrn gezeigt.

Die Besonderheit des Gesandten Allahs (s.a.w.) war natürlich nicht nur auf diese und ähnliche außerordentliche Ereignisse beschränkt. Eine besonders wichtige Eigenschaft des Gesandten Allahs war seine minimalistische, einfache und bescheidene Lebensweise. Als Allah Ta´ala von Seinem Gesandten verlangte, eine Wahl zwischen den weltlichen Gaben und den Gaben bei Ihm (des Jenseits) zu treffen, wählte er die Gaben, die jenseitig (bei Allah) sind. Dies war auch der Grund dafür, warum er nicht als ein Prophet entsandt werden wollte, der zugleich Herrscher war, sondern lediglich ein Prophet und ein Diener Allahs sein wollte. Die Ummah des Gesandten Allahs (s.a.w.) war an allen seinen Eigenschaften und seiner Überlegenheit so sehr interessiert, dass sich eine große und wertvolle Sammlung an Werken gebildet hat, die unter den Bezeichnungen „Hasais un-Nabi“ (die besonderen Eigenschaften des Gesandten Allahs) und „Dalail un-Nubuwwa“ (die Beweise des Prophetentums) über die Eigenschaften und Besonderheiten des Gesandten Allahs (s.a.w.) handeln. Das deutlichste Beispiel für die Großartigkeit und Überlegenheit des Gesandten Allahs (s.a.w.) zeigt sich darin, dass er das vulgäre und ungebildete vorislamische Volk (der Dschahiliyyah) von allen unmoralischen Handlungen und seelischen Krankheiten gereinigt und sie von einem wertlosen Volk zu einem Volk gewandelt hat, das Werte und Würde besitzt. Während die vorherigen Propheten die göttliche Botschaft mithilfe unterschiedlicher Wunderzeichen und Herausforderungen ihren Völkern überbracht hatten, hat der Gesandte Allahs (s.a.w.) alle Erwartungen von Wunderzeichen unberücksichtigt gelassen, in Mekka und Medina ein Leben unter normalen Umständen geführt und in einer sehr kurzen Zeitspanne von dreiundzwanzig Jahren ein vorbildliches islamisches Volk entstehen lassen. Dies könnte auch zu den größten Wundern des Gesandten Allahs (s.a.w.) gezählt werden.

Allah Ta´ala beschreibt im heiligen Koran Seinen Gesandten Allahs (s.a.w.) und legt dabei die Betonung darauf, dass er „von edler Natur“ sei. Somit lässt sich sagen, dass eine der wichtigsten Besonderheiten des Gesandten Allahs (s.a.w.), der für die gesamte Menschheit entsandt wurde, seine edle Natur ist. Mithilfe einiger Aussagen von Freunden und Bekannten des Gesandten Allahs lassen sich seine Eigenschaften, die ihn von den anderen Menschen unterscheiden, folgendermaßen zusammenfassen:

Er war unter den Menschen derjenige, der sich von den Sünden am meisten fernhielt.

Es gab keinen zweiten Menschen, der sich gegenüber seiner Familie so barmherzig verhielt wie er.

Er war der gutherzigste und hilfsbereiteste aller Menschen.

Es gab niemanden, der auf den Meinungsaustausch und auf die gegenseitige Beratung mit seinen Gefährten so sehr Wert legte wie er.

Er hat in seinem Leben weder einen seiner Helfer noch eine seiner Gattinnen schlecht behandelt oder verletzt.

Kurz gesagt: „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) war unter allen Menschen derjenige mit dem edelsten Charakter.“