19. Bölüm
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19. Bölüm

DIE WÜRDE UND DIE RECHTE DER FRAUEN STEHEN UNTER DEM SCHUTZ DES PROPHETEN

In den Straßen von Medina versuchte eine arme Frau mittleren Alters in einem Kleid, das sie sich von ihrer Nachbarin geliehen hatte, zum Haus des Propheten zu gelangen. Sie war untröstlich und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie konnte ihre Tränen nicht aufhalten. Wenn es keine Hoffnung auf einen Unterschlupf, auf eine Lösung gäbe, hätte sie keine Kraft gehabt, auch nur einen einzigen Schritt zu tun. Sie kam in Eile zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Es war, als steckte Hawla bnt. Malik b. Sa‘laba (r.a.) etwas in der Kehle. Sie hatte Mühe, ihre Stimme hören zu lassen. Sie saß vor dem Gesandten Allahs (s.a.w.). „Oh Gesandter Allahs! Mein Mann hat mir den Rücken gekehrt!“

Der Ehefrau „den Rücken zu kehren“ (Zihar) war eine Tradition noch aus der Dschahiliyyah und bedeutete, sich von der Frau scheiden zu lassen. Der Mann verglich seine Frau mit seiner Mutter und machte sie für sich zum Haram (absolut verboten), sodass die Scheidung wirksam wurde. Tatsächlich versuchte Hawla (r.a.), ihr langjähriges Zuhause zu retten, das ihr viele Kinder eingebracht hatte.

Aber nach dieser Tradition war eine solche Scheidung unumkehrbar. Dennoch vertraute Hawla auf die Barmherzigkeit Allahs und die Seines Gesandten und glaubte, dass eine Lösung gefunden werden würde. Sie setzte ihre Worte wie folgt fort: „Oh Gesandter Allahs! Meine Jugend habe ich meinem Mann geschenkt. Ich habe ihm Kinder zur Welt gebracht. Als ich alt wurde und nicht gebären konnte, hat er mich mit seiner Mutter verglichen und mir den Rücken gekehrt!“

Hawlas Bemühungen trafen den Gesandten Allahs (s.a.w.) sehr tief. Es gab jedoch keine Offenbarung seitens Allah Ta´alas bezüglich des Zustands dieser tränenreichen Frau, die versuchte, ihre Familie zu retten. Was auch immer zu der Zeit traditionell üblich war, das würde seine Entscheidung sein. Demnach würde Hawla von nun an als geschieden gelten. Hawla konnte diese Situation nicht akzeptieren und glaubte, dass Allah sie nicht in diesem Zustand belassen würde. Sicherlich musste es eine Lösung für dieses Problem geben. Sie murmelte vor sich hin: „Oh Allah, ich trage Dir meine Beschwerde vor!“

Allah, Der Allmächtige, antwortete der Beschwerde dieser Frau, die darum kämpfte, ihr erlittenes Unrecht zu beseitigen und ihr Zuhause zu retten, und offenbarte die Sura „al-Mudschadala“, was „die kämpfende Frau“ bedeutet.

Diese Sure begann mit den Worten: „Allah hat die Worte der Frau gehört, die mit dir über ihren Ehemann gestritten und sich bei Allah beschwert hat. Allah hat ihr Gespräch (bereits) gehört. Wahrlich, Allah hört und weiß alles. Die göttliche Barmherzigkeit lehnte diese hässliche Tradition ab, die die Frauen erniedrigte, zutiefst verletzte und sie benachteiligte, mit den Worten: „Diejenigen von euch, die an ihren Frauen Zihar begehen, lasse sie wissen, dass diese Frauen nicht ihre Mütter sind. Ihre Mütter sind nur die Frauen, die sie geboren haben.“

Hawlas Kampf war wirksam bei der Abschaffung der Zihar-Tradition der Dschahilayyah (Unwissenheit/vorislamische Epoche). Was aber Hawla (r.a.) an dieser Stelle vor allem die Kraft zum Kampf verlieh, war ihr Bewusstsein für die Wertschätzung, die der Islam den Frauen beimisst. Viele hässliche Verständnisse und Praktiken in Bezug auf Frauen aus dem Zeitalter der Unwissenheit wurden durch den Islam ersetzt. Aus diesem Grund vertraute Hawla auf Allah Ta´ala und verhalf schließlich, einer Tradition ein Ende zu setzen, die Frauen unterdrückte.

In der vorislamischen, mekkanischen Gesellschaft, in der der Prophet (s.a.w.) lebte und aufwuchs, ließ sich die Wertschätzung der Frau anhand dessen verstehen, was bei der Geburt eines Mädchens empfunden und gelebt wurde: „Und wenn einem von ihnen eine Tochter angekündigt wird, dann bedeckt ein schwarzer Schatten sein Gesicht und er grollt. Er verbirgt sich wegen der üblen Nachricht vor dem Volk: Soll er es zur Schande behalten oder im Staub vergraben. Ist ihr Urteil nicht falsch?!“ Allah Ta´ala hat verkündet, dass dieses Werturteil von ihnen ein „schlechtes Urteil“ ist, und Allah Ta´ala ließ eine Tochter (Tochter Imrans) wie Meryem (Jesus Mutter Maria (r.a.)) als „eine seltene Pflanze“ wachsen und gedeihen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte in einem Hadith: „Wer drei Töchter oder drei Schwestern oder zwei Töchter oder zwei Schwestern hat und gut mit ihnen lebt und sich seiner Verantwortung gegenüber Allah für sie bewusst ist, für den gibt es das Paradies!“ Aufgrund dieser göttlichen Gebote sollte ein Mädchen, das der Welt die Augen geöffnet hat, nicht mit Scham und Wut begrüßt werden, sondern als ein Wesen, dank dessen Existenz das Paradies erlangt werden kann.

Insbesondere dem Schutz der Rechte von Mädchen ohne Angehörigen und der Waisenmädchen bezüglich ihrer Versorgung und ihrer Sicherheit misst der Islam hohe Bedeutung bei. In der vorislamischen Zeit wurden Mädchen ohne Angehörige und Waisenmädchen, die unter der Obhut und dem Schutz von jemandem aufwuchsen, gezwungen, mit viel weniger Mahr (Brautgabe), als andere Frauen in der Gesellschaft, Männer zu heiraten, die sich um sie kümmerten (ihre Fürsorge übernahmen). Mahr war jedoch ein Betrag, um die wirtschaftliche Sicherheit der Frau nach der Heirat zu gewährleisten. Aus diesem Grund wollte Allah, Der Allmächtige, nicht, dass im Falle einer Auflösung der Ehe, selbst wenn, „einer Frau mehrere Ladungen Mahr gegeben wurde“, dies zurückgenommen wird. Aufgrund der Vorteile, die Mahr den Frauen in der Ehe bot, war es verboten, Waisenmädchen gegen einen kleinen Mahr zu heiraten, damit ihre Situation als Waise nicht ausgenutzt wird. Auf der anderen Seite könnten diejenigen, die sich um verwaiste Mädchen kümmerten, nach der Schönheit dieser Mädchen gieren und sie daran hindern, einen anderen zu heiraten, nur damit der Besitz, den diese Mädchen geerbt haben und den sie bis zu ihrer Urteilsfähigkeit verwalten, nicht an Fremde übergeht. Mit folgendem Vers wurde diese Unterdrückung und das Unrecht an der Frau abgelehnt: „Und sie werden dich über die Rechte der Frauen befragen. Sprich: ‚Allah hat euch darüber in der Schrift belehrt, auch hinsichtlich verwaister Mädchen, denen ihr nicht gebt, was euch vorgeschrieben ist, weil ihr sie heiraten wollt; ebenso hinsichtlich hilfloser Kinder und dass ihr gegen die Waisen Gerechtigkeit üben sollt. Und was ihr Gutes tut, siehe, Allah weiß es.“

Mit dem Islam wurde die hässliche Haltung gegenüber der Frau, die Unterdrückung und die schlechte Behandlung von Frauen, die noch aus dem Zeitalter der Dschahilayyah beibehalten wurden, eine nach der anderen beseitigt. Eines Tages sagte ein Mann in der Stadt des Propheten, als ob er sich rächen wollte, wütend zu seiner Frau: „Bei Allah, ich werde mich weder von dir scheiden lassen noch mit dir verheiratet bleiben!“ Die Frau fragte: „Wie soll das gehen?“ Der Mann antwortete: „Ich werde dich scheiden (mit einer Talaq-Rischi) und werde zu dir wiederkehren, kurz bevor deine Iddah (Wartefrist) endet. Dann scheide ich dich wieder und mache dasselbe immer wieder.“ Der Mann konnte auf diese Weise die Frau hundertmal von sich scheiden, aber dadurch, dass er innerhalb ihrer Iddah zu ihr zurückkehren würde, sie auch daran hindern, einen anderen zu heiraten. Die Frau kam zu Aischa (r.a.) und erklärte ihre Lage. Mit dieser Willkür ihres Mannes wäre sie weder verheiratet noch geschieden, sondern würde ihr Leben als eine Gefangene fortsetzen. Aischa (r.a.) konnte der Frau nichts sagen und erklärte die willkürliche Praxis des Mannes dem Gesandten Allahs. Der Prophet der Barmherzigkeit schwieg angesichts einer solchen Situation. In diesem Moment offenbarte Allah Ta´ala Sein Urteil, das die Rechte und die Ehre der Frauen während einer Scheidung schützt: „Der Scheidungsspruch (Scheidung mit Rückkehr) ist zweimal (erlaubt), dann aber müsst ihr sie in Güte behalten oder im Guten entlassen […].“

Vor dem Islam erlebten Witwen, die ihre Ehemänner verloren hatten, ernsthafte Schwierigkeiten. Die Familien und Verwandten ihrer verstorbenen Ehemänner nahmen diese Frauen gewaltsam in ihren Besitz, sie zwagsheirateten sie entweder selbst, oder verheirateten sie mit wem sie wollten, oder erlaubten ihnen nie, zu heiraten. Eine Witwe hatte nie ein Mitspracherecht bei ihrer Wiederverheiratung. Sie durfte nur heiraten, wenn sie die ihr von ihrem Mann gezahlte Mahr an die Familie ihres Mannes zurückgab. In gewisser Weise galt die Frau als ein Erbstück ihres verstorbenen Mannes. Diese Tradition, die Frauen nicht einmal das Recht einräumte, über ihre eigene Ehe zu entscheiden, wurde mit dem Vers: „Oh ihr, die ihr glaubt! Euch ist nicht erlaubt, Frauen gegen ihren Willen zu erben […]“, abgelehnt. Bevor dieser Vers offenbart wurde, konnten verwitwete Frauen behalten werden, indem sie sogar mit einem Kind aus der Familie des verstorbenen Ehemannes verheiratet wurden. Eines Tages erreichten diese Praktiken einen so hässlichen Höhepunkt, dass nach dem Tod des Medina-Dichters Abu Kays b. al-Aslat sein Sohn Kays, seine Stiefmutter Kabscha bint Ma´n, die er als das Erbe seines Vaters betrachtete, heiraten wollte. Die hilflose Frau ging sofort zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und stellte ihre Situation dar, und die folgenden Verse wurden offenbart: „Und heiratet nicht Frauen, die eure Väter geheiratet hatten, abgesehen von dem bereits zuvor Geschehenen. Siehe, dies ist eine Schande, etwas Abscheuliches und ein übler Weg.“

In ähnlicher Weise billigte der Gesandte Allahs (s.a.w.) nicht die Zwangsheirat von Mädchen, die das Heiratsalter erreicht hatten, durch ihre Väter und verlangte, dass ihnen das Mitspracherecht gegeben wird, und sagte: „Mit einer Witwe wird keine Ehe geschlossen, wenn ihre Zustimmung nicht eingeholt wird, und (auch nicht) mit einem jungfräulichen Mädchen, wenn ihr Einverständnis nicht eingeholt wird.“

Während in Medina die islamische Gesellschaft in all ihren Facetten aufgebaut wurde, bezog sich eine weitere Verordnung bezüglich der Frauenrechte auf das Erbrecht. Nach der Schlacht von Uhud ging die Witwe von Sa‘d b. ar-Rabi (r.a.), der in diesem Krieg zum Märtyrer wurde, zum Propheten und nahm ihre beiden Töchter mit. Sie sprach über die Ungerechtigkeit, die sie erlitten hatten: „Oh Gesandter Allahs, dies sind die Töchter von Sa ‚d b. ar-Rabi. Ihr Vater wurde zum Märtyrer, als er an deiner Seite in der Schlacht von Uhud kämpfte. Ihr Onkel beschlagnahmte ihr gesamtes Eigentum und hinterließ ihnen nichts. Es ist für sie auch unmöglich zu heiraten, wenn sie kein Eigentum haben!“ Zweifellos waren Sa‘ds Witwe und Töchter nicht die ersten Frauen, die diese Ungerechtigkeit erleiden mussten. Es war seit langem Tradition, dass Frauen und Mädchen nichts erben durften. Sa‘ds Witwe war sich sicher, dass der Islam dieser unfairen Praxis ein Ende setzen würde. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) bat sie, geduldig zu sein, bis Allah eine Lösung in dieser Angelegenheit offenbart. Nach einer Weile wurden die Verse bezüglich der Erbschaft offenbart. Der Prophet (s.a.w.) rief Sa‘ds Bruder zu sich und forderte ihn auf, den Mädchen zwei Drittel des Erbes und deren Mutter ein Achtel zu geben und den Rest selbst zu behalten. Der große Kalif Umar (r.a.) drückte die Rechte, die die Frauen nach der Verkündung des Islams erlangt haben, mit folgendem Satz aus: „Bei Allah, wir haben den Frauen im Zeitalter der Dschahiliyyah überhaupt keinen Wert beigemessen, bis Allah über sie Seine Verkündungen herabgesandt und ihnen ihren Anteil gegeben hat.“

Mit der Verkündung des Islams befreiten sich die weiblichen Gefährten nicht nur von den unfairen Praktiken, die sie im Zeitalter der Unwissenheit erlitten hatten, sondern begannen auch, eine aktivere Rolle im gesellschaftlichen Leben zu spielen. Ein typisches Zeichen dafür waren ihre Einsätze in den Kriegen. Vor der Schlacht von Khaybar kam eine Gruppe von Frauen zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „Oh Gesandter Allahs! Wir ziehen auf Pfade Allahs in den Dschihad mit dem, was wir durch das Spinnen von Wolle verdient haben. Wir haben Medikamente für die Verwundeten dabei. Wir können die abgeworfenen Pfeile einsammeln und sie den Soldaten geben und ihnen Mehlsuppe zubereiten.“ Darauf sagte der Gesandte Allahs: „Na dann los!“ Nach dem Sieg von Khaybar hat er diesen Frauen einen Anteil an der Kriegsbeute gegeben, so wie er auch den Männern gegeben hat.

Zur Zeit des Propheten konnten Frauen problemlos an vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens teilnehmen. Einige Frauen waren im Handel tätig, einige im Bildungswesen, einige im Gesundheitswesen. Die vielleicht wichtigste Praxis, die den Wert und die Bedeutung der Frauen in der Gesellschaft zur Zeit des Propheten offenbarte, ist jedoch, dass der Gesandte Allahs den Treueeid der Frauen entgegennahm. Dass die Gefährtinnen auch beim Treueschwur, der eine Art Loyalitätsabkommen zwischen dem Staatsoberhaupt und seinem Volk darstellte, zugegen waren, weist darauf hin, dass ihnen ein wichtiger sozialer und politischer Status zukam.

Während der Gesandte Allahs (s.a.w.) den Frauen Wert und Status in der Familie und im gesellschaftlichen Leben einräumte, beschützte er sie andererseits immer und ließ nicht zu, dass ihnen ihre Rechte genommen oder sie bedrängt wurden. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) verbot Gewalt gegen Frauen, indem er gewalttätige Männer daran erinnerte, dass sie mit ihren Frauen das Bett teilen müssen. Aischa (r.a.) sagte, dass der Gesandte Allahs niemals seine Hand gegen eine Frau oder eine Dienerin gehoben hat. Der freundliche und verständnisvolle Umgang mit den Frauen war eines der Lebensprinzipien unseres Propheten. Während er riet, freundlich zu Frauen zu sein, verglich er sie in seiner einzigartigen Art mit filigranen Kristallen. Nach den Berichten von Anas b. Malik (r.a.) war Anas‘ Mutter Umm Sulaym (r.a.) bei den Frauen des Propheten, als dieser zur Abschiedspilgerreise aufbrach. Ein Sklave namens Andschascha führte die Kamele. Als dieser Sklave mit seiner schönen Stimme in der Aufregung der Reise laut Gedichte rezitierte, beschleunigten die Kamele; der Gesandte Allahs rief ihm zu: „Oh Andschascha! Trage die Kristalle vorsichtig.“

Unser gnadenreicher Prophet (s.a.w.) warnte die Männer, indem er auf die filigrane und zerbrechliche Natur der Frauen aufmerksam machte. Er wies darauf hin, dass das Ignorieren und Erzwingen dieser sensiblen Struktur unweigerlich zum Bruch führen würde. Zweifellos sind die besten seiner Ummah diejenigen, die den Propheten als Beispiel nehmen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) war, so wie in jeder Angelegenheit, auch im Umgang mit Frauen das beste Beispiel. Er sagte: „Der Beste unter euch ist derjenige, der seine Familie am besten behandelt. Und ich bin derjenige unter euch, der seine Familie am besten behandelt.“

Dank der entschlossenen Haltung des Gesandten Allahs (s.a.w.), Frauen gut zu behandeln und Unterdrückung und Gewalt gegen sie zu bekämpfen, atmeten die Frauen in Medina erleichtert auf. So sehr, dass Umar (r.a.) wie folgt ausdrückte, wie sich die Stellung der Frau nach der Migration nach Medina, insbesondere in der Familie, verändert hatte: „Wir (als der Quraysch-Stamm) waren eine Gesellschaft, die über Frauen dominierte. Als wir nach Medina kamen, trafen wir auf eine Gesellschaft, in der Frauen das Sagen hatten. Nach einiger Zeit haben unsere Frauen diese Einstellung von ihren Frauen gelernt.“

Die Tatsache, dass die Frauen in Medina sich darin wohler fühlten, ihre Forderungen zu äußern, ihre Rechte einzufordern und sich selbst zu verteidigen, war eine Situation, die mekkanischen Gefährten wie Umar (r.a.) nicht sehr gefiel. Eines Tages schimpfte Umar mit seiner Frau, die ihm die Meinung zu einem Thema äußerte: „Wer bist du, dass du Umar belehren kannst?“ Daraufhin antwortete ihm seine Frau: „Warum versuchst du mich daran zu hindert, dir zu antworten? Selbst die Frauen des Propheten äußern ihre Meinung dem Propheten gegenüber. Von Zeit zu Zeit sind einige von ihnen beleidigt und reden manchmal bis zum Abend nicht mit dem Propheten.“ Diese Situation beunruhigte Umar (r.a.) sehr, und er ging direkt zu seiner Tochter Hafsa (r.a.), die einer der Frauen des Propheten war, um zu erfahren, ob dies tatsächlich der Fall war. Angesichts der Zustimmung Hafsas zu dem, was gesagt wurde, gab Umar (r.a.) seiner Tochter den folgenden Rat: „Diejenigen, die so etwas tun, führen selbst ihr Verderben herbei und gehen verloren. Wie kannst du sicher sein, dass Allah wegen des Zorns Seines Gesandten nicht auf dich zornig wird? Sei nicht stur gegenüber dem Gesandten Allahs; widersetze dich ihm nicht und sei durch ihn nicht gekränkt. Komm zu mir mit deinen Belangen, ich versuche, alle deine Wünsche zu erfüllen.“

Obwohl Umar (r.a.) besorgt war, über die lockeren Gespräche der Frauen mit dem Propheten, war der Gesandte Allahs (s.a.w.) hingegen in dieser Hinsicht sehr tolerant und freundlich zu Frauen. Eines Tages bat Umar um Erlaubnis, die Gegenwart des Gesandten Allahs betreten zu dürfen. In dem Moment war eine Frauen-Gruppe des Quraysch-Stammes beim Gesandten Allahs; sie redeten lautstark und stellten einige Forderungen an den Gesandten Allahs. Sobald sie hörten, dass Umar um Erlaubnis bat, eintreten zu dürfen, waren sie sofort still, verhüllten sich in ihren Überwurf und zogen sich in eine Ecke zurück. Unser Prophet begann über diesen Zustand zu lachen. Als Umar, der den Raum betrat, fragte, warum unser Prophet lachte, sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Der Zustand der Frauen neben mir war seltsam. Als sie deine Stimme hörten, legten sie sofort ihre Tücher an.“ Umar (r.a.) sagte: „Oh Gesandter Allahs, du bist ihres Respekts und ihrer Achtung mehr würdig (als ich)“, und wandte sich an die Frauen und sagte: „Oh Feinde ihres eigenen Nafs (Triebseele). Schämt ihr euch etwa in meiner Anwesenheit, aber nicht in der Anwesenheit des Gesandten Allahs?“ Die Frauen antworteten ihm: „Ja, den du bist härter und ungnädiger als der Gesandte Allahs.“

Der Grund dafür, dass die Frauen ungeniert und zwanglos in der Gegenwart des Propheten stehen, kommen und gehen, Fragen stellen und ihn bitten konnten, Lösungen für ihre Probleme zu finden, lag an der Freundlichkeit und Toleranz des Propheten der Barmherzigkeit, die er ihnen entgegenbrachte. Wahrlich beschreibt Allah Ta´ala das Mitgefühl und die Freundlichkeit Seines Propheten in dem Vers: „Du warst durch Allahs Barmherzigkeit sanft zu ihnen. Wenn du unhöflich und hartherzig gewesen wärst, hätten sie sich zweifellos von dir entfernt …“ Auf der anderen Seite erklärte der Prophet: „Oh Allah, ich verbiete (den Menschen) den Übergriff auf die Rechte der zwei Schwachen; die Rechte der Frauen und die der Waisen“, und machte deutlich, dass er sehr großen Wert auf die Wahrung der Rechte der Frauen und der Waisen legte und diesbezüglich niemals nachgeben würde. Da die Frauen dessen bewusst waren, trugen sie ihre Probleme, mit denen sie konfrontiert waren, die Probleme, für die sie keine Lösung finden konnten, einfach und ohne zu zögern dem Propheten vor.

So sehr, dass als Umm Salama (r.a.) sagte: „Männer ziehen in den Krieg, aber Frauen können nicht in den Krieg ziehen. Außerdem bekommen wir einen halben Anteil am Erbe!“, und ihre Unzufriedenheit ausdrückte, der folgende Vers verkündet wurde: „Und begehrt nicht das, womit Allah den einen von euch vor dem anderen auszeichnete. Den Männern soll ein Anteil nach Verdienst gehören. Und bittet Allah um Seine Huld. Allah weiß alle Dinge.“ Bei einer anderen Gelegenheit sagte Umm Umara (r.a.): „Ich sehe, dass Männer in jedem Thema im Koran erwähnt werden. Ich sehe nicht, dass Frauen in irgendeiner Weise erwähnt werden.“

Daraufhin wurde dieser Vers offenbart: „Wahrlich, die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen, die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, die gehorsamen Männer und die gehorsamen Frauen, die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen, die standhaften Männer und die standhaften Frauen, die demütigen Männer und die demütigen Frauen, die Almosen spendenden Männer und die Almosen spendenden Frauen, die fastenden Männer und die fastenden Frauen, die ihre Keuschheit wahrenden Männer und die ihre Keuschheit wahrenden Frauen, die Allahs häufig gedenkenden Männer und gedenkenden Frauen - Allah hat für sie Vergebung und großen Lohn vorgesehen.“

Die weiblichen Gefährten fragten den Gesandten Allahs nach vielen Rechtsfragen (Fiqh) wie zum Beispiel, welche Waschung sie nach der Menstruation vornehmen müssen, wie Haarverlängerungen bewertet werden, ob sie heimlich das Eigentum ihrer geizigen Ehemänner nehmen dürfen oder nicht. Der Prophet (s.a.w.) half Frauen immer in solchen religiösen Angelegenheiten und bei Problemen ihres Privatlebens. Als zum Beispiel sowohl Muawiya als auch Abu Dschahm um die Hand der Fatima b. al-Qays anhielten, warnte der Gesandte Allahs Fatima, dass Muawiya arm und Abu Dschahm eine aggressive Person sei. Er riet ihr, stattdessen Usama b. Zayd zu heiraten.

Der Wunsch der weiblichen Gefährten, die Inhalte des edlen Korans und der Sunnah auf die authentische Weise zu lernen und diese auszuleben, war die Grundlage ihrer Bemühungen, dem Propheten nahe zu sein und ihm Fragen zu stellen. Sie wollten nicht hinter den männlichen Gefährten zurückbleiben, wenn sie den Koran und die Sunnah lernen. Asma bnt. Yazid, eine Dame aus Medina, die für ihre eloquenten Reden bekannt war und daher als „Sprecher der Frauen“ bekannt wurde, kam als Sprecherin einer Frauen-Gruppe zum Gesandten Allahs und sagte, dass Männer ständig Bildung erhalten und forderte, dass er den Frauen einen Tag zuteilt. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) begrüßte dieses Angebot und teilte den Frauen einen gesonderten Tag zu, um sie über den Koran und die Sunnah zu belehren. Abgesehen von diesem besonderen Tag kamen Frauen in die Moschee des Propheten und nahmen an den Tagesgebeten, einschließlich des Morgengebets teil und hörten den Predigten des Propheten zu. Der Prophet (s.a.w.) unterstützte die Frauen und sagte bei einem Bau einer Moschee: „Verhindert die weiblichen Diener Allahs nicht in die Moscheen Allahs kommen“, und verhinderte höchstpersönlich, dass eine Mauer zwischen den Frauen und der Moschee gebaut wurde.

Zur Zeit des Gesandten Allahs kamen Frauen in die Moschee oder in das Haus des Propheten, um ihm Geschenke zu überreichen oder ihm Essen anzubieten. Zum Beispiel hatte Umm Hufeyd, die Tante von Abdullah ibn Abbas, dem Propheten einige Lebensmittel wie Butter und dehydrierten Joghurt gebracht. Aischas (r.a.) Dienerin Barira bot dem Gesandten Allahs (s.a.w.) das ihr gespendete Fleisch an.

Die Frauen scheuten nicht, mit ihren Kindern zum Propheten zu kommen. Umm Qays bint Mihsan, eine der ersten Musliminnen und Einwandererfrauen aus Mekka, kam mit ihrem kleinen Baby zum Propheten und der Gesandte Allahs (s.a.w.) nahm das Baby und legte es auf seinen Schoß. Es kamen Frauen wie Umm Zufar, die angesichts einer Krankheit den Propheten um ein Gebet baten, oder wie Umm Harise bint Suraka, die Mutter eines Märtyrers, die vom Gesandten Allahs Informationen über den Status ihres Kindes im Jenseits erhalten wollten. Während der Krankheit, die den Tod unseres geliebten Propheten verursachte, betraten seine weiblichen Gefährten das „Haus der Glückseligkeit“, das ihnen bis zu diesem Tag immer offen stand, um dem Gesandten Allahs Genesung zu wünschen. Sie konnten sich nicht damit abfinden, dass der Prophet (s.a.w.) sie verlassen würde. Deshalb sagten sie zum Propheten: „Oh Gesandter Allahs, bitte Allah darum, dass Er dich heilt!“ All dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, dass Frauen während der Zeit des Gesandten Allahs bei verschiedenen Gelegenheiten aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnahmen.

Dank der offenbarten Koranverse und der vom Gesandten Allahs (s.a.w.) festgelegten Regeln und Maßnahmen wurden Frauen während der Zeit des Propheten, förmlich durch die Offenbarung geschützt. Abdullah b. Umars (r.a.) folgendes Geständnis erklärt diese Situation sehr deutlich: „Zur Zeit des Propheten (s.a.w.) haben wir aus Angst, es könnte über unser Verhalten eine Offenbarung gesandt werden, uns zurückgehalten, unseren Frauen zu widersprechen oder frei gegen sie zu handeln. Als der Prophet (s.a.w.) jedoch verstarb, begannen wir zu sagen, was wir wollten und handelten unbedacht.“

Vielleicht hatten Frauen zu keinem anderen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit den Frieden und die Sicherheit erlangt, die sie zur Zeit des Propheten hatten. Es war schon immer sehr schwierig für sie, die Möglichkeit zu haben, der Menschheit ihren wahren Wert zu zeigen, den sie als Sachwalter Allahs auf Erden haben, und ihre Talente, ihr Wissen und ihre Erfahrungen zum Wohle der Gesellschaft anzubieten. Zur gleichen Zeit, während in Europa diskutiert wurde, ob eine Frau eine Seele hat oder nicht, begrüßte der Engel Gabriel (a.s.), der dafür verantwortlich war, dem Propheten das Wort Allahs zu übermitteln, Aischa (r.a.), die Mutter der Gläubigen. Eines Tages wandte sich der Gesandte Allahs an seine Frau und sagte: „Oh Aischa! Das ist Gabriel, er begrüßt dich.“

Diese Ummah (Religionsgemeinschaft) mit ihren Männern und Frauen ist sich bewusst, wie der Gesandte Allahs (s.a.w.), der sie die göttliche Offenbarung lehrte, alle, insbesondere Frauen, gnädig beschützte und über sie wachte. Die Anwesenheit des Gesandten Allahs war eine Gnade für die Ummah. Deshalb antwortete Umm Ayman - als sie aufschrie, als der Gesandte Allahs (s.a.w.) seinen letzten Atemzug tat, und daraufhin gefragt wurde: „Warum weinst du? Das, was bei Allah ist, ist für den Gesandten Allahs viel gesegneter.“ – mit: „Ich weine nicht, weil ich nicht weiß, dass das, was bei Allah ist, besser für den Gesandten Allahs ist. Eigentlich weine ich, weil die Offenbarung, die herabgesandt wurde, aufgehört hat.“

Mit der Verkündung des Islams erlangten Frauen viele soziale und wirtschaftliche Rechte, die ihnen im Zeitalter der Unwissenheit vorenthalten waren; sie wurden geschätzt und respektiert. Die Anwesenheit des Propheten (s.a.w.) war für Frauen fast eine soziale Sicherheit, besonders als sich die muslimische Gemeinschaft zu organisieren begann. Daher ist es kein Zufall, dass sie, wenn sie Unrecht erfuhren, beim Propheten der Barmherzigkeit landeten. Als sie ihre Probleme äußerten, bot die göttliche Offenbarung Lösungen zu ihren Gunsten und erlaubte nicht, dass sie zum Opfer wurden. So erhielten Frauen, denen viele Rechte beraubt und sie in der unwissenden arabischen Gesellschaft separiert worden waren, dank des Islams den Respekt, den sie verdienten.