21. Bölüm
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21. Bölüm

SEINE EINZIGE SORGE GALT SEINER UMMAH

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hatte sich von Mekka nach Medina auf den Weg gemacht. Saʿd b. Abi Waqqas (r.a.), einer der angesehenen Gefährten, der sich beim Gesandten Allahs aufhielt, überlieferte ein Erlebnis während ihrer Reise: „Als wir uns Azwara genähert hatten, stieg der Gesandte Allahs von seinem Reittier ab. Er hob seine Hände, rief Allah an, warf sich zu Boden und blieb eine lange Zeit in dieser Haltung. Dann stand er auf, hob nochmals seine Hände, rief Allah an, warf sich zu Boden und verbrachte wieder eine längere Zeit in dieser Haltung. Danach stand er ein weiteres Mal auf, hob seine Hände, rief Allah an und warf sich wieder zu Boden. Anschließend sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.): ‚Ich habe zu Allah gebetet und habe um Fürsprache für meine Gemeinschaft (Ummah) gebeten. Allah hat einem Drittel meiner Gemeinschaft vergeben. Dann warf ich mich zu Boden, um Allah zu danken. Danach stand ich auf und bat Allah nochmal um Fürsprache für meine Gemeinschaft. So vergab Allah einem weiteren Drittel meiner Gemeinschaft. Ich warf mich ein weiteres Mal nieder, um Allah zu danken. Dann hob ich meinen Kopf und bat Allah (ein drittes Mal) um Fürsprache für meine Gemeinschaft. Allah vergab auch dem letzten Drittel meiner Gemeinschaft. Daher warf ich mich (ein drittes Mal) zu Boden und dankte Allah.‘“

Dieses Verhalten ist das eines Gesandten, der sein ganzes Leben dem Wohlergehen seiner Gemeinschaft aufgeopfert hat. Er wollte es nicht zulassen, dass auch nur eine Person aus seiner Gemeinschaft von der Gnade Allahs ausgeschlossen blieb. Als er sich zu Boden warf und mit seinem Gesicht die heißen Sandkörner der Wüste berührte, war es sein einziges Anliegen, seine Gemeinschaft vor dem Feuer der Hölle zu retten. Nach dieser Verrichtung sollte Allah Ta´ala sich den Gläubigen erbarmen, die zur Gemeinschaft des Propheten Muhammed (s.a.w.) gehören, an die Einheit und Einzigkeit Allahs glauben und trotz verschiedener Sünden Allah keinen anderen Gott beigesellen.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) pflegte gegenüber seiner Gemeinschaft eine unvergleichbare Liebe und Barmherzigkeit, weshalb er für ihre Glückseligkeit im Diesseits und im Jenseits Empfehlungen gab. Manchmal spürte er aufgrund der Wichtigkeit der Botschaft eine große Aufregung, seine Augen wurden rot und seine Stimme erhob sich, als würde er eine Truppe befehligen. Eines Tages beschrieb er mit folgenden Worten die Beziehung zwischen sich und seiner Gemeinschaft: „Meine und eure Situation ähnelt dem Beispiel eines Mannes, der versucht, Insekten und Motten vom Feuer fernzuhalten, das er (in der Nacht) angezündet hat. Ich halte euch an eurem Hosenbund fest, um euch vor dem Feuer zu schützen, ihr aber versucht, euch von mir loszureißen und euch ins Feuer zu stürzen.“ Allah, Der Erhabene, beschreibt die Zuneigung des Propheten der Barmherzigkeit zu seiner Gemeinschaft folgendermaßen: „Wahrlich, nun kam bereits ein Gesandter aus eurer Mitte zu euch. Schwer liegen eure Missetaten auf ihm. Fürsorglich ist er für euch! Gegen die Gläubigen (aber) ist er gütig und barmherzig.“ Allah Ta´ala bezeichnet Seinen Gesandten wegen der Zuneigung und Fürsorge für seine Gemeinschaft mit Seinen Namen „Raʾuf“ und „Rahim“.

Allah Ta´ala setzt damit die Barmherzigkeit Seines Gesandten mit Seiner Barmherzigkeit gleich. Er hat die Barmherzigkeit des Gesandten mit Seiner Barmherzigkeit verknüpft und sie gemeinsam mit Seiner Barmherzigkeit erwähnt: „Und dank der Barmherzigkeit Allahs warst du gütig zu ihnen.“ Die Liebe des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu seiner Gemeinschaft ist als eine Eigenschaft seiner Aufgabe als Prophet zu betrachten. Allah Ta´ala verkündet: „Und nimm die von den Gläubigen, die dir folgen, unter deine Fittiche.“ Dieser göttliche Befehl deutet einerseits darauf hin, dass Allah Ta´ala den Willen hatte, die Barmherzigkeit in die Aufgabe des Propheten zu füllen, und betont andererseits, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) auch die Aufgabe hatte, die Gläubigen unter seine Obhut zu nehmen. Diese Beziehung basiert zum einen auf Schutz und Sicherheit, ist zum anderen aber auch geprägt von Bescheidenheit und Barmherzigkeit. Eine Besonderheit dieser Barmherzigkeit ist, dass ihr kein weltlicher Eigennutz und keine weltliche Besorgnis zukommen. Allah sagt im edlen Koran: „Aber senke deine Fittiche über die Gläubigen!“ Dieser Befehl beschreibt tatsächlich die Beziehung des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu seiner Gemeinschaft.

Die Liebe des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu seiner Gemeinschaft steht in Relation zu der Nähe seiner Gemeinschaft zu Allah. Denn der wesentliche Aspekt hierbei ist seine Aufgabe als Prophet. Die persönlichen Gefühle des Gesandten Allahs (s.a.w.) und seine Aufgaben als Gesandter bildeten tatsächlich eine Einheit. Es war ein Zeichen der Barmherzigkeit und auch ein Maß der Güte Allah Ta´alas, dass Er einen Propheten entsandt hat. Folgender Vers betont das Verhältnis zwischen Gnade und Barmherzigkeit und dem Glauben auf eine klare Art und Weise: „Dem Propheten und den Gläubigen steht es nicht zu, für die Götzendiener um Verzeihung zu bitten, und wären es Angehörige, nachdem ihnen deutlich geworden ist, dass sie Bewohner der Hölle sein werden.“ So war es eine Pflicht des Propheten, für die Gläubigen um Vergebung zu bitten. „Wisse darum, dass es keinen Gott gibt außer Allah. Und bitte um Verzeihung für deine Sünden und für die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen.“ So wird der Gesandte Allahs, der stets für die Gläubigen um Vergebung gebeten hat, auch am Tag der Auferstehung Allah Ta´ala um Vergebung für sie bitten und rufen: „Oh mein Herr, (ich bitte Dich nur um) meine Ummah, meine Ummah.“

Abu Hurayra (r.a.) überlieferte, der Gesandte Allahs (s.a.w.) sei eines Tages zum Friedhof gegangen und habe mit folgenden Worten die Gräber begrüßt: „Seid gegrüßt, oh ihr Bewohner des Ortes der Gläubigen! So Allah will, werden auch wir uns euch anschließen.“ Dann fuhr er mit seinen Worten fort: „Ich wünschte, ich hätte meine Geschwister sehen können.“ Die Gefährten sagten: „Oh Gesandter Allahs, sind wir etwa nicht deine Geschwister?“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) antwortete: „Ihr seid meine Gefährten. Meine Geschwister sind diejenigen, die noch nicht auf dieser Welt sind.“ Die Gefährten fragten: „Oh Gesandter Allahs, wie wirst du diejenigen erkennen, die deiner Gemeinschaft angehören, aber noch nicht auf der Welt sind?“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) antwortete: „Was würdet ihr sagen? Stellt euch einen Mann vor, der inmitten einer Herde von schwarzen Pferden seine Pferde, die an ihrer Stirn und an ihren Füßen weiße Flecken haben, nicht erkennen?“ Die Gefährten antworteten: „Ja, er würde sie erkennen, oh Gesandter Allahs.“ „So werden meine Geschwister (am Tag der Auferstehung) an ihrer Stirn und ihren Füßen aufgrund der Gebetswaschung leuchten. Ich werde vor ihnen am Wasserbecken des Kawthar angekommen sein.“

Er war der Prophet der Barmherzigkeit und hatte die Aufgabe, nicht zu vernichten, sondern wiederzubeleben. Sein Ziel war es, die Kraft-gebende Botschaft mit den Seelen zu vereinen. So sollte er den Seelen und die Seelen ihm nahe sein. Schließlich war der Gesandte Allahs (s.a.w.) den Seelen der Gläubigen am nächsten. Folgender Vers im edlen Koran brachte der Beziehung des Gesandten Allahs zu seiner Gemeinschaft eine göttliche Ordnung: „Der Prophet steht den Gläubigen näher als sie sich selbst, und seine Gattinnen sind ihre Mütter.“ Dies bedeutet, dass die Liebe des Gesandten Allahs zu seiner Gemeinschaft nicht nur eine abstrakte Sentimentalität ist und sich auch nicht auf die Errettung im Jenseits beschränkt. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat sie sowohl im materiellen als auch im immateriellen Sinne unterstützt. Er hat in die Herzen der Menschen den Glauben eingeflößt, der dort Wurzeln schlug und zu einer Festung wurde. Allein die Anwesenheit des Gesandten Allahs war für sie eine eigenständige Quelle des Vertrauens, weshalb seine Bittgebete die Menschen beruhigten. „… und bete für sie. Siehe, deine Gebete bringen ihnen Beruhigung. Und Allah ist hörend und wissend.“

Tatsächlich waren die Bittgebete des Gesandten Allahs ein Segen für die Gläubigen. Er bemühte sich sehr, seine Gemeinschaft nicht ohne den Segen seiner Bittgebete zu lassen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der als eine Barmherzigkeit für alle Welten entsandt wurde, wusste, dass sein Gebet für seine Gemeinschaft eine Quelle der Barmherzigkeit ist, und vernachlässigte es nicht, für sie zu beten, wobei er sowohl für ihr Diesseits als auch für ihr Jenseits betete. Eines Tages ging der Gesandte Allahs (s.a.w.) mit seinen Gefährten spazieren und bemerkte ein neues Grab. Er fragte, wessen Grab es sei. Sie sagten: „Es ist das Grab der (als Sklavin) freigelassenen Frau der Familie des …“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) kannte jene Frau. „Sie ist zur Mittagszeit verstorben. Du machtest gerade einen Mittagsschlaf und wir wollten dich daher nicht aufwecken.“ Daraufhin forderte er die dort anwesenden Gefährten auf, hinter ihm eine Reihe zu bilden, und betete mit vier Größenpreisungen (Takbir) das Totengebet für die Frau vor. Dann sagte er: „Solange ich mit euch gemeinsam lebe, möchte ich, dass ihr mir mitteilt, sobald jemand verstirbt. Es ist ein Segen für die verstorbene Person, dass ich ihr Totengebet vorbete.“ Ein anderes Mal kam der Gefährte namens Dscharir b. Abdullah (r.a.) zum Gesandten Allahs und beschwerte sich darüber, dass er auf dem Pferd sein Gleichgewicht nicht halten könne. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) klopfte dreimal leicht auf die Brust von Dscharir und betete für ihn: „Oh Allah, hilf ihm, sein Gleichgewicht zu halten. Mache ihn zu einer Person, die die Menschen zum rechten Weg führt und selbst auch auf dem rechten Weg ist!“

Die sozialen Unterschiede hatten in der Beziehung des Gesandten Allahs zu seinen Gefährten keine Priorität. Sei es ein Oberhaupt eines Volksstammes oder ein Diener. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) bat für sich selbst und seine Gemeinschaft um Vergebung und machte diesbezüglich keinen Unterschied. Ebenso vergaß er seine Gemeinschaft auch nicht während des Schlachtens eines Opfertieres und sagte, nachdem er einen Schafbock mit Hörnern geopfert hatte: „Dies ist im Namen derjenigen aus meiner Familie und Gemeinschaft, die kein Tier opfern können.“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hatte einst gesagt: „Wie Allah, Der Erhabene, im Koran erwähnt, stehe ich den Gläubigen am nächsten.“ Als die Menschen diese Worte gehört hatten, erinnerten sie sich an die Leute des Volksstammes Mudar, die mit verwahrloster Kleidung auftraten und mit ihrem Aussehen den Gesandten Allahs betrübt hatten. Die Farbe im Gesicht des Gesandten Allahs änderte sich, als er die Menschen in einem armen, hungrigen und bedürftigen Zustand gesehen hatte. Er rief all seine Gefährten auf, diesen armen Menschen, die ihre einfachen Gewänder über ihren Kopf gezogen und ohne Schuhe gekommen waren, zu helfen. Als bereits die ersten Spenden gesammelt worden waren, war die Freude des Gesandten Allahs in seinem Gesicht zu sehen. Laut Dscharir strahlte das Gesicht des Gesandten Allahs, als wäre es mit Goldstaub benetzt.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Sowohl im Diesseits als auch im Jenseits bin ich derjenige, der den Gläubigen am nächsten steht. Lest den folgenden Vers, wenn ihr wollt: ‚Der Prophet steht den Gläubigen näher als sie sich selbst.‘ Das Vermögen, das ein Gläubiger hinterlässt, sollen seine Verwandten väterlicherseits erben. Wenn aber ein Gläubiger Kinder hinterlässt, die Schutz und Fürsorge brauchen, so sollen sie zu mir kommen. Ich stehe ihnen am nächsten.“ Mit dieser Aussage betonte er, dass er der wahre Beschützer der Gesellschaft war. Außerdem drückte er damit aus, wie sehr er an die Gläubigen dachte und sie beschützte. Ebenso teilte er ihnen mit, dass er nicht nur ein Gesandter, sondern auch eine Person ist, die ihnen am nächsten steht. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) übernahm jede Verantwortung und leitete die Rechte ihren Besitzern weiter. Eines Tages wurde er Zeuge einer Diskussion, die von einer Geldschuld handelte. Abdullah b. Hadrad (r.a.) hatte Schwierigkeiten, seine Schulden an Kaʿb. Malik (r.a.) zu zahlen. Die Situation des Abdullah b. Hadrad tat dem Gesandten Allahs so leid, dass er Kaʿb mit einem Handzeichen darum bat, nur die Hälfte der Geldschuld zu verlangen. Dieses Verhalten zeigt, dass er in der Liebe zu den Gläubigen bei ihren privaten und sozialen Problemen Verantwortung und Eigeninitiative übernahm.

Die Gefährten hatten einen Propheten, mit dem sie all ihre kleinen und großen Probleme teilen konnten. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) kümmerte sich um jeden Menschen, wobei er niemals auf deren sozialen Status achtete und auch nicht zwischen freien Menschen und Sklaven oder Reichen und Armen unterschied. Außerdem nahm er jede Einladung an. Insbesondere auf Arme, Waisen und einsame Menschen legte er einen großen Wert, sodass sogar manchmal die Bedürfnisse der armen Suffa-Gefährten, die die ersten Schüler des Islams waren, Vorrang vor den Bedürfnissen seiner eigenen Kinder hatten.

Er fragte auch nach dem Wohlergehen der Gefährten, die nicht anwesend waren, er hörte sich ihre Probleme an und versuchte, eine Lösung zu finden. So kam zum Beispiel eines Tages die Frau des Abu Sufyan (r.a.) zum Gesandten Allahs und beschwerte sich über den Geiz ihres Ehemannes und fragte ihn, ob es erlaubt sei, ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes für die Versorgung der Familienmitglieder Geld auszugeben. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) beruhigte sie, indem er ihr erklärte, dass es kein Problem sei, für die (nach Tradition und nach üblichen Gepflogenheiten) angemessene Versorgung der Familie Geld auszugeben.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) kümmerte sich persönlich um die Beschwerden seiner Gefährten. Er hörte sich auch die Beschwerden der kranken Personen an und empfahl ihnen medizinische und seelische Heilmethoden. Er pflegte, die kranken Leute zu besuchen, und bat Allah Ta´ala um Heilung für sie. Eines Tages konnte er sich nicht halten und musste weinen, als er Saʿd b. Ubada (r.a.) krank im Bett liegen sah. Wie sollte der barmherzige Gesandte Allahs (s.a.w.), der um Saʿd weinte, nicht um die Gefährten weinen, die in Biʾr Maʿuna gefallen waren? Einige Leute von den Volksstämmen der Umgebung hatten behauptet, sie seien Muslime geworden, und baten den Gesandten Allahs – in der Hoffnung, dass er sie nicht ablehne –, ihnen einen Lehrer zu schicken. Daraufhin hatte der Gesandte Allahs (s.a.w.) siebzig Personen aus den Reihen der Ansar zu ihnen geschickt. Doch sie lockten die Gefährten in eine Falle und töteten sie auf grausame Weise. Dieses Ereignis machte den Gesandten Allahs so traurig und wütend, dass er diese Volksstämme dreißig Tage lang verfluchte. So sagte der junge Gefährte Anas b. Malik (r.a.), der dem Gesandten Allahs zehn Jahre lang gedient hatte: „Ich habe nicht gesehen, dass der Gesandte Allahs um irgendeine militärische Truppe so sehr getrauert hat wie um die siebzig Gefährten.“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) verhielt sich gegenüber seinen Gefährten stets verständnisvoll und war niemals streng, grob oder hartherzig gegen sie. Malik b. Huwayris (r.a.), der der Gruppe angehörte, die aus ihren Dörfern nach Medina gekommen waren, um ihre Religion näher kennenzulernen, erinnert sich an ein Ereignis, das die Barmherzigkeit des Gesandten Allahs darstellt: „Wir kamen beim Gesandten Allahs an und waren Jugendliche, die alle etwa im gleichen Alter waren. Wir blieben zwanzig Nächte bei ihm. Der Gesandte Allahs war sehr gütig und nett zu uns. Eines Tages spürte er, dass wir unsere Familien vermissten, und fragte uns, wen wir in unseren Familien zurückgelassen hätten. Wir erzählten ihm von unseren Familien. Daraufhin sagte er: ‚Kehrt zu euren Familien zurück, bleibt bei ihnen und lehrt sie das, (was ihr hier gelernt habt), damit sie es auch praktizieren. Wenn die Gebetszeit eintritt, soll einer von euch den Gebetsruf (Adhan) rufen und die älteste Person von euch soll das Gebet vorbeten.‘“

Das Verhalten des Gesandten Allahs (s.a.w.) bereitete den Gefährten niemals Schwierigkeiten. Er war sogar in religiösen Angelegenheiten so sensibel, dass er ihnen damit keine Probleme bereiten wollte. So sagte er einmal: „Manchmal habe ich die Absicht, das gemeinsame Gebet mit einer langen Koranrezitation zu verrichten. Doch dann höre ich ein kleines Kind weinen und halte das Gebet nicht allzu lang, um der Mutter des Kindes keine Schwierigkeit zu bereiten.“ Obwohl der Gesandte Allahs (s.a.w.) wollte, dass man das Nachtgebet (Ischa) etwas später verrichtete, befahl er dies seinen Gefährten nicht, um es ihnen nicht zu erschweren. Aischa (r.a.) berichtet, dass der Gesandte Allahs manche gottesdienstlichen Taten bewusst vermied, da er sich dachte, die Menschen würden diese Taten regelmäßig wiederholen und Allah Ta´ala würde sie ihnen als Pflicht auferlegen. Dies war auch der Grund, warum der Gesandte Allahs (s.a.w.) die Entscheidung traf, das Tarawih-Gebet nicht gemeinsam in der Moschee zu verrichten. Wie sehr diese Gedanken doch mit seiner erleichternden Verhaltensweise übereinstimmen!

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) teilte unter allen Umständen die Sorgen seiner Gefährten und versuchte sie zu trösten. Dies war seine Aufgabe als Gesandter. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er genau dies damit meinte, als er sagte, er sei ihnen als Unterstützer geschickt worden. Er machte sich nicht nur um seine Gefährten Sorgen, mit denen er dieselbe Stadt bewohnte, sondern machte sich auch Gedanken um seine Gemeinschaft, die nach ihm kommen und ihm folgen wird. Die Warnungen und Empfehlungen des Gesandten Allahs, die auf keine Zeit und keinen Ort begrenzt waren, waren für seine Gemeinschaft stets ein Wegweiser und werden es auch weiterhin sein. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Jeder Prophet hat ein Bittgebet für seine Gemeinschaft. Ich hebe mein Bittgebet für den Tag der Auferstehung auf, um ihnen ein Fürsprecher zu sein.“ Dieser Satz stellt den unendlichen Wunsch des Gesandten Allahs nach dem Wohlergehen seiner Gemeinschaft dar. Dies war das Bittgebet des Gesandten Allahs, das er für den Tag der Auferstehung aufhob und mit dem er die Vergebung und Gnade Allah Ta´alas erhoffte. Er fügte seiner Aussage, dass jeder Gesandte nur für sein eigenes Volk, er aber für die gesamte Menschheit entsandt worden war, außerdem hinzu, dass er (von Allah Ta´ala`) das Recht bekam, die allgemeine Fürsprache zu halten; als wollte er in dem Moment mit dieser Aussage die gesamte Menschheit umarmen. Die Hitze des Sandes, der auf der Stirn des Gesandten Allahs (s.a.w.) brannte, verwandelte sich mit der Freudenbotschaft, dass seiner Gemeinschaft vergeben wurde, in seinem Herzen in die kühlen Gewässer des Paradieses.