2. Bölüm
HILYA-I SCHARIFA: DER STRAHLENDE, NACH ROSEN DUFTENDE PROPHET
Umm Mabad (r.a.) beschrieb unseren Propheten (s.a.w.) mit folgenden Worten: „Er war eine sehr reinlich aussehende und vornehme Persönlichkeit und hatte ein strahlendes Gesicht. Sein Körperbau war sehr schön. Er war weder zu dick noch zu mager. Er hatte eine sehr angenehme und harmonische Erscheinung. Das Schwarze und Weiße in seinen Augen war deutlich zu erkennen. Seine Wimpern waren lang. Seine Augen waren groß und mit Ithmid (Kohlekajal) unterstrichen. Seine Augenbrauen waren dünn, lang und nah beieinander. Seine Haare waren schwarz. Er hatte eine kräftige Stimme. Er war groß. Er hatte einen vollen Bart. Wenn er nicht redete, hatte er eine würdevolle Haltung. Und wenn er sprach, richtete er sich auf; dabei kam eine erhabene Haltung zustande. Er sprach sehr deutlich. Er hatte eine so schöne Ausdrucksweise, sodass es dem Zuhörer so vorkam, als würden seine Worte wie Perlen aus seinem Mund kommen. Er sprach klar und offen, er zog seine Rede nicht in die Länge, hielt sie aber auch nicht zu kurz. Auch wenn man ihn von der Ferne betrachtete, war er der Schönste und der Freundlichste; und wenn man ihn aus der Nähe sah, so hatte er eine sympathische und anmutige Erscheinung. Er hatte eine angemessene Körpergröße; er war nicht so klein oder so groß, dass sein Aussehen unangenehm auffällig wäre. Er war fast so (unauffällig) wie ein Ast zwischen zwei Ästen.“
Die Gefährten, die den Propheten (s.a.w.) kannten und mit ihm viel Zeit verbrachten, haben den späteren Generationen viele Informationen über die physischen Eigenschaften, den Charakter und die Verhaltensweisen des Gesandten Allahs übermittelt. Doch es gab eine Person unter den Gefährten des Propheten, die die Persönlichkeit und das äußere Erscheinungsbild des Gesandten Allahs (s.a.w.) schon nach dem ersten Sehen sehr prägnant beschreiben konnte. Dies war die Gefährtin Atika bint Halid (r.a.), die aber mehr unter ihrem Titel (Kunya) „Umm Mabad al-Huzaiyya“ bekannt war. Sie war die Schwester des Gefährten Hubaysch (oder Hunays) b. Halid (r.a.), der bei der Eroberung Mekkas zum Märtyrer wurde. Umm Mabad (r.a.) lebte an einem Ort zwischen Mekka und Medina, etwas fern von ihrem Volksstamm. Sie war eine vertrauenswürdige, kluge und tugendhafte Dame, die mit ihrer reifen Persönlichkeit bekannt war. Zugleich war sie sehr freigiebig. Über mehrere Jahre hinweg ging sie aus ihrem Zelt, das als „das Zelt von Umm Mabad“ Bekanntheit erlangte, und wartete dort auf Menschen, die die Wüste durchquerten, um ihr Bedürfnis nach Essen und Trinken decken zu können.
An solch einem Tag kam der Prophet (s.a.w.) gemeinsam mit seinem Freund Abu Bakr (r.a.) – der sich mit ihm zusammen in der Höhle versteckt hatte –, mit dessen Diener Amir b. Fuhayra und dem Fährtenführer Abdullah b. Urayqit während ihrer Auswanderung von Mekka nach Medina am Zelt des Umm Mabad (r.a.) an und fragten nach etwas zu essen. Der Prophet (s.a.w.) fragte: „Gibt es Milch?“ Leider herrschte zu der Zeit Not, weshalb Umm Mabed (r.a.) keine Lebensmittel mehr hatte. Sie konnte dem Gesandten Allahs diesen Wunsch nicht erfüllen. Der Prophet sah in der Nähe des Zeltes ein etwas schwächlich wirkendes Schaf und fragte nach seinem Zustand. Umm Mabad (r.a.) antwortete: „Das ist ein schwaches und unfruchtbares Schaf, das keine Milch gibt und sich nicht der Herde anschließen kann.“ Der Prophet sagte, dass er das Tier melken wolle. Also brachten sie ihm das Schaf. Er sagte: „Oh Allah! Segne dieses Schaf!“ Dann fing er an, das Schaf zu melken, und alle, die sich dort befanden, konnten reichlich von der Milch trinken. Schließlich machte sich der Gesandte Allahs (s.a.w.) gemeinsam mit seinen Reisegefährten wieder auf den Weg. Kurz darauf traf der Ehemann Umm Mabads, Abu Mabad, ein. Als er eine Schüssel voll mit Milch sah, fragte er, woher die Milch kam. Umm Mabad (r.a.) sagte: „Eine gesegnete Person kam hierher und machte dies und jenes“, und sie erzählte ihm, was geschehen war. Abu Mabad (r.a.) sagte: „Bei Allah, er ist derjenige, den die Quraysch verfolgen.“ Er wollte von ihr, dass sie ihn sehr genau beschreibt. Daraufhin beschrieb Umm Mabad (r.a.) den Gesandten Allahs (s.a.w.) mit folgenden Worten:
„Er war eine sehr reinlich aussehende und vornehme Persönlichkeit und hatte ein strahlendes Gesicht. Sein Körperbau war sehr schön. Er war weder zu dick noch zu mager. Er hatte eine sehr angenehme und harmonische Erscheinung. Das Schwarze und Weiße in seinen Augen war deutlich zu erkennen. Seine Wimpern waren lang. Seine Augen waren groß und mit Ithmid (Kohlekajal) unterstrichen. Seine Augenbrauen waren dünn, lang und nah beieinander. Seine Haare waren schwarz. Er hatte eine kräftige Stimme. Er war groß. Er hatte einen vollen Bart. Wenn er nicht redete, hatte er eine würdevolle Haltung. Und wenn er sprach, richtete er sich auf; dabei kam eine erhabene Haltung zustande. Er sprach sehr deutlich. Er hatte eine so schöne Ausdrucksweise, sodass es dem Zuhörer so vorkam, als würden seine Worte wie Perlen aus seinem Mund kommen. Er sprach klar und offen, er zog seine Rede nicht in die Länge, hielt sie aber auch nicht zu kurz. Auch wenn man ihn von der Ferne betrachtete, war er der Schönste und der Freundlichste; und wenn man ihn aus der Nähe sah, so hatte er eine sympathische und anmutige Erscheinung. Er hatte eine angemessene Körpergröße; er war nicht so klein oder so groß, dass sein Aussehen unangenehm auffällig wäre. Er war fast so (unauffällig) wie ein Ast zwischen zwei Ästen. Unter den drei Personen, die vor Ort waren, war er derjenige, der am meisten strahlte und der am angesehensten war. Seine Freunde kreisten um ihn herum. Sobald er etwas sagte, hörten sie ihm mit großer Aufmerksamkeit zu, und wenn er etwas befahl, folgten sie sofort seinem Befehl. Wahrscheinlich war er jemand, auf den die Menschen Wert legten und dem sie dienten. Kein Wort, das er sagte, war sinnlos.“
Eine weitere Person, die unseren Propheten (s.a.w.) sehr gut beschrieb, war ohne Zweifel sein Stiefsohn Hind b. Abu Hala (r.a.). Hind war der Sohn Khadidschas (r.a.) von ihrem ehemaligen Mann Abu Hala Malik b. Zurara. Eines Tages kam Abdullah b. Abbas (r.a.) zu ihm und sagte: „Beschreibe uns den Gesandten Allahs. Du bist wahrscheinlich unter uns derjenige, der ihn am besten kennt.“ Hind sagte: „Ich würde meine Mutter und meinen Vater für ihn opfern!“ Dann fuhr er mit seinen Worten fort:
„Der Gesandte Allahs war meistens still; er war stets nachdenkend und vertieft. Er redete wenig, aber bedeutsam. Er zog seine Worte nie in die Länge, hielt sie aber auch nicht zu kurz. Wenn er es für nötig hielt, wiederholte er seine Sätze. Er hatte eine ernste und nachdenkliche Haltung, wenn er jemandem einen Ratschlag gab. Wenn man sich ihm widersetzte, entfernte er sich von dort und entspannte sich bei einem Gespräch mit seinen Gefährten. Er schätzte keine Gabe Allahs gering – auch wenn es nicht viel war. Er äußerte sich niemals schlecht über ein Gericht/Essen. Sein Lachen war in Form des Lächelns und wenn er mal lachte, sah man seine schneeweißen Zähne.“
Außer Abdullah b. Abbas wollte auch Hasan (r.a.) von Khadidschas Sohn Hind, dass er den Gesandten Allahs (s.a.w.) beschreibt. Als er seinen Onkel (mütterlicherseits) Hind, der als „Wassaf“ – als jemand, der den Gesandten Allahs am besten beschreiben kann – bezeichnet wurde, darum bat, ihm etwas über den Charakter, das Aussehen und die Eigenschaften (Hilya) unseres Propheten (s.a.w.) zu erzählen, bekam er die folgende Antwort: (Wir geben diese Überlieferung mit einigen Auslassungen der zuvor wiederholten Inhalte wieder.)
„Der Gesandte Allahs hatte durch seine Blicke und seine rundliche Gesichtsform ein imposantes Auftreten. Sein Gesicht strahlte wie der Vollmond … Wenn sein Haarknoten sich gelöst hatte, setzte er den Scheitel in der Mitte und ließ seine Haare an beiden Seiten offen fallen. Wenn der Haarknoten nicht aufgelöst war, setzte er auch keinen Scheitel. Und wenn seine Haare gebunden waren, so hingen sie ihm bis zu seinen Ohrläppchen. Seine Stirn war breit. Seine Augenbrauen waren gewölbt, voll und nahe beieinander. Er runzelte nicht die Augenbrauen/blickte nie finster hinein. Zwischen seinen Augenbrauen gab es eine Ader, die nur in erzürnten Momenten zu erkennen war, normalerweise sah man sie nicht. Sein Nasenrücken war schmal, wobei sie oberhalb etwas gewölbt war. Sein Bartwuchs war dicht und üppig, seine Wangen flach. Sein Mund war breit und die Vorderzähne lagen nicht sehr dicht beieinander … Sein Nacken schimmerte wie die Nacken der Statuen, die aus Alabaster angefertigt wurden. All seine Gliedmaßen waren im harmonischen Einklang zueinander und er verfügte über ein äußerst attraktives Aussehen. Er war weder dick noch dünn. Sein Bauch und seine Brust lagen auf einer Linie. Seine Füße waren unterhalb gewölbt, er hatte keine Hohlfüße. Die Oberfläche seiner Füße war so makellos glatt, sodass das Wasser wie Öl davon abperlte. Wenn er lief, hob er seine Füße vom Boden ab (er schleifte sie nicht) und seine Oberkörperhaltung war beim Laufen leicht nach vorne geneigt. Seine Schritte waren groß und zügig. Wenn er lief, stampfte er nicht auf den Boden, sodass seine Schritte zu hören waren oder sie Staub aufwirbelten; seine Schritte waren groß und regelmäßig. Er lief besonnen und erhaben. Wenn er sich umdrehte, drehte er sich mit seinem ganzen Körper um. Er richtete seinen Blick nicht unkontrolliert durch die Gegend. Er schaute mehr auf den Boden, als dass er in den Himmel aufschaute. Meistens schaute er auch nur aus dem Augenwinkel. Wenn er mit seinen Gefährten lief, ließ er sie vorausgehen und er ging hinter ihnen her. Die Menschen, denen er auf dem Weg begegnete, grüßte er, noch bevor sie ihn grüßten.“
Nun wollte Hasan (r.a.) von seinem Onkel Hind (r.a.) mehr über die Art und Weise erfahren, wie der Gesandte Allahs (s.a.w.) redete. Hind erzählte ihm in etwa das, was er auch Ibn Abbas erzählt hatte. Hasan, der von seinem Onkel detaillierte Informationen über die Art und Weise, wie der Gesandte Allahs (s.a.w.) redete, bekommen hatte, wollte diese Informationen mit seinem Bruder Husayn (r.a.) teilen. Als Hasan erfuhr, dass Husayn all das, was er ihm erzählen wollte, bereits wusste, fragte er ihn, was er sonst für Informationen hatte. So erzählte Husayn seinem Bruder das, was er von seinem Vater Ali (r.a.) gehört hatte; wie sich der Gesandte Allahs (s.a.w.) innerhalb und außerhalb des Hauses verhielt und wie seine Beziehung zu seinen Gefährten war:
„Wenn der Gesandte Allahs nach Hause kam, teilte er seine Zeit in drei Abschnitte ein; ein Teil war für seine Gebete bestimmt, ein Teil für seine Familie und ein Teil für sich selbst. Die Zeit, die er für sich nahm, teilte er wiederum in zwei Abschnitte ein; in einem ruhte er sich aus und im zweiten empfing er seine Gäste. Die Gäste, die zu ihm nach Hause kamen und sich mit dem Gesandten Allahs unterhielten, waren auserwählte „Hawas“ (Gelehrte), die das, was sie neu gelernt hatten, den anderen Leuten beibrachten. Der Gesandte Allahs verheimlichte nichts vor seinem Volk. Wenn mehrere Gäste um Erlaubnis baten, empfing er prinzipiell zunächst diejenigen, die tugendhaft und gottesfürchtig waren. Er unterschied seine Gäste niemals aufgrund ihrer Abstammung, sondern hielt ihren Bezug zur Religion im Vordergrund. Seine Gäste hatten jeweils unterschiedliche Anliegen und Fragen. Auf die Fragen, die ihm persönlich oder durch einen Vermittler gestellt wurden, antwortete er so, dass sowohl die Fragenden als auch das ganze Volk davon profitieren konnten, und fügte stets hinzu: ‚Leitet das, was ihr hier gehört und gesehen habt, auch an die weiter, die sich im Moment nicht hier befinden. Und lasst mich auch von den Anliegen/Bedürfnissen derjenigen wissen, die nicht die Möglichkeit haben, hierher zu kommen. Denn wer einem anderen, der selbst nicht die Möglichkeit hat, seine Anliegen zu übermitteln, hilft, diese an eine verantwortliche Person weiterzuleiten, dem erleichtert Allah am Tag der Auferstehung das Überqueren der Sirat-Brücke.‘ In Anwesenheit des Gesandten Allahs wurden nur Themen dieser Art besprochen und es war nicht erlaubt, andere Themen zu besprechen. Die Menschen kamen mit Wissensdurst zum Gesandten Allahs und stillten dort ihren Durst, sodass sie selbst als Wegweiser zum Guten den Ort verließen.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sprach keine sinnlosen Worte. Er war immer wohlwollend zu seinen Mitmenschen, sodass sie nichts Abschreckendes an ihm fanden. Den gnädigen Personen unter den Leuten schenkte er besondere Aufmerksamkeit und setzte sie in leitende Positionen ein. Er warnte die Menschen, machte sich Sorgen um sie; er legte einen sehr großen Wert auf sie und schenkte jedem Einzelnen ein Lächeln und schöne Worte. Wenn ein Gefährte nicht anwesend war, fragte er nach dem Grund, ging ihn besuchen und kümmerte sich um ihn. Menschen, denen er begegnete, fragte er nach ihrem Wohlbefinden und nach den Zuständen in ihrer Umgebung. Das Schöne und Gute gefiel ihm, sodass er es auch unterstützte, aber das Schlechte lehnte er sofort ab und widerlegte es. Alle seine Taten waren im Einklang; seine Worte und Handlungen widersprachen sich nicht. Aus Angst, dass seine Gefährten in eigenen Angelegenheiten eines Tages in Unachtsamkeit und Überdruss geraten könnten, hielt er sich in ihrem Namen für jede neue Situation bereit. Er sah es als seine Aufgabe an, für jedes Problem eine Lösung zu finden. Seiner Auffassung nach war der Tugendhafte unter den Menschen, derjenige, der anderen Gutes tat; und die höchste Stellung hatten seiner Meinung nach diejenigen, die sich den Angelegenheiten des Volkes annahmen und ihnen Unterstützung und Hilfe leisteten.
Sowohl im Stehen als auch im Sitzen gedachte er stets Allahs (Dhikir). Wenn er eine Gemeinschaft besuchte, die sich in einer Versammlung befand, setzte er sich nicht ganz vorne auf einen bestimmten Platz hin, sondern auf irgendeinen leeren Platz; dieses Verhalten erwartete er auch von seinen Gefährten. Die neben ihm sitzenden Personen fragte er gemäß ihrem Rang nach ihrem Wohlergehen und ihrer Situation und machte ihnen Komplimente. Seiner Umgebung gegenüber war der Gesandte Allahs (s.a.w.) so freundlich und herzlich, sodass jeder Mensch von sich selbst den Eindruck hatten, er wäre in den Augen des Propheten die würdigste und wertvollste Person. Wenn jemand zu ihm kam, um einen Wunsch zu äußern, wartete er mit Geduld, bis die Person von selbst aufstand und ging. Die Menschen, die von ihm etwas verlangten, machte er glücklich, indem er entweder ihre Wünsche erfüllte oder freundliche Worte an sie richtete, aber er ließ sie niemals mit leeren Händen gehen. Seine Großzügigkeit, positive Ausstrahlung und edle Moral kamen bei den Menschen so gut an, dass sie ihn als den Vater ihres Volkes betrachteten. Auch in seinen Augen waren die Leute aus dem Volk wie seine Kinder, die gleichgestellt waren und bei deren Rechten und Stellung kein Unterschied gemacht werden durfte. Seinen Versammlungen waren Orte, an denen seinen Gefährten moralische Werte wie Wissen, Anstand, Bescheidenheit, Zuverlässigkeit, Geduld und das Anvertraute (Amanah) zu beschützen, erlangen konnten. In seiner Anwesenheit hob niemand seine Stimme, sprach auch nicht über private Angelegenheiten eines anderen, außerdem wurden die Fehler der anderen, während dieser Versammlungen, nicht weitererzählt. Jeder war gleichgestellt. Nur durch Gottesfurcht (Taqwa) konnten sich die Menschen voneinander unterscheiden. Jeder verhielt sich bescheiden. Die älteren Menschen wurden respektiert und den jüngeren gegenüber war man barmherzig. Den bedürftigeren Personen wurde stets Vorrang gegeben und den allein lebenden wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Die Beziehung des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu seinen Freunden war folgendermaßen: Der Gesandte Allahs hatte stets ein lächelndes Gesicht, er war sanftmütig und höflich. Er war niemals bösartig oder hartherzig; er war kein Mensch, der geschrien, schlecht geredet, getadelt hat oder geizig war. Wenn ihm etwas nicht gefiel, tat er so, als hätte er es nicht gesehen. Wenn man von ihm etwas erwartete, enttäuschte er die Menschen nicht und versuchte, ihre Wünsche zu erfüllen. Insbesondere von drei Sachen hielt er sich fern: Diskussion, Geschwätzigkeit und sinnlose Beschäftigung. Auch mied er folgende Verhaltensweisen: Er redete niemals schlecht über jemanden, er verurteilte niemanden und versuchte niemals die Fehler und Sünden anderer zu erfahren. Er sprach nur über Themen, die er für nützlich und sinnvoll hielt. Wenn er sprach, schenkten seine Zuhörer ihm große Aufmerksamkeit, sodass sie still dasaßen, als würde jeweils ein Vogel auf ihren Köpfen sitzen. Erst wenn er mit seiner Rede fertig war, meldeten sich diejenigen zum Wort, die etwas zu sagen hatten. Während der Gesandte Allahs (s.a.w.) unter ihnen war, diskutierten seine Gefährten nicht miteinander. Wenn einer von ihnen mit dem Gesandten Allahs redete, hörten sie alle mit großem Interesse und höchster Aufmerksamkeit zu. Unser Prophet hörte jeder einzelnen Person, die sich zum Wort meldete, so aufmerksam zu, als wäre sie die erste Person, die zu Wort kam. Wenn seine Gefährten lachten, lachte er ebenfalls, und wenn sie eine Sache sehr erstaunlich fanden, drückte er auch seine Verwunderung aus. Die derbe Redeweise, so wie die unangebrachten Fragen mancher fremden Personen und die daraus resultierenden Unannehmlichkeiten, nahm er geduldig hin. Auch wenn seine Gefährten versuchten, solche Personen von seiner Gegenwart zu entfernen, erlaubte er es ihnen nicht und ertrug sie dennoch geduldig. Er sagte stets: ‚Wenn jemand mit einem Problem zu euch kommt, so helft ihm.‘ Er akzeptierte nur die Komplimente, die den guten Taten entsprechend gleichgewichtig waren, und nicht in Schmeicheleien endeten, er unterbrach niemanden beim Reden, außer die Person überschritt mit ihren Worten die Grenzen. Wenn jemand mit seinen Worten die Grenzen überschritt, verhinderte er dies, indem er entweder die sprechende Person unterbrach oder den Ort verließ.“
In den Hadith-Büchern und in den Werken bezüglich seiner Biografie (Siyar) ist eine Fülle von Informationen hinsichtlich des Wesens, Aussehens, des Körperbaus, der Charaktereigenschaften und des menschlichen Daseins des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu finden. Obwohl diese Inhalte in der klassischen Literatur unter den Überschriften wie „Sifat an-Nabi“, „Sifat ar-Rasulillah“, „Manaqib“ und „Fadaʾil“ zu finden sind, beschreibt der Begriff „Schamaʾil“, der die Pluralform von „Schaml“ ist und die Bedeutungen „Natur“, „Veranlagung“, „Wesen“, „Charakter“ innehat, die menschlichen Eigenschaften, den Lebensstil und das Privatleben des Gesandten Allahs. In den islamischen Quellen werden die menschlichen und physischen Eigenschaften des Gesandten Allahs außerdem unter der Überschrift „Hilya“ behandelt. Hilya hat neben den Bedeutungen „Schmuck“, „Zierde“ und „Schmuckstück“ auch die Bedeutungen „Charakter“, „Eigenschaft“ und „Form“, die die physischen Eigenschaften einer Person beschreiben. Der Begriff „Hilya“, der für die physischen Eigenschaften des Gesandten Allahs – für die literarischen Werke und für die mit Kalligrafie geschriebenen Tafeln, die diese Eigenschaften thematisieren -, benutzt wird, wurde im Osmanischen Reich für die schriftlichen Werke und Tafeln, die diese Eigenschaften unseres Propheten (s.a.w.) thematisierten, verwendet.
In den islamischen Gesellschaften war es niemals erlaubt, die Gestalt des Gesandten Allahs (s.a.w.) bildlich darzustellen. Daher wurde bevorzugt, den Gesandten Allahs aus den Überlieferungen in den Hadith- und Siyar-Werken, die ihn und seine Eigenschaften beschreiben, kennenzulernen und vorzustellen. Außer den oben genannten detaillierten Überlieferungen wäre es von Vorteil, auch die physischen und persönlichen Eigenschaften des Gesandten Allahs hier in Stichpunkten zu erwähnen, die von Anas b. Malik, Ali, Abu Hurayra, Baraʾ b. ʿAzab und weiteren Gefährten überliefert wurden.
Die Namen des Gesandten Allahs (s.a.w.) sind:
Muhammed, Ahmad, Mahi, Haschir, Aqib/Muqaffi; Nabi at-Tawba und Nabi ar-Rahmah.
Sein Gesicht:
Sein Gesicht war bildhübsch, er hatte ein freundliches, lächelndes Gesicht und eine liebliche Erscheinung.
Seine Statur/Körpergröße:
Die Statur des Gesandten Allahs (s.a.w.) war weder zu klein noch zu groß.
Seine Haare:
Seine Haare waren weder lockig noch glatt, sie waren wellig; manchmal gelangten seine Haare bis zu seinen Ohrläppchen und manchmal ragten seine Haare bis zu den Schultern. Manchmal ließ er seine Haare offen und manchmal band er seine Haare zusammen und zog einen Mittelscheitel. In seinen Haaren und seinem Bart waren nur sehr wenige graue Haare.
Seine Hände:
Seine Hände waren weich wie Seide und wohlduftend; wenn er die Wangen der Kinder, denen er auf der Straße begegnete, mit seiner Hand streichelte, hielt der Duft tagelang an.
Sein Lachen:
Es kam nie vor, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) ein lautes Gelächter von sich gab. Abdullah b. Haris (r.a.) sagte: „Das Lachen des Gesandten Allahs war nichts anderes als nur ein Lächeln.“ Das Lächeln, das unser Prophet als Sadaqa (Almosengabe) bewertete, erstrahle immer in seinem Gesicht. So sagte beispielsweise Dscharir b. Abdullah (r.a.): „Nachdem ich Muslim geworden war, wies der Gesandte Allahs kein Wunsch von mir zurück und lächelte mir immer zu, egal wo er mich traf.“
Seine Sitzweise:
Manchmal saß er auf dem Boden, indem er seine Knie an sich zog und sie mit seinen Armen umfasste, und manchmal nahm er einen Schneidersitz ein. Auch kam es vor, dass er sich auf den Rücken hinlegte und einen Fuß auf den anderen setzte, während er sich im Masdschid (Gebetsraum) ausruhte.
Seine Gangart:
Er lief so zügig, dass jene, die hinter ihm liefen, ihn nur schwer einholen konnte. Er ging wie jemand, der etwas in der Stadt zu erledigen hatte; er trödelte nicht. Beim Gehen drehte er sich nicht um, um nach hinten zu schauen. Seine Schritte waren so bestimmt, als würde er einen Berg hinabsteigen. Er lief nicht mit ausgestreckter Brust hochmütig nach rechts und links schauend, sondern ging etwas nach vorne geneigt, wie jemand, der einen Hügel hinabsteigt.
Seine Kleidung:
Seine Lieblingskleidung war das Hemd (Kamis). Die Ärmel seiner Hemden ragten bis zu seinen Handgelenken. Bara b. Azib (r.a.) sagte, dass ihm das Hemd mit roten Mustern am besten stand. Er führte ein Leben wie jeder anderer; beispielsweise wusch und pflegte er seine Kleidung selbst, molk das Schaf und kümmerte sich selbst um seine Angelegenheiten. Bei seiner Kleidungswahl achtete er auf die Schlichtheit.
Seine Sprechweise:
Er sprach sehr mild, prägnant und verständlich. Damit die Zuhörer das Thema mitverfolgen konnten, sprach er sehr klar und deutlich. Seine Worte hatten weitreichende Bedeutungen; er war fern jeder Verstellung und Zwang. Er warnte die Menschen davor, auf eine übertriebene Art und Weise zu reden, und hielt sich von denjenigen fern, die mit aufgeblasenen Wangen sprachen und die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen versuchten. Je nachdem, wie notwendig es war, hielt er seine Reden kurz oder etwas länger. Er vermied es, unbekannte, unverständliche und fremde Wörter zu benutzen; ebenso vermied er einen Redestil, der in der Gesellschaft für Aufregung und Unruhe sorgen würde.
Er sprach stets weise; seine Worte waren verständlich und mit göttlicher Güte beschützt und unterstützt. Allah Ta´ala verlieh seinen Worten Güte, segnete sie mit der Akzeptanz der Zuhörer. Durch die Gnade Allahs konnten die Menschen die Worte des Gesandten Allahs (s.a.w.) leicht annehmen und verstehen; seine Worte waren nett und ernst zugleich, sodass eine Wiederholung seiner Aussagen sowohl seinerseits als auch vonseiten der Zuhörer nicht für nötig erachtet wurde. Es war weder ein Wort zu viel noch zu wenig. Seine Aussagen brauchten keine Bestätigung und konnten auch nicht widerlegt werden.
Die Rhetoriker zu seiner Zeit haben es nicht geschafft, den Gesandten Allahs (s.a.w.) mit ihrer Redekunst in Verlegenheit zu bringen. Mit kurzen Sätzen drückte er sich sehr gut aus; seine Gegner besiegte er, indem er einen ihnen bekannten Sprachstil verwendete, seine Argumente mit wahren Beweisen belegte und die Überlegenheit in der Wahrheit suchte. Betrug und Täuschungen fanden in seinem Leben keinen Platz; seine Wünsche drückte er mit Worten aus und nicht mit Blicken oder Mimik. Er sprach weder zu langsam noch zu schnell; er zog seine Reden weder unnötig in die Länge, noch hielt er sie zu kurz. Die Menschen hatten zuvor keine derart sinnvolle, deutliche, zusammenhängende, fließende, begeisternde, einflussreiche, durchdachte, verständliche und offene Rede gehört.
Seine Ess- und Trinkgewohnheiten:
Während des Essens lehnte er sich nicht an, er saß nicht so ausgebreitet, als würde er nicht wieder aufstehen wollen. Er sagte: „Ich esse so, wie jeder andere Mensch auch isst, und sitze so, wie jeder andere Mensch sitzt.“ Das Zamzam-Wasser trank er im Stehen. Es wurde beobachtet, dass er das normale Wasser sowohl im Stehen als auch im Sitzen trank. Während des Trinkens legte er drei Atempausen ein und sagte diesbezüglich: „Auf diese Art, langsam und pausierend zu trinken erleichtert die Verdauung und stillt den Durst schneller.“
Seine Moral/sein Charakter:
Unser Prophet (s.a.w.) war der Mensch mit dem edelsten Charakter. Seinen Gattinnen gegenüber war er äußerst nett und höflich und verhielt sich seinen Familienangehörigen gegenüber sehr tolerant.
Sein Sohn Ibrahim wurde einer Amme übergeben, die in den Hochebenen von Medina lebte. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) besuchte ihn dort regelmäßig. Der Familie ging es finanziell gut und der Gatte der Amme war als Schmied tätig. Wenn der Gesandte Allahs seinen Sohn besuchte, nahm er ihn auf den Schoß, küsste und drückte ihn und kehrte dann wieder zurück. Er sagte, dass aus den Herzen derjenigen, die ihren Kindern ihre Liebe nicht zeigen, sie nicht umarmen und küssen, das Gefühl der Barmherzigkeit genommen wurde; und er erinnerte seine Gefährten daran, dass Allah nur denjenigen gegenüber barmherzig ist, die auch den Menschen gegenüber barmherzig sind. Er war schüchterner als ein junges Mädchen, das sich unter seinem Schleier versteckt; er war schamhaft und unaufdringlich. Er war niemals grob oder unhöflich.
Außer in der Schlacht, um auf dem Wege Allahs zu kämpfen, schlug er weder einen Leibeigenen noch eine Frau oder eine andere Person. Er entschied sich stets für die Erleichterung, die einfachere Möglichkeit, hielt sich mit fester Entschlossenheit fern von Sünden und machte seine persönlichen Angelegenheiten niemals zum Gegenstand der Rache. Er war der schönste, großzügigste und mutigste unter den Menschen. Er lehnte niemals eine Bitte ab, die an ihn gerichtet wurde. Er war ein offenkundiger Warner, genauso wie jemand, der sein Volk vor einer angreifenden Truppe warnt. Wie ein Mann, der versucht, die Nachtfalter vom Feuer fernzuhalten, hat der Gesandte Allahs (s.a.w.) die gesamte Menschheit vor den Gefahren des fürchterlichen Tages (der Rechenschaftsabgabe im Jenseits) gewarnt. Er ist der Grundstein des Prophetengebildes (das letzte Glied der Prophetenkette) und war den Menschen nützlich wie ein segensreicher Regen.
Allein sein Verhalten am Tag der Eroberung von Mekka zeigt, wie tolerant und bescheiden er war, schon allein dies würde als Beweis für seine hervorragende Persönlichkeit und Prophetentum ausreichen. Denn er hatte Mekka nach großen Schwierigkeiten betreten können. Die Bewohner Mekkas hatten zuvor über die Muslime eine Blockade verhängt und danach die Onkel des Gesandten Allahs (s.a.w.), die Kinder seiner Onkel, seine Freunde und seine Unterstützer getötet, seine Freunde wurden in unterschiedlichsten Formen gefoltert. Auch unser Prophet (s.a.w.) selbst wurde verletzt und unter Druck gesetzt; sie beschimpften ihn und schlossen sich zusammen, um ein Attentat auf ihn zu üben.
Als er gegen ihren Willen nach Mekka kam, die Macht über sie erlangt hatte und sie gedemütigt dastanden, hielt er ihnen eine Rede: Nachdem er Allah seine Dankbarkeit ausgesprochen und Ihn gelobt hatte, sagte er: „Genauso wie mein Bruder (der Prophet) Yusuf/Josef (a.s.), sage ich euch, dass ihr heute nicht verurteilt werdet; möge Allah euch vergeben; denn Er ist der Barmherzigste unter den Erbarmern.“