20. Bölüm
„HANA-AS-SA´ADAH“: FRIEDVOLLES HEIM DES PROPHETEN
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) verlor seinen Vater noch vor seiner Geburt und seine Mutter im Alter von sechs Jahren. Erst nahm ihn sein Großvater auf und später nahm ihn sein Onkel in Obhut. Sie versuchten alles, ihn nicht die Abwesenheit seiner Eltern spüren zu lassen. Sein Onkel und seine Tante machten nie einen Unterschied zwischen ihm und ihren leiblichen Kindern und behandelten ihn immer mit Mitgefühl und Barmherzigkeit. Dass der Prophet seine Tante Fatıma bint. Asad (r.a.) als: „Meine Mutter nach meiner Mutter“, bezeichnete, zeigt, dass sein Onkel und seine Tante versuchten, ihn in einem echten familiären Umfeld großzuziehen. Ihre liebevolle Erziehung sollte als Vorbild für die zukünftige Familie des Propheten dienen, der verwaist ohne die Liebe seiner Eltern aufwuchs.
Als er fünfundzwanzig Jahre alt war, bewunderte Khadischa (r.a.), eine der führenden Geschäftsfrauen Mekkas, in deren Handelskarawane er arbeitete, ihn wegen seines Charakters und seiner Ehrlichkeit und machte ihm einen Heiratsantrag. Muhammed (s.a.w.), der den Antrag annahm, führte insgesamt fünfundzwanzig Jahre lang eine glückliche und gesegnete Ehe mit Khadischa (r.a.), davon fünfzehn vor seinem Prophetentum und zehn Jahre danach. Der Prophet, der mit einer idealen Partnerin eine Familie gründete und in seinem Familiennest Kinder bekam, hatte nun endlich ein Familienleben, das ihm in seiner Kindheit entbehrt blieb. Er war seiner Frau Khadischa (r.a.) ein liebender Ehemann und seinen Kindern ein liebevoller Vater.
Unser Prophet (s.a.w.), der den Frieden gefunden hatte, den er im Familienleben suchte, begab sich nun auf eine spirituelle Suche. Während dieser Suche zog er sich wie einige andere Hanifen (Anhänger des monotheistischen Gott-Glaubens) in die Einsamkeit der Hira-Höhle zurück, um vor dem ganzen Übel in Mekka zu flüchten. Seine loyale Frau ließ ihn nicht alleine und brachte ihm persönlich Proviant, den sie für ihren Ehemann vorbereitet hatte, obwohl die Höhle, in die er sich ab und an zurückzog, weit weg war. Dabei blieb es nicht, sie war die Erste, die ihren Mann nach der ersten Offenbarungserfahrung beruhigte, und sie war die Erste, die an ihn glaubte. Es war im Jahr 610 im Monat Ramadan. Muhammed (s.a.w.) erfuhr die Ehre „Gesandter Allahs“ zu sein. In der Höhle Hira bekam er die erste Offenbarung. Durch die Verwirrung, die durch die Begegnung mit dem Erzengel Gabriel (a.s.) und der Offenbarung ausgelöst wurde, verstand Muhammed (s.a.w.) nicht, was geschah, und eilte zu seiner Frau Khadidscha (r.a.). Nach den Worten: „Oh Khadidscha, was passiert mit mir?“, erzählte er alles, was ihm widerfahren war, und sagte, dass er Angst um sich habe. Khadidscha (r.a.) beruhigte ihn mit den Worten: „Nein, bei Allah! Allah wird dich ganz bestimmt nicht in Verlegenheit bringen, weil du deine Verwandtschaftsbeziehungen pflegst, die Wahrheit sprichst, den Bedürftigen hilfst, denen gibst, die nichts haben, deine Gäste bewirtest und die unterstützt, die Unrecht erfahren haben.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der in Angst und Erstaunen war, entspannte sich durch diese liebevollen und verständnisvollen Worte seiner Frau ein wenig.
Dass der Gesandte Allahs in einem solch beängstigenden Ereignis zu seiner Frau eilte, diese Situation mit ihr teilte, und die Unterstützung und der Trost, den Khadidscha (r.a.) ihrem Mann gab, zeigen genau genommen das Wesen des vom Propheten errichteten Familiennestes. Liebe, Respekt, Vertrauen und Unterstützung – die grundlegenden Elemente, die das Familienleben aufrechterhalten. All dies war in der Ehe des Gesandten Allahs mit Khadidscha (r.a.) vorhanden.
Natürlich musste das Familienleben des Gesandten Allahs (s.a.w.), der als Barmherzigkeit für alle Welten und das beste Vorbild für Muslime gesandt wurde, einwandfrei sein. Er selbst brachte dies mit den Worten zum Ausdruck, dass er „das Mitglied einer der gesegnetsten Familien der Schöpfung“ sei.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der mit den Worten: „Die Ehe ist meine Sunnah. Wer nicht meiner Sunnah folgt, gehört nicht zu mir. Heiratet! Denn (am Tag des Jüngsten Gerichts) werde ich mich mit der Mehrheit meiner Gemeinde (gegenüber den anderen) rühmen“, die Menschen zur Heirat und zur Familiengründung ermutigte, war den Gläubigen mit seinem Familienleben ein Vorbild und bekundete, dass das Familienleben ein Existenzraum für Ehepartner darstellt, in Bezug auf ihre körperliche, geistige und seelische Entwicklung und Gesundheit; und fügte hinzu, dass es auch eine Erziehungs- und Bildungseinrichtung für Kinder ist, in Bezug auf ihre Persönlichkeitsentwicklung, ihren Glauben, die Wertevermittlung und im Aneignen guter Eigenschaften und Gewohnheiten.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der eine Familienatmosphäre wollte, in der Liebe, Respekt, Mitgefühl und Barmherzigkeit vorherrschen, versäumte es nie, die angemessenen Wünsche seiner Frauen und Kinder zu erfüllen. Er ließ sie spüren, dass er sie wertschätzte. So wollte sich Aischa (r.a.) eines Festtages die Schild- und Speer-Aufführung der Abessinier ansehen, und der Gesandte Allahs erfüllte ihr den Wunsch. Er nahm sie auf seinen Rücken und ließ sie so lange zuschauen, wie sie wollte. Bemerkenswert war auch, dass er, wenn er zu einem seiner anderen Frauen gehen wollte, während er schon bei einer war, die Erlaubnis seiner Frau einholte; das zeigt, wie viel Wertschätzung er jeden Einzelnen von ihnen entgegenbrachte.
Manchmal zeigte der Gesandte Allahs (s.a.w.) seine Wertschätzung gegenüber seiner Frau, indem er sie konsultierte und seine Angelegenheiten mit ihr besprach. Der Gesandte Allahs, der die Angst und Aufregung der ersten Offenbarung mithilfe seiner Frau Khadidscha (r.a.) überwunden hatte, löste ein Problem, das er nach dem Hudaybiya-Vertrag hatte, indem er die Meinung seiner Frau Umm Salama (r.a.) einholte. Die harten Bedingungen des Hudaybiya-Abkommens zwischen Muslimen, die lediglich mit der Absicht aufbrachen, die Umrah zu vollziehen, und den Polytheisten, die sie nicht nach Mekka hineinließen, waren für die Prophetengefährten schwer zu ertragen, sodass niemand den Befehl des Propheten, ein Opfer zu schlachten und die Haare zu rasieren, befolgte. Der Gesandte Allahs (s.a.w.), dem dies sehr zusetzte, ging zu seiner Frau Umm Salama (r.a.), erzählte ihr von den Ereignissen und beriet sich mit ihr darüber. Umm Salama (r.a.) sagte: „Oh Gesandter Allahs, willst du dies denn tun? Wenn das so ist, dann geh raus und rede kein Wort mit ihnen, bis du dein Opfer geschlachtet, einen Barbier gerufen und deine Haare rasiert hast“, und zeigte ihm so einen Ausweg. Der Prophet, der diesen Vorschlag seiner Frau umsetzte, wurde ein Vorbild für seine Gefährten, und als die Gefährten das taten, was er tat, löste sich die Anspannung auf und die Krise wurde überwunden. So bewältigte der Gesandte Allahs diese schwierige Situation mit der Unterstützung seiner Frau.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) war in seinen Familienbeziehungen loyal. Auch nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Khadidscha (r.a.) erwähnte er sie stets im Guten. Wenn er ein Schaf schlachtete, schenkte er davon den Menschen, die seine verstorbene Frau liebte, und hielt sich nie zurück, seine Loyalität ihr gegenüber zu zeigen. Diese Haltung war Grund dafür, dass Aischa (r.a.) gelegentlich eifersüchtig auf Khadidscha (r.a.) wurde; so sehr, dass sie sagte, dass sie am meisten auf Khadidscha (r.a.) eifersüchtig war – für die Allah einen Palast im Paradies vorbereitet hat – obwohl sie sie nie gesehen hatte. Einmal sagte sie zum Propheten, der sie sehr oft erwähnte: „Warum gedenkst du ständig einer alten Frau von den Quraysch, die keine Zähne mehr im Mund hatte und die schon eine alte verstorbene Frau ist? Dabei hat dir Allah doch eine bessere als sie gegeben!“ Auch wenn er dieser Eifersucht mit Verständnis begegnete, sagte ihr der Gesandte Allahs: „Allah, Der Allmächtige, hat mir keine bessere Frau als Khadidscha gegeben. Sie glaubte mir, als kein Mensch mir glaubte. Sie bestätigte mich, als alle mich verleugneten. Als die Menschen mir (ihre Hilfe) vorenthielten, unterstützte sie mich mit ihrem Besitz. Allah, Der Allmächtige, schenkte mir Kinder von keiner anderen Frau als von Khadidscha.“
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) begegnete der Eifersucht seiner Frauen mit Verständnis und konnte einige heikle Situationen doch noch zu einem guten Ende bringen. Als eines Tages Aischa (r.a.) den Teller mit Essen, den einer seiner anderen Frauen dem Gesandten Allahs geschickt hat, während er bei ihr war, aus der Hand der Dienerin schlug, zerbrach der Teller auf dem Boden und das Essen wurde verstreut. Der Prophet (s.a.w.) sammelte mit seiner üblichen ruhigen und überlegten Art alles auf, was auf dem Boden lag, und entspannte die Lage, indem er sagte: „Eure Mutter ist eifersüchtig!“ Aischa (r.a.), die ihre Tat bereute, fragte den Gesandten Allahs: „Was ist der Preis für das, was ich gemacht habe?“, der Gesandte Allahs antwortete: „Ein Teller wie dieser Teller, ein Essen wie dieses Essen.“
Solche Ereignisse traten auch bei den anderen Frauen des Propheten auf. Der Prophet (s.a.w.) entgegnete dieser falschen Haltung seiner Frauen nicht destruktiv, sondern konstruktiv. Zum Beispiel gaben ihm die Gefährten, wenn sie ihm was schenken wollten, das Geschenk immer dann, wenn er bei Aischa (r.a.) war, weil sie seine Liebe zu ihr kannten. Dies störte die anderen Frauen des Gesandten Allahs sehr. Deshalb bat Umm Salama (r.a.) den Gesandten Allahs darum, die Gefährten in dieser Hinsicht zu ermahnen. Jedes Mal, wenn Umm Salama (r.a.) dieses Thema dem Gesandten Allahs eröffnete, zog er es vor, zu schweigen. Doch schließlich sagte er: „Hört auf, euch über Aischa zu beklagen und mich zu quälen. Ich erhalte bei keiner anderen Frau eine Offenbarung, außer wenn ich bei Aischa bin.“
Während der Pilgerreise erkrankte das Kamel von Safiyya bint Huyay (r.a.), einer Ehefrau des Propheten. Zaynab (r.a.) hatte ein zusätzliches Kamel bei sich. Der Gesandte Allahs bat Zaynab, das zusätzliche Kamel Safiyya zu überlassen. Doch Zaynab erwiderte ihm: „Soll ich etwa dieses Kamel dieser Jüdin geben?“ Daraufhin wurde der Gesandte Allahs sehr wütend und sprach eine Zeit lang nicht mehr mit Zaynab. Ebenso sagte der Prophet zu Hafsa, die Safiyya als „Tochter eines Juden“ bezeichnete und sie geringschätzte, sie solle sich vor Allah fürchten. Zu Safiyya jedoch, die ihren Unmut über die gesagten Worte äußerte, sagte er: „Du bist wie die Tochter eines Propheten. Auch dein Onkel war ein Prophet und zurzeit bist du mit einem Propheten verheiratet. Womit genau prahlt sie vor dir?“, und tröstete sie so.
Mit diesen Worten erklärte der Gesandte Allahs (s.a.w.), dass jede Frau einen besonderen Wert in seinen Augen hatte, und dass ihre Eifersüchte bedeutungslos waren und er es nicht zulassen würde, dass sich die Beziehung zwischen den Familienmitgliedern verschlechterte, indem sie ihre Herzen eroberte.
Der Friede und das Wohlergehen der Familie sind möglich, wenn die Ehepartner in jeder Lebensphase eine verständnisvolle, ausgeglichene, konsequente und gemäßigte Beziehung miteinander pflegen. Es ist eine unendliche Quelle des Glücks für die Ehepaare, sich in schweren und guten Zeiten, an glücklichen und traurigen Tagen gegenseitig zu unterstützen und zu reden, indem sie sich extra Zeit füreinander nehmen. Deswegen berücksichtigte der Prophet (s.a.w.) die unterschiedlichen Stimmungen, Empfindungen und Charaktere seiner Familienmitglieder und überwand die Probleme, indem er, wenn es sein musste, schwieg.
Der Gesandte Allahs, der wusste, dass seine Familie Rechte auf ihm hatte, nahm sich Zeit für sie. Aus diesem Grund erklärte er, dass diejenigen, die sich immer nur dem Gottesdienst hingeben und ihre Familien vernachlässigen, sich von seiner Sunnah abwenden würden. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) kümmerte sich von Zeit zu Zeit um den Haushalt und half seiner Ehefrau. Als Aischa (r.a.) gefragt wurde, wie der Gesandte Allahs zu Hause war, sagte sie: „Er war ein normaler Mensch. Er flickte seine Kleider und molk sein Schaf.“
Der göttliche Wille, der der Welt den Gesandten Allahs als bestes Beispiel darbot, gab bei der Beziehung zwischen den Ehepartnern folgenden Ratschlag: „… Verkehrt mit ihnen anständig. Und wenn sie euch zuwider sind, ist euch vielleicht etwas zuwider, in das Allah Reichtum gelegt hat.“ Und der Gesandte Allahs (s.a.w.), der durch diese Verse inspiriert wurde, machte folgenden weisen Aufruf: „Ein Gläubiger soll seine gläubige Frau nicht hassen; (denn) auch wenn er eine Eigenschaft von ihr nicht mag, wird es sicherlich eine andere Eigenschaft an ihr geben, die er mag.“ Gleichzeitig wollte der Gesandte Allahs von den Männern, dass sie sich zu ihren Frauen tolerant verhalten und sich mit ihnen gegenseitig den Rat geben, richtig zu handeln.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat aus religiösen, menschlichen und sozio-politischen Gründen mehr als eine Ehe geschlossen. Im Umgang mit seinen Frauen achtete er stets darauf, gerecht zu sein. Wenn er auf eine Reise ging, ließ er Lose zwischen seinen Frauen ziehen, um zu bestimmen, wen er mitnehmen würde. Zu den anderen Zeiten kümmerte er sich um jede Frau, indem er bestimmte Tage und Nächte einteilte und mit ihr verbrachte. Aischa (r.a.) erzählte von seinem feinfühligen und rücksichtsvollen Umgang folgendermaßen: „Der Gesandte Allahs machte keinen Unterschied in Bezug auf die Zeit, die er mit jeder von uns verbrachte.“ Und die auserlesenen Frauen des Propheten, die sich dieses Feingefühls bewusst waren, wetteiferten ebenfalls darum, ihm zu gefallen. So gab Sawda (r.a.), die schon in die Jahre kam und die Liebe des Gesandten Allahs zu Aischa kannte, ihre eigene Zeit an Aischa ab, um sein Wohlgefallen zu erlangen. Und auch wenn Aussagen, die von Aischa (r.a.) über den Gesandten Allahs überliefert wurden, wie: „Er küsste eine seiner Frauen und ging dann zum Gebet, ohne die rituelle Waschung zu wiederholen“, unter der Rubrik „rituelle Waschung“ in den Hadith-Büchern erwähnt werden, so ist dieser Umstand an und für sich auch ein wichtiges Detail, das die innige Zuneigung und die Liebe des Gesandten Allahs zu seinen Frauen zu Hause zeigt. So sehr, dass der Gesandte Allahs seine Liebe zu seiner Frau nicht einmal zwischen zwei Gottesdiensten wie die Waschung und das Gebet verbarg.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) beschütze und behütete seine Frauen und versuchte, alles Böse von ihnen abzuwehren. Eines Nachts kam Safiyya (r.a.) zu ihm, als er sich zur Itiqaf zurückgezogen hatte. Als sie zurückging, stand der Gesandte Allahs auf und begleitete sie bis zu ihren Räumlichkeiten. Als sie sich der Tür des Masdschids näherten, wurden sie von zwei Leuten von den Ansar gegrüßt, die sich dann mit eiligen Schritten von ihnen entfernten. Der Prophet (s.a.w.) sagte zu ihnen, dass sie langsam sein sollen, und um Missverständnissen entgegenzuwirken, erklärte er: „Beeilt euch nicht! Dies ist (meine Frau neben mir) Safiyya bint Huyay.“ Und auch wenn die Gefährten sagten, dass so eine Erklärung nicht nötig sei, sagte der Gesandte Allahs, dass er besorgt gewesen sei, dass der Teufel sie hätte in Zweifel stürzen können. Dies ist ein schönes Beispiel für die Feinfühligkeit des Gesandten Allahs gegenüber der Ehre seiner Familie.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) setzte seine Familienmitglieder niemals unter Druck und wandte niemals Gewalt an. Er griff nie auf Beschimpfungen oder Schläge oder auf erniedrigende und bedrückende Worte zurück. Aischa (r.a.) berichtete, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) niemals seine Hand gegen eine Frau oder eine Dienerin erhoben hat. Im Gegenteil, er ehrte sie von Zeit zu Zeit, indem er sie auf eine liebenswürdige Art behandelte. Eine seiner taktvollen und rücksichtsvollen Verhaltensweisen war es, dass, wenn sein Nachbar ihn zum Essen einlud, er die Einladung nur annahm, wenn seine Frau auch eingeladen wurde.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wollte von seinen Gefährten, dass sie die gleiche Sensibilität in ihren Beziehungen zu ihren Familien zeigen. So antwortete er laut einer Überlieferung von Saʿid b. Hakim (r.a.) auf die Frage seines Großvaters Muʿawiya al-Qurayschi: „Was befiehlt Ihr uns über unsere Frauen?“, folgendermaßen: „Gebt ihnen das Gleiche zu essen, was ihr auch esst. Gebt ihnen das (gleichwertige) zum Anziehen, was ihr auch anzieht. Schlagt sie nicht und schmäht sie nicht.“
Das Essen und die Ausgaben im Familienleben des Propheten waren ebenfalls sehr bescheiden. Er zog es stets vor, das, was er hatte, mit anderen zu teilen, und erzählte seinen Gefährten und seinen Familienmitgliedern von der Vergänglichkeit der Welt und der Unendlichkeit des Lebens nach dem Tod. Er sagte, dass man einen einfachen Weg gehen solle, fern von unnötigen Ausgaben und Zurschaustellung. In Bezug auf den Lebensunterhalt seiner selbst und seiner Familie betete er folgendermaßen: „Oh Allah! Gib der Familie Muhammeds genug Unterhalt, dass sie damit auskommen.“ Aischa (r.a.), die berichtete, dass der Prophet und seine Familie von der Hidschrah nach Medina bis zu seinem Ableben keine drei Tage hintereinander Weizenbrot gegessen hätten, und dass sie einen Monat lang kein Feuer zum Essen-kochen machten und ihr Essen nur aus getrockneten Datteln und Wasser bestand; sie sagte weiterhin, dass, als der Prophet verstarb, in ihren Zimmern nichts zu essen gewesen sei, außer ein wenig Gerste.
Wie bereits erwähnt, gab es im Haus des Propheten, wie in jeder anderen Familie auch, gelegentlich Debatten oder Probleme, die sich aus dem negativen Betragen seiner Ehefrauen ergaben. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) handelte in solchen Situationen immer mit Geduld und Bedacht. Die Spannungen, die im Haus des Propheten auftraten, in dem allem voran auf Gespräche Wert gelegt wurde, wurden mit Gesprächen gelöst. Und manchmal löste das direkte Eingreifen einer Offenbarung das Problem. Zum Beispiel hatten einige Frauen des Gesandten Allahs wahrscheinlich aufgrund seines bescheidenen Lebens, das er bevorzugte, einige Strapazen erlitten, sodass sie den Propheten spüren ließen, dass sie lieber unter besseren Bedingungen leben würden. Dieses Verhalten ging dem Propheten so nahe, dass er einen Monat lang seine Frauen mied. Bald darauf wurde der Vers offenbart, der dieses Problem löste und in dem der Gesandte Allahs angewiesen wurde, seine Frauen frei entscheiden zu lassen, das Diesseits oder das Jenseits zu wählen: „Oh Prophet! Sprich zu deinen Frauen: ‚Falls ihr das irdische Leben mit seinen Reizen begehrt, dann kommt; ich will euch ausstatten und dann in Frieden gehen lassen. Wenn ihr aber Allah und Seinen Gesandten und die jenseitige Wohnung begehrt, dann hat Allah für die Gutgesinnten unter euch herrlichen Lohn bereitet.‘“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) informierte als Erste Aischa (r.a.) und dann alle seine Frauen über diesen Befehl Allahs und bat sie, eine Wahl zu treffen. Die Frauen, die einsahen, dass sie einen Fehler gemacht hatten, sagten alle, dass sie auf das Weltliche verzichten wollten und Allah, Seinen Gesandten und die Wohnstatt im Jenseits bevorzugten.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der ein liebevoller Ehemann war, war auch als Vater sehr freundlich und mitfühlend. Er liebte es, Kinder glücklich zu machen. Wenn seine Tochter Fatima (r.a.) zu ihm kam, stand er für sie auf, hielt sie an der Hand, küsste sie und setzte sie auf seinen Platz. Und wenn der Prophet zu Fatima kam, stand Fatima (r.a.) sofort auf, hielt seine Hand, küsste ihn und ließ ihn auf ihrem Platz sitzen. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.), der seine Kinder sehr liebte, sah, dass sein Sohn Ibrahim mit dem Tode rang, füllten seine Augen sich mit Tränen und er sagte: „Die Augen tränen, das Herz trauert. (Aber) Wir sagen nichts anderes als das, womit unser Herr zufrieden ist. Bei Allah, oh Ibrahim, wir trauen um dich.“
Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der sehr viel Wert auf die Erziehung der Kinder legte, achtete darauf, sie nicht zu verletzen, behandelte sie mit Mitgefühl und selbst seine Ermahnungen waren sanft. Er riet Anas b. Malik (r.a.) Folgendes: „Mein Kind, wenn du zu deiner Familie kommst, dann grüße sie. Dies wird für dich und deine Familie ein Segen sein.“ Von Zeit zu Zeit erinnerte der Gesandte Allahs (s.a.w.) seine Familienmitglieder an ihre Gottesdienste, für die sie verantwortlich waren, und kam somit einerseits seiner Tabligh-Pflicht, den Glauben zu verbreiten, nach und andererseits stellte er sicher, dass sie sich bei der Ausübung ihrer Gottesdienste nicht nachlässig verhielten. Denn der edle Koran gibt folgende Anweisung, nachdem er dem Propheten erklärt, dass er sich nicht von der Pracht und dem Liebreiz des weltlichen Lebens gefangen nehmen lassen soll und dass der Segen, der ihm gegeben wurde, gut und dauerhaft ist: „Und mache deinen Angehörigen das Gebet zur Pflicht, und zeige darin (selbst) Ausdauer. Wir fordern nicht von dir, dass du (Uns) versorgst, sondern Wir versorgen dich. Und die Zukunft gehört den Gottesfürchtigen.“ Der Prophet zwang seine Familienangehörigen bei diesen Angelegenheiten niemals oder setzte sie unter Druck, sondern ermahnte sie in angemessener Weise. So beschreibt zum Beispiel Anas b. Malik (r.a.), wie er seine Familienmitglieder zum Gebet einlud: „Der Gesandte Allahs blieb, als er zum Morgengebet ging, sechs Monate lang an der Haustür Fatimas (r.a.) stehen und sagte: ‚Oh ihr, das Volk dieses Hauses! Los, auf zum Gebet‘, und trug den folgenden Vers vor: ‚[…] (Oh Leute des Hauses des Propheten) Siehe, Allah will euch von jedem Übel bewahren, und euch völlig reinhalten.“
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wollte nie, dass seine Kinder und Enkelkinder beschimpft oder gedemütigt werden, und erwartete, dass sie mit Geduld und Toleranz erzogen wurden. Der Gesandte Allahs, der in allen Angelegenheiten ein Vorbild für Muslime und die ganze Menschheit darstellt, zeigte, wie das Familienleben sein sollte, indem er es als Ehemann, Vater und Großvater vorlebte, und bestätigte seine Aussage: „Ich bin unter euch der Beste, der gut zu seiner Familie ist“, mit seinem Leben. Die Berichte seiner Gefährten, die Zeugen seines Familienlebens waren, bestätigten diese Tatsache ebenfalls. Anas b. Malik (r.a.), der viele Jahre im Dienste des Gesandten Allahs stand und die Gelegenheit hatte, sein Leben von Nahem zu beobachten, sagte: „Ich habe niemanden gesehen, der seiner Familie gegenüber liebevoller war als der Gesandte Allahs“; und dies ist nur eine Aussage von vielen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der denjenigen, der einen guten Charakter hat und seine Familienmitglieder liebevoll behandelt, folgendermaßen definierte: „Der, der unter den Gläubigen im Glauben am vollkommensten ist“, wollte auch auf den religiösen Aspekt des Themas aufmerksam machen. Denn, wenn der Gläubige sich seiner Familie, die ihm am nächsten ist, mit Barmherzigkeit, Mitgefühl und Verständnis nähert und ihre Rechte beachtet, wird er mit einem schönen Charakter ausgeschmückt sein. Infolgedessen werden sich gesunde Beziehungen in der Gesellschaft entwickeln und gediegene Generationen aus friedlichen Familien hervorgehen.