1. Bölüm
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MUHAMMED (s.a.w.), DESSEN NAME SO SCHÖN IST WIE ER SELBST

Abdulmuttalib, ein angesehener Bewohner Mekkas, erwartete mit großer Aufregung, die Freude seines Sohnes Abdullah zu teilen, der erst vor ein paar Monaten geheiratet hatte. Doch das Schicksal sollte dem jungen Abdullah nicht erlauben, die Geburt seines neugeborenen Sohnes zu erleben. Abdulmuttalib, dessen Herz durch die Trauer um seinen verstorbenen Sohn schmerzte, fand den Trost bei seinem neugeborenen Enkelkind; die einzige Erinnerung an seinen Sohn.

Er schlachtete für seinen bezaubernden Enkel als Aqiqa-Opfer einen Widder. Alle fragten sich, welchen Namen er wohl diesem schönen Waisenkind geben wird. Sie fragten: „Wie wirst du diesen Jungen nennen, anlässlich seiner Geburt du uns dieses feierliche Essen ausgibst?“ „Ich habe ihm den Namen ‚Muhammed‘ (s.a.w.) gegeben“, antwortete Abdulmuttalib.

Dieser Name war denen, die dort anwesend waren, nicht besonders bekannt. Daher fragten sie Abdulmuttalib: „Weshalb hast du ihm nicht einen Namen deiner Vorfahren gegeben, sondern den Namen Muhammed?“

Der Großvater, dem die Geburt seines Enkelkindes eine große Freude bereitet hatte, gab den Leuten die folgende weise Antwort: „Ich habe ihn so genannt, damit Allah, Der Erhabene, ihn im Himmel und die Menschen auf der Erde loben.“

Der Name „Muhammed“ hat die Bedeutung „derjenige, der gelobt wird“, „der Lobenswerte“ und umfasst damit alle segensreichen Eigenschaften. Schon nach kurzer Zeit sollte sich herausstellen, wie passend der Name für den Namensträger war. Es sollte eintreten, was der scharfsinnige und weitsichtige Großvater gehofft und sich gewünscht hatte. Allah Ta´ala selbst beschützte das kleine Waisenkind und zeigte ihm den rechten Weg. Dieses Kind sollte als letzter Prophet mit der Offenbarung entsandt werden. Er wurde nicht nur im letzten Buch Allahs, dem heiligen Koran, sondern bereits in Seinen vorherigen heiligen Büchern mehrfach lobenswert erwähnt. So hatte Allah Ta´ala in der Bibel durch Jesus (a.s.) die freudige Botschaft verkündet, dass ein Gesandter kommen werde, und nannte ihn auch mit einem seiner schönen Namen:

„(Bedenke auch,) als Jesus, der Sohn der Maria, sprach: ‚Oh ihr Kinder Israels! Ich bin wirklich Allahs Gesandter für euch, bestätigend die Thora, die vor mir war, und einen Gesandten ankündigend, der nach mir kommen und dessen Name Ahmed sein wird.‘“

Auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) selbst hatte, sich auf diesen Vers anlehnend, bei einem Anlass erwähnt, dass Allah Ta´ala ihn neben einigen Eigenschaften, die anderen Propheten nicht gegeben wurden, den Namen „Ahmad“ gegeben habe.

Allah Ta´ala erwähnt ihn im heiligen Koran an vier verschiedenen Stellen mit dem Namen „Muhammed“:

„Muhammed ist der Gesandte Allahs.“

„Und Muhammed ist nur ein Gesandter.“

„Diejenigen aber, welche gläubig sind und Gutes tun und an das glauben, was auf Muhammed herabgesandt wurde – es ist die Wahrheit von ihrem Herrn −, deren Missetaten wird Er zudecken und deren Herzen Frieden bringen.“

„Muhammed ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern Allahs Gesandter und das Siegel der Gesandten.“

Der Ausdruck am Ende dieses Koranverses „Hatam-un-nabiyyin“, was „der Siegel der Propheten“ bedeutet, ist eine besondere Eigenschaft des Gesandten Allahs (s.a.w.), die sowohl in seinen Ahadithen, als auch in den Aussagen seiner Gefährten (Sahaba) zum Ausdruck gebracht wird.

Bei Gelegenheit erwähnte auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) selbst den Namen Muhammed. Zum Beispiel habe der Gesandte Allahs einst aufgrund der Beschimpfungen des Quraysch gesagt: „Wundert ihr euch etwa, wie Allah Ta´ala die Beleidigungen und Verwünschungen der Quraysch von mir abwendet? Auch wenn sie schlecht über mich reden und mich beschimpfen und beleidigen, bin ich der (gelobte) Muhammed!“

Der Gefährte Baraʾ b. Azib (r.a.) überlieferte eine Diskussion zwischen dem Propheten (s.a.w.) und den Götzendienern/Polytheisten (Muschrikun) von Mekka, die während des Hudaybiya-Abkommens hinsichtlich des Namens des Gesandten Allahs stattfand: „Der Gesandte Allahs hatte sich im Monat Dhu´l Qadah/Zilkade des sechsten Jahres nach der Hidschrah (Auswanderung von Mekka nach Medina) auf den Weg nach Mekka gemacht, um eine Umrah (Pilgerfahrt außerhalb der Pilgersaison) zu vollziehen. Die Bewohner Mekkas wollten nicht, dass der Gesandte Allahs in ihre Stadt kommt, und erlaubten ihm daher die Umrah nicht. Schließlich hatten sie sich gegenseitig darauf geeinigt, dass der Gesandte Allahs erst im folgenden Jahr nach Mekka kommen und sich drei Tage lang in Mekka aufhalten dürfe. Als sie den Vertrag abgeschlossen hatten, ließ der Prophet den Vertrag mit folgenden Worten aufsetzen: ‚Dies ist ein Schreiben Muhammeds, dem Gesandten Allahs, das einen Friedensvertrag beinhaltet.‘ Die Vertreter Mekkas sagten aber: ‚Wir erkennen dich nicht als Gesandten Allahs an. Wenn wir dich als den Gesandten Allahs anerkannt hätten, so hätten wir dir erlaubt, Mekka zu betreten. Du bist Muhammed, der Sohn Abdullahs!‘ Der Gesandte Allahs antwortete: ‚Ich bin sowohl der Gesandte Allahs als auch Abdullahs Sohn Muhammed!‘ Dann bat er Ali (r.a.) darum, das Wort ‚Rasulullah‘ (Gesandter Allahs) wegzustreichen. Doch Ali (r.a.) sagte: ‚Wahrlich, ich werde die Bezeichnung ‚Rasulullah‘ nicht wegstreichen!‘ Daraufhin nahm der Prophet (s.a.w.) das Schreiben und ließ ihn folgendermaßen ändern: ‚Dies ist das Abkommen mit Muhammed b. Abdullah.‘“

Auch in einer Rede, in der es um seine Vorfahren ging, stellte er sich folgendermaßen vor: „Ich bin Muhammed, der Sohn Abdullahs, dem Sohns des Abdulmuttalib.“

Wie bekannt, haben die Araber einen eigentlichen Vornamen (Ism), einen persönlichen, ehrenvollen Titel als Beinamen (Kunya) und einen sogenannten Spitznamen (Laqab). Die Väter wurden üblicherweise mit dem Namen des erstgeborenen Sohnes betitelt und bekamen somit den Titel „Vater des …“. Der Titel des Gesandten Allahs (s.a.w.) war aufgrund seines erstgeborenen Sohnes „Kasim“ „Abu l-Kasim“, der „Vater des Kasim“ bedeutet. Manchmal kam es in der Gesellschaft aufgrund der gleichen Titel-Bezeichnungen zu Missverständnissen. Dies galt auch für den Gesandten Allahs (s.a.w.).

Dschabir b. Abdullah (r.a.) überlieferte: „Einer aus unserem Volk bekam einen Sohn und nannte ihn ‚Muhammed‘. Daraufhin sagten die Leute zu ihm: ‚Wir erlauben es dir nicht, dass du deinen Sohn nach unserem Propheten nennst.‘ Dann nahm er seinen Sohn, ging zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: ‚Oh Gesandter Allahs! Ich habe einen Sohn bekommen und habe ihm den Namen ‚Muhammed‘ gegeben. Doch mein Volk sagt zu mir: ‚Wir erlauben es dir nicht, dass du deinen Sohn nach unserem Propheten nennst.‘ Der Gesandte Allahs sagte: ‚Gebt (euren Kindern) meinen Namen, aber nennt niemanden mit meinem Titel (Kunya)! Denn ich wurde als ‚Kasim‘ (der Verteiler) entsandt und verteile unter euch das, (was verteilt werden muss).‘“

Dschabir (r.a.) überlieferte eine andere Geschichte, die er bezüglich der Namensgebung miterlebt hatte: „Einer von Ansar bekam einen Sohn und gab ihm den Namen ‚Kasim‘. Wir sagten zu ihm: ‚Wir werden dich auf keinen Fall mit dem Titel „Abu l-Kasim“ (Vater des Kasim) bezeichnen. Wir werden dich auch nicht beglückwünschen! (Wir werden dich nicht mehr wie früher wertschätzen und respektieren.)‘ Dann ging dieser zum Gesandten Allahs und erzählte ihm, was vorgefallen war. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: ‚Gib deinem Sohn den Namen ‚Abdurrahman!‘“

Die Überlieferung von Anas b. Malik (r.a.) verdeutlicht, aus welchem Grund der Prophet es für nötig hielt, solch ein Verbot auszusprechen:

„Der Gesandte Allahs war eines Tages auf dem Markt in der Nähe des Baqi-Friedhofs. Ein Mann, der hinter ihm stand, rief: ‚Oh Abu l-Kasim!‘ Daraufhin drehte sich der Gesandte Allahs um und sah ihn an. Doch der Mann sagte – auf einen anderen Mann deutend: ‚Ich habe nicht dich, sondern den hier gemeint.‘ Dann sagte der Gesandte Allahs: ‚Gebt meinen Namen, aber nennt niemanden mit meinem Titel.‘“

An dieser Überlieferung wird deutlich, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) es zu seinen Lebzeiten den Menschen nicht erlaubte, seinen Titel „Abu l-Kasim“ zu verwenden. Doch nach seinem Tod stellte es in der arabischen Kultur kein Problem mehr dar, dass die Menschen ihren ersten Sohn Kasim nannten und den Titel „Abu l-Kasim“ verwendeten. So fragte einst Ali (r.a.) den Propheten: „Oh Gesandter Allahs! Falls ich in der Zukunft einen Sohn bekomme, dürfte ich ihm deinen Namen und deinen Titel (Kunya) geben?“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Ja.“ Ali (r.a.) verstand diese Antwort als eine für ihn spezielle Erlaubnis.

In einem anderen Hadith, den Dschabir (r.a.) überlieferte, sagt der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Jemand, der meinen Namen trägt, soll meine Kunya nicht bekommen; und jemand, der meine Kunya hat, soll nicht nach mir genannt werden!“ Dies bedeutet, dass es nicht zu einem Missverständnis kommen soll, indem eine Person sowohl den Namen als auch die Kunya des Gesandten Allahs verwendet. So sprach er dieses Verbot aus, um mögliche Verwechslungen zu verhindern, wobei es nach seinem Ableben keine Gültigkeit mehr haben sollte. Nach dem Ableben des Gesandten Allahs gaben nicht nur Ali (r.a.), sondern auch Abu Bakr (r.a.), Saʿd b. Abi Waqqas (r.a.) und andere Gefährten ihren Söhnen und Enkelkindern den Namen „Muhammed“ und „Kasim“.

In einem Koranvers beschreibt Allah Ta´ala Seinen Gesandten mit Seinen Eigenschaften und Namen: „Wahrlich, nun kam bereits ein Gesandter aus eurer Mitte zu euch. Schwer liegen eure Missetaten auf ihm. Fürsorglich ist er für euch! Gegen die Gläubigen (aber) ist er gütig (Rauf) und barmherzig (Rahim).“ Die zwei schönen Namen Allahs „Rauf“ und „Rahim“ haben die Bedeutung „der sehr Gütige“ und „der Barmherzige“.

Allah Ta´ala nennt im edlen Koran Seinen Gesandten (s.a.w.) an manchen Stellen „Oh du Gesandter!“, und an manchen Stellen „Oh Prophet!“ Allah Ta´ala beschreibt Seinen Gesandten (s.a.w.) mit folgenden Eigenschaften: „An-Nabi-ul-ummiyyu“ (des Lesens und Schreibens unkundiger Prophet) und „Rahmat-an lil-ʿAlamin“ (Barmherzigkeit für alle Welt). Daher nannte sich der Gesandte Allahs (s.a.w.) selbst „Prophet der Barmherzigkeit“. In vielen Koranversen werden die Bezeichnungen „Rasul“, „ar-Rasul“, „Rasulullah“, „Rasuluhu“ und „Rasuluna“ für den Gesandten Allahs verwendet. Auch nennt Allah Ta´ala Seinen Gesandten (s.a.w.) an manchen Koranstellen „Abdina“ (Unser Diener) und „Bi abdihi“ (Sein (Allahs) Diener). Die Tatsache, dass Allah Ta´ala Seinen Gesandten (s.a.w.) im edlen Koran erwähnt, indem er auch das Verhältnis zwischen ihnen darstellt, ist ein Zeichen der Güte Allahs gegenüber Seinem Gesandten. In manchen Suren nennt Allah Ta´ala Seinen Gesandten „Oh du Verhüllter!“ und „Oh du Bedeckter“. Diese Bezeichnungen beschreiben den Zustand des Gesandten Allahs (s.a.w.), der sich nach der ersten Offenbarung besorgt und beunruhigt in sein Bett gelegt und sich mit einer Decke verhüllt und bedeckt hatte.

Einige dieser Bezeichnungen, die im edlen Koran klar erwähnt werden, sind Namen, wobei die meisten davon Eigenschaften sind. Es ist umstritten, ob manche dieser Eigenschaften wirklich auf den Gesandten Allahs (s.a.w.) bezogen sind oder nicht. Beispielsweise sind die meisten Gelehrten der Meinung, dass das Wort „Amin“ im Koranvers: „Dem gehorcht wird und der Vertrauen genießt“, sich nicht auf den Gesandten Allahs, sondern auf den Erzengel Gabriel (a.s.) bezieht, wobei manche der Gelehrten sagen, dass das Wort doch auf den Gesandten Allahs bezogen sei. Der Koranvers: „Oh ihr Menschen! Zu euch ist nunmehr ein Beweis von eurem Herrn gekommen, und hinab gesandt haben Wir euch ein deutliches Licht“, wird von den Gelehrten des Tafsir (Koranexegese) so interpretiert, dass mit dem Begriff „Burhan“ der Gesandte Allahs und mit „Nur“ der edle Koran gemeint ist.

Auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) selbst brachte von Zeit zu Zeit seine Namen und Eigenschaften ins Gespräch. Abu Musa al-Aschʿari (r.a.) überlieferte, der Gesandte Allahs habe einst seine Namen folgendermaßen aufgezählt und gesagt: „Ich bin ‚Muhammed‘, ‚Ahmad‘ (der den vorangegangenen Propheten folgt), ‚Muqaffî‘ (derjenige, hinter dem sich die Menschen im Jenseits versammeln). Ich bin ‚Haschir‘. Ich bin der Prophet der ‚Tawba‘ (Reue) und der Prophet der ‚Rahmah‘ (Gnade).“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte einst: „Ich bin ‚Muhammed‘. Ich bin ‚Ahmad‘. Ich bin der ‚Mahi‘, mit dem die Verleugnung Allahs (Kufr) zerstört wurde. Ich bin ‚Haschir‘, der die Menschen hinter sich versammelt. Und ich bin ‚Aqib‘.“ Aqib ist derjenige, nach dem kein Prophet kommen wird.

In anderen Überlieferungen findet man außerdem die Aussage „Wa ana Nabial-Malhama (und ich bin der Prophet der Malhama).“ Laut Ibn Manzur (r.a.), dem bedeutenden Sprachgelehrten, hat der Begriff „Malhama“ sowohl die Bedeutung „Krieg/Kampf“ als auch „Frieden und Einigung“. Warum auch immer, wird seit jeher die erste Bedeutung dieses Begriffes hervorgehoben, weshalb die oben genannte Bezeichnung mit „Prophet des Krieges“ übersetzt und verstanden wird. Wenn aber die zweite Bedeutung vordergründig betrachtet wird, würde es heißen: „Ich bin der Prophet des Friedens, ich bin gekommen, um die Menschen zu versöhnen.“ Es ist eine historische Tatsache, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) während seines Aufenthalts in Medina mit den Polytheisten zum Kampf gezwungen wurde, nachdem auch Allah Ta´ala die Erlaubnis (zur Verteidigung) erteilt hatte. Auch wenn der Prophet aufgrund dieser historischen Begebenheit als „Prophet des Krieges“ bezeichnet wird, sollte nicht vergessen werden, dass „der Prophet der Barmherzigkeit“ diese Kriege nur mit dem Ziel Frieden herzustellen geführt hat und dass sowohl in Kriegszeiten als auch in Zeiten des Friedens seine barmherzige und gnadenvolle Persönlichkeit stets im Vordergrund war. Die Forschungen zeigen, dass die Kriege, an denen der Gesandte Allahs (s.a.w.) teilnahm, nur zwei Prozent seiner 23-jährigen Prophetenzeit ausmachten. Es ist angebrachter, den Gesandten Allahs, der sein ganzes Leben lang für Frieden und Einheit gekämpft hat, „Prophet des Friedens“ zu nennen. Daher ist es nicht falsch, den oben genannten Hadith, der die Aussage: „Ich bin der Prophet der Tawba (Reue) und der Prophet der Rahmah (Gnade)“, beinhaltet, folgendermaßen zu verstehen: „Ich bin der Prophet des Friedens.“ Sowohl seine Lebensgeschichte als auch die Tatsache, dass die Begriffe „Reue, Gnade und Frieden“ von ihrer Bedeutung her sehr nah beieinander liegen und sich gegenseitig vervollständigen, sprechen für diese Interpretation des Hadithes.

In manchen Überlieferungen wird gesagt, dass die Namen und Eigenschaften des Gesandten Allahs (s.a.w.) bereits in der Thora erwähnt wurden. Als man Abdullah b. Amr b. As (r.a.), der sich mit der Kultur der Ahl al-Kitab (Leute des Buches – Juden und Christen) gut auskannte, nach den in der Thora erwähnten Eigenschaften des Gesandten Allahs fragte, antwortete er: „Ja, bei Allah! Er wurde tatsächlich in der Thora mit den Eigenschaften beschrieben, die auch im edlen Koran vorkommen: ‚Oh du Gesandter! Wir haben dich als Zeugen, Freudenboten, Warner und als Beschützer der Unkundigen gesandt. Du bist Mein Diener und Gesandter. Ich nenne dich ‚al-Mutawakkil‘. (Dieser Gesandte) ist nicht jemand, der grob und hartherzig ist, auch ist er nicht von denjenigen, die auf dem Markt/auf den Straßen ihre Stimme erhöhen. Er vergilt das Schlechte nicht mit Schlechtem, sondern er vergibt und ist gnädig.“

Die Eigenschaften, die in dieser Überlieferung aufgezählt werden, stimmen im Großen und Ganzen mit dem folgenden Koranvers überein: „Und dank der Barmherzigkeit Allahs warst du gütig zu ihnen. Wärst du aber grob und hartherzig gewesen, so wären sie dir davongelaufen. Darum vergib ihnen und bete für sie um Verzeihung und ziehe sie in der Sache zurate, aber wenn du einmal entschlossen bist, dann vertraue auf Allah; siehe, Allah liebt die Ihm Vertrauenden.“

Die Namen des Gesandten Allahs (s.a.w.), die im edlen Koran und in den Ahadithen vorkommen, sind in Wirklichkeit nicht so viele, wie man erwarten würde. Diese schönen Namen zeigen die besondere Stellung und Einzigartigkeit unseres Propheten bei Allah Ta´ala. In den späteren Jahrhunderten hat man die Koranverse und Ahadithe untersucht und die Anreden und Bezeichnungen für den Gesandten Allahs so wie die Verben, die sich auf ihn beziehen, gesammelt und diese als die ihn beschreibenden Adjektive festgehalten. Sowohl in den Handschriften als auch in den gedruckten Werken und Schriften der Sammlung „Dalaʾil al-Hayrat“ wurden, anlehnend an die 99 Namen Allahs (Asma al-Husna), dem Gesandten Allahs 99 Namen und Eigenschaften zugeschrieben; manche kamen sogar auf 400 und andere schrieben ihm Tausende Namen und Eigenschaften zu. Diese Angaben und Bezeichnungen sind ein Resultat der Liebe zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sollten daher nicht als Eigennamen, sondern als verschiedene Eigenschaften und Wesensmerkmale unseres Propheten verstanden werden.

In den alten und neuen Arbeiten, die sich mit den Namen des Propheten beschäftigen, findet man auch Bezeichnungen wie „Baschir“ (Freudenbote), „Nazir“ (Warner), „Daʿi“ (Zeuge), „Siradsch“ (Licht) und „Munir“ (Erleuchtender), die auf diese Weise im edlen Koran erwähnt werden. Und manchmal hat man die Verben, die in den Koranversen vorkommen und sich auf den Gesandten Allahs (s.a.w.) beziehen, in Namen wie „Mustafa“, „Mudschtaba“, „Hadi“ und ähnliche umgewandelt; damit hat sich die Zahl der Namen wiederum erhöht. Man hat sogar gesagt, dass mit den Buchstaben am Anfang mancher Suren (Huruf al-Muqattaʿa) wie „Ta-Ha“, „Ya-Sin“ und „Ha-Mim“ der Gesandte Allahs gemeint sei, daher wurden sie der Namensliste hinzugefügt. Obwohl niemand außer Allah tatsächlich wissen kann, was diese Buchstaben bedeuten.

Im Laufe der Geschichte haben wir uns dem Namen unseres Propheten (s.a.w.) gegenüber äußerst sorgfältig und beispielhaft respektvoll verhalten. Türkische Familien, die ihren Kindern den Namen des Gesandten Allahs gaben, haben aus Angst, rücksichtslos zu handeln, eine Maßnahme ergriffen und den Namen „Muhammed“ mit denselben Buchstaben geschrieben, aber ihn als „Mehmet“ ausgesprochen. Und wieder, als das Resultat dieser Höflichkeit, haben die osmanischen Literaten den Namen des Propheten (s.a.w.) niemals allein geschrieben, sondern stets mit verschiedenen Anredeformen ausgeschmückt. Beispielsweise wurde der Gesandte Allahs mit lobenden Ausdrücken wie „Fahr-i Alam“, „Fahr-i Kainat“, „Sayyid i-Kainat“, „Hadscha-i-Kainat“, „Rasul i-Kibriya“, „Rasuluʾs-Sakalayn“, „Rasul i-Akram, „Hatamuʾl-Anbiya“, „Sarwar i-Anbiya“, „Sayyiduʾl-Mursalin“, „Rahmatun-liʾl-Alemin“, „Risalat-Maâb“, „Risalat-Panah“, „Dhat i-Risalah“, „Nabiyy i-Muhtaram“, „Sultanuʾl-Anbiya“, „Mahbub i-Alam“, „Mahbub i-Kibriy“ bezeichnet; man setzte vor seinem Namen außerdem Anredeformen wie „Cenâb-ı, Efendimiz, Hazretleri (unser ehrenwürdiger Herr/Gebieter, der Ehrenwerte)“ und übernahm dies auch in die Bücher. Wir müssen betonen, dass diese Vorgehensweise, die es zu Lebzeiten des Propheten (Asr-i Saadah) nicht gab, keine religiöse Pflicht darstellt, sondern eine Geste unserer Kultur der Höflichkeit ist. Doch wie bei allen Angelegenheiten dürfen auch hier die Grenzen nicht überschritten werden.

Diese Haltung spiegelt sich auch in der Lyrik, den Lobgesängen, der Poesie zum Lob des Propheten (s.a.w.), der poetischen Versform „Qasida“ und den Liedern wider, die die schönen Namen unseres Propheten beinhalten. Poeten drückten ihre innigen Gefühle und Liebe dem Gesandten Allahs gegenüber, durch die Betonung seiner schönen Namen aus. Auch die Kalligrafen empfanden eine große Zuneigung für den Propheten und schrieben mit den besten Materialien und der schönsten Schrift seine Namen auf Tafeln. Beispielsweise rief Scheich Galib dem Gesandten Allahs mit folgenden Versen nach:

„Du bist der Ahmed, der Mahmud und Muhammed, mein Herr,

Du bist der vom Schöpfer bestätigte Sultan über uns, mein Herr!“

In unserer Tradition ist es nicht willkommen, an einem Ort, an dem der gesegnete Name des Gesandten Allahs (s.a.w.) erwähnt wird, mit übereinandergeschlagenen oder ausgestreckten Beinen zu sitzen, und falls dies der Fall sein sollte, wird sofort die Sitzposition geändert. Sobald der Name des Gesandten Allahs erwähnt wird, legt man die rechte Hand auf das Herz und sagt den Salawat (Segnungsbittgebet für den Propheten) auf, grüßt und segnet ihn. All diese Gesten sind höfliche Ausdrucksweisen des Respektes gegenüber unserem Propheten (s.a.w.). Die Grundlage dieser Verhaltensweisen ist ein Hadith, der diejenigen verurteilt, die den Salawat nicht sprechen, obwohl sie den Namen des Propheten gehört haben.

Muslime geben ihren Kindern die schönen Namen des Gesandten Allahs (s.a.w.) aus Liebe und Respekt, die sie ihm gegenüber empfinden, und nicht aufgrund einiger erfundener Überlieferungen, die darauf hinweisen, wie tugendhaft es ist, den Kindern die Namen „Muhammed“ oder „Ahmad“ zu geben. Natürlich besteht dabei der Wunsch, dass ihr Sohn dem gnädigen Propheten und seinem Weg folgt und ihn zum Vorbild nimmt. Daher haben die Eltern nicht nur die Aufgabe, ihren Kindern schöne Namen zu geben, sondern sie auch entsprechend ihren schönen Namen als eine vorbildliche Person zu erziehen. Außerdem sollten sie ihren Kindern auch die Botschaft vermitteln, was für eine Ehre und Verantwortung es ist, den Namen des Gesandten Allahs zu tragen. All diejenigen, die ein Leben lang den Namen des Gesandten Allahs (s.a.w.) tragen, sollten sein Verhalten als Vorbild nehmen und seine Botschaft in ihr Leben übertragen.