16. Bölüm
„ICH BIN ALS LEHRER GESANDT WORDEN!“
Eines Tages verließ unser Prophet (s.a.w.) sein Haus und ging in die Moschee, wo er zwei Gruppen begegnete, die sich jeweils zu einem Kreis zusammengesetzt hatten. Während in einem Kreis Koranverse rezitiert und Bittgebete aufgesagt wurden, wurde in dem anderen Wissen gelehrt und gelernt. Mit von Liebe und Barmherzigkeit erfüllten Blicken bewunderte der Gesandte Allahs (s.a.w.) sie und sagte: „Jeder von ihnen ist mit etwas Gutem beschäftigt. Die einen rezitieren den Koran und sprechen Bittgebete zu Allah; wenn Allah (geben) will, so gibt Er ihnen (worum sie bitten), und wenn Er (nicht geben) will, so gibt Er nicht. Die anderen dagegen eignen sich Wissen an und lehren es weiter. Und ich bin gewiss als Lehrer entsandt worden.“ Daraufhin setzte er sich in den Kreis derer, die am Lernen und Lehren waren. In einer weiteren Überlieferung sagte der Gesandte Allahs zu seiner Ehefrau Aischa (r.a.): „Allah hat mich nicht als jemand entsandt, der erschwert und aufzwingt. Er hat mich einzig und allein als erleichternden Lehrer entsandt“, womit er sich als Lehrer und Erzieher bezeichnete.
In der Tat war unser Prophet ein mit der Offenbarung ausgestatteter und mit Weisheit erfüllter Lehrer. Wie Ibn Masʿud (r.a.) es ausdrückte, lehrte der Gesandte Allahs (s.a.w.) „die Schlüssel zum Guten sowie dessen Resultate“. Seinen Gefährten brachte er zahlreiche für die Menschen nützliche Dinge aus allen Bereichen des Lebens bei und sagte ihnen: „Ich belehre euch so, wie ein Vater sein Kind belehrt.“
Mit den Worten: „Die Aneignung von Wissen ist jedem Muslim eine Pflicht“, betonte der Prophet in gewisser Hinsicht die sich entwickelnde, verändernde, fördernde und auf die Zukunft vorbereitende Eigenschaft der Erziehung und der Bildung, und ermunterte alle Muslime, egal ob Frau oder Mann, sich Wissen anzueignen: „Wer sich auf den Weg macht, um sich Wissen anzueignen, dem erleichtert Allah den Weg ins Paradies. Über jene, die in einem Haus der Häuser Allahs das Buch Allahs rezitieren, es untereinander besprechen und studieren, kommt „Sakina“ (göttliche Hilfe, Segen und Gnade) hinab. Barmherzigkeit wird sie bedecken, Engel werden sie umgeben und Allah wird sie bei sich (lobend) erwähnen. Wen aber seine Handlungen zurückwerfen, den wird seine Abstammung nicht voranbringen.“
Unser Prophet (s.a.w.) bediente sich unterschiedlicher Methoden bei der Umsetzung seines Lehr- und Erziehungsauftrags. Allen voran berücksichtigte er bei seinen Ratschlägen und Umgangsweisen gegenüber den Menschen, die um seinen Rat baten, ihre individuelle Situation, ihr Auffassungsvermögen, ihren Geisteszustand sowie ihre Bedürfnisse. Ebenso empfahl er auch anderen, in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie bei Lehr- und Lerntätigkeiten stets die Umstände des Gegenübers zu berücksichtigen. Diese vom Propheten beachteten Aspekte beherzigten auch seine Gefährten. So gehen auf Ali (r.a.) die ermahnenden Worte zurück: „Überliefert den Menschen nur, was sie auch begreifen können. Oder wollt ihr etwa, dass Allah und sein Gesandter (falsch verstanden) und der Lüge bezichtigt werden?“ Abdullah b. Masʿud (r.a.) machte mit der Aussage: „Wenn du einer Gruppe etwas überlieferst, dass ihr Intellekt übersteigt, so wird dies einige von ihnen in Zweifel versetzten (irreführen)“, darauf aufmerksam, dass die unbedachte Weitergabe beliebiger Informationen an alle zu Verwirrungen führen kann.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wollte, dass diejenigen, die wissbegierig etwas lernen wollen, gut empfangen und sie entsprechend ihren Bedürfnissen belehrt werden, weshalb er sagte: „Zu euch werden Leute aus dem Osten kommen, um etwas (von euch) zu lernen. Ruft sie zur Güte auf, wenn sie zu euch kommen.“
Unser Prophet (s.a.w.) brachte sein Gegenüber niemals in Verlegenheit oder Bedrängnis. Der junge medinensische Gefährte Muʿawiya b. al-Hakam (r.a.) sagte einmal während des gemeinschaftlichen Gebets „Yarhamukallah!“ (Allah erbarme sich deiner!) zu jemandem, der geniest hatte, da er nicht wusste, dass dies während des Gebets untersagt ist. Als die anderen aus der Gemeinde ihm als Reaktion darauf verwunderte Blicke zuwarfen, sagte er: „Wehe euch! Was ist denn, dass ihr mich so anstarrt?“ Wie der Prophet sich nach dem Gebet ihm gegenüber verhielt, schildert er folgendermaßen: „Wahrlich, ich habe weder vor ihm noch nach ihm jemanden gesehen, der besser belehrte als er. Bei Allah, der Gesandte Allahs hat mich nicht getadelt, mich nicht geschlagen oder beleidigt. Er sagte lediglich: ‚Beim Gebet spricht man kein Menschenwort. Das Gebet besteht rein aus Tasbih, Takbir und Koranrezitation.‘“
Um niemanden zu verletzen oder in einer Menschenmenge bloßzustellen, vermied es der Gesandte Allahs (s.a.w.), andere wegen ihrer Fehler öffentlich und namentlich zu kritisieren. Stattdessen reagierte er auf unschöne Haltungen und Handlungen mit Aussagen wie: „Was ist denn mit jenen Menschen los?“, oder: „Manche unter euch tun wohl dies und jenes!“, womit er niemanden direkt ansprach. Aus diesen allgemeinen und indirekten Ermahnungen konnten die Betroffenen dann die entsprechende Lehre ziehen, ohne sich dabei bloßgestellt zu fühlen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hatte Ibn al-Lutbiyya vom Stamm der Azd mit dem Einsammeln der Zakah-Abgaben beauftragt. Dieser kam einst mit einigen Gütern zum Gesandten und sagte: „Dies gehört euch und das hier wurde mir als Geschenk gegeben.“ Daraufhin ermahnte der Prophet die Muslime in einer Ansprache von der Gebetskanzel aus: „Wie kann es sein, dass ein von mir entsandter Beamter sagt: ‚Dies gehört euch und das hier wurde mir als Geschenk gegeben!‘ Wäre ihm auch etwas gegeben worden, wenn er im Haus seines Vaters oder seiner Mutter geblieben wäre, oder eher nicht?“ Damit machte er deutlich, dass er die Annahme von Geschenken durch Beamte, die mit dem Einsammeln von Zakah-Geldern beauftragt wurden, als Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch erachtet.
Der gesegnete Prophet (s.a.w.) machte bei seiner Erziehung auch von der Methode Gebrauch, den Menschen Komplimente zu machen und sie zu motivieren. Eines Tages fragte er Ubayy b. Kaʿb (r.a.), der den heiligen Koran auswendig kannte (Hafiz) und einer der Prophetengefährten war: „Oh Abu l-Munzir! Welcher der Koranverse, die du auswendig kannst, ist der größte?“ Als dieser antwortete: „Allah und sein Gesandter wissen es am besten!“, wiederholte der Prophet seine Frage und Ubayy b. Kaʿb sagte: „Allahu la ilaha illa huwal-Hayyul-Qayyum.“ Daraufhin klopfte der Prophet ihm auf die Brust und sagte: „Das Wissen soll dir gesegnet sein, oh Abu l-Munzir!“ Auf die Frage Abu Hurayras (r.a.): „Wer wird sich am Jüngsten Tag am meisten über deine Fürsprache (Schafaʿa) erfreuen?“, antwortete der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Oh Abu Hurayra, aufgrund deiner Neugier auf diese Themen dachte ich mir bereits, dass niemand vor dir diese Frage stellen wird. Diejenigen, die sich am Jüngsten Tag am meisten über meine Fürsprache erfreuen werden, sind jene, die innig: ‚Es gibt keinen Gott außer Allah‘, sagen.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) zeigte somit seine Freude über diese Frage, lobte Abu Hurayra und bestärkte ihn in seiner Neugier nach Wissen.
Zu den Lehrmethoden des Gesandten Allahs (s.a.w.) gehörte ebenso, dass er es den Menschen leicht machte, wenn er sie belehrte und ihnen etwas beibrachte. Seine Aussage: „Erleichtert es, erschwert es nicht; bringt (den Menschen) frohe Kunde und schreckt (sie) nicht ab“, ist Ausdruck seiner pädagogischen Grundhaltung. Aischa (r.a.) berichtet: „Wenn der Prophet zwischen zwei Optionen wählen musste, bevorzugte er die jeweils leichtere, wenn diese keine Sünde darstellte. Wenn diese aber eine Sünde darstellte, distanzierte er sich mehr als alle anderen von ihr. Bei Allah, der Gesandte Allahs sann bei keiner ihn betreffenden (persönlichen) Angelegenheit jemals nach Rache. Doch wenn eine Bestimmung Allahs missachtet wurde, so sanktionierte er dies in jedem Fall.“
Diesen Grundsatz gab der Gesandte Allahs (s.a.w.) auch an seine Gefährten weiter. Als eines Tages ein kürzlich zum Islam konvertierter Mann, der die religiöse Moral sowie die gute Tugend noch nicht kannte, auf den Sandboden in der Moschee urinierte, gingen einige der dort befindlichen Gefährten aufgebracht auf ihn los. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wies sie zurück und beruhigte sie mit den Worten: „Ihr wurdet gewiss als Erleichternde entsandt, nicht als Erschwerende. Gießt einfach einen Eimer Wasser über die Stelle, auf die er uriniert hat.“ Anschließend rief er den Mann zu sich und sagte ihm, dass man in Moscheen so etwas nicht tut.
Sein Gegenüber sanftmütig zu behandeln, war ein Grundsatz in der Erziehungs- und Lehrweise des Gesandten Allahs. Mit seinem Lächeln, seiner freundlichen Redeweise sowie seiner angenehmen Art hinterließ er stets einen positiven Eindruck bei seinen Mitmenschen. So beschreibt Allah Ta´ala diese Eigenschaft Seines Gesandten im heiligen Koran wie folgt: „Und dank der Barmherzigkeit Allahs warst du gütig zu ihnen. Wärst du aber grob und hartherzig gewesen, so wären sie von dir davongelaufen.“ Dass sanftmütige Worte und eine höfliche Art selbst Tyrannen wie den Pharao beeinflussen können, entnahm der Prophet (s.a.w.) aus den Versen des edlen Korans und setzte diese Verhaltensweisen auch selbst um. Als nach der Schlacht von Hunayn die Kriegsbeute verteilt wurde, sagte jemand, dass die Verteilung ungerecht abgelaufen und das Wohlgefallen Allahs nicht berücksichtigt worden sei. Als diese Worte den Gesandten Allahs erreichten, sagte er lediglich: „Wenn Allah und Sein Gesandter nicht gerecht sind, wer könnte dann noch gerecht sein? Möge Allah barmherzig mit Moses sein, denn er musste mehr als das erleiden, doch zeigte er dennoch Geduld.“ Dieses respekt- und anstandslose Verhalten des Mannes war eine Reaktion darauf, dass auf Anordnung des Propheten manchen Mekkanern, deren Herzen für den Islam gewonnen werden sollten, etwas mehr von der Kriegsbeute gegeben wurde als allen anderen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) war aber berechtigt und befugt, ein Fünftel des „Bayt al-Mal“ (Staatseigentums) nach eigenem Ermessen zu verteilen, weshalb es zu keiner Zeit zu einer Ungerechtigkeit gekommen war.
Der barmherzige Gesandte (s.a.w.) war stets bemüht, die Menschen trotz allem zu inspirieren und ihre Herzen zu gewinnen. Er war immer feinfühlig und mild im Umgang mit anderen. Natürlich konnten alle Individuen Fehler machen oder falsche Gedanken hegen. Doch sie aufgrund ihrer Fehler auszugrenzen oder zu verletzen, wäre schädlich und nicht konstruktiv. Daher begegnete der Gesandte Allahs (s.a.w.) den Fehlern anderer mit Verständnis und belehrte sie auf die schönste Weise.
Nicht nur Menschen, auch Tiere behandelte der Gesandte liebevoll und sanftmütig. Als eines Tages Aischa (r.a.) auf ein wildes Kamel stieg, begann sie die Zügel kräftig hin und her zu ziehen, woraufhin der Gesandte Allahs (s.a.w.) ihr mit folgenden Worten zur Güte gegenüber ihrem Reittier riet: „Oh Aischa, sei sanft! Denn Sanftheit verschönert alles, worin es sich befindet und verschlechtert alles (macht hässlich), wovon es entfernt wird.“
Manchmal stellte unser Prophet (s.a.w.) seinem Gegenüber Fragen auf unterschiedliche Arten, um seine Neugier und Aufmerksamkeit zu erregen oder auf etwas hinzuweisen. Während einer Reise mit Muʿadh b. Dschabal (r.a.) fragte er ihn: „Oh Muʿadh! Weißt du, welche Rechte Allah über Seine Diener hat?“ Muʿadh antwortete: „Allah und sein Gesandter wissen es am besten.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Es steht Allah zu, dass Seine Diener Ihm nichts beigesellen und Ihn anbeten.“ Nachdem sie einen Teil der Strecke zurückgelegt hatten, fragte der Gesandte Allahs erneut mit seiner gesegneten Stimme: „Oh Muʿadh! Weißt du, welche Rechte Menschen Allah gegenüber zustehen, wenn sie dies (die Rechte Allahs) einhalten?“ Erneut antwortete Muʿadh (r.a.): „Allah und sein Gesandter wissen es am besten.“ Er sagte: „Dass Allah sie nicht bestraft und sie mit dem Paradies belohnt.“
Nachdem unserem Propheten die Sure al-Kawthar offenbart worden war, sagte er „Bismillahirrahmanirrahim“ und begann sie zu verlesen. Nachdem die Rezitation beendet war, fragte er: „Wisst ihr, was ‚Kawthar‘ ist?“ Die Prophetengefährten antworteten: „Allah und sein Gesandter wissen es am besten“, woraufhin er sagte: „Es ist ein Fluss im Paradies, den mir mein Herr versprochen hat.“ In ähnlicher Weise stellte er Fragen wie: „Wisst ihr, was ein ‚Muflis‘ ist?“, oder: „Wisst ihr, was euer Herr gebietet?“, um die Aufmerksamkeit der Gefährten auf besondere Aspekte zu lenken. Aber weil es zur Verkündung neuer Normen und zur Erschwerung der Verantwortung führen könnte, wurde das unnötige und sinnlose Nachfragen (in Religionsangelegenheiten) in einem Koranvers untersagt; auch der Gesandte Allahs befürwortete es nicht, dass unnötige Fragen gestellt wurden.
Auf verschiedene Möglichkeiten hinweisend, Lösungen für ein Problem zu finden, war auch eine vom Gesandten Allahs (s.a.w.) angewandte Vorgehensweise. Vor diesem Hintergrund ist eine Überlieferung von Rafi b.Amral-Ghifari (r.a.) aus pädagogischer Sicht äußerst bemerkenswert: „Als ich noch ein Kind war, bewarf ich die Dattelpalmen der Ansar mit Steinen. Daraufhin brachte man mich zum Propheten. „Mein Kind, warum bewirfst du die Datteln?“, fragte er mich. Als ich sagte: „Um (sie) zu essen!“, erwiderte der Gesandte Allahs: „Bewirf die Datteln nicht, iss von denen, die (von selbst auf den Boden) herunterfallen.“ Danach streichelte er meinen Kopf und sprach ein Bittgebet mit den Worten: „Oh Allah, sättige dieses Kind!“ Wie es scheint, erwartete man, dass der unter Angst und Aufregung stehende Junge, der am Arm gepackt und zum Propheten gebracht wurde, bestraft werden würde. Doch durch den fürsorglichen Kontakt, den der Gesandte Allahs (s.a.w.) mit der Anrede „Mein Kind“ zu ihm aufbaute, gestand der Junge aufrichtig ein: „Um zu essen!“
Natürlich durften die barmherzige Hilfe und die geistliche Unterstützung für den Erfolg dieser weisen Methode nicht vernachlässigt werden. Das Kind, dessen Kopf gestreichelt und für den gebetet wird: „Oh Allah, sättige dieses Kind!“, würde für den Rest seines Lebens die spirituelle Freude und Aufregung spüren, die es vom Gesandten Allahs erhalten hatte, und es würde sich immer mit positiven Gefühlen an ihn erinnern.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) veranschaulichte eine Angelegenheit manchmal anhand eines Beispiels, damit es jeder verstehen konnte. Hierbei verwendete er Gleichnisse, in denen etwas Abstraktes mit einem konkreten Beispiel verglichen und veranschaulicht wurde. Zum Beispiel veranschaulichte er diejenigen, die sein Prophetentum akzeptierten und diejenigen, die ihn als Propheten ablehnten, mit folgendem Gleichnis:
„Die Rechtleitung und das Wissen, mit denen Allah mich entsandte, gleichen einem Regen, der auf den Erdboden fällt. Mancher Boden ist so fruchtbar, dass er das Wasser reichlich aufnehmen und viele Pflanzen gedeihen lässt. Mancher Boden hingegen ist karg, er trägt das Wasser über sich, ohne dass es versickert, es entstehen Seen, sodass Allah die Menschen dieses Wasser nutzen lässt; sie trinken es selbst, tränken damit ihre Tiere und bewässern ihren Acker. Es gibt auch jenen Boden, der unfruchtbar ist und weder das Wasser auf sich hält noch Pflanzen gedeihen lässt. Dies ist das Gleichnis derer, die die Religion Allahs bis ins Kleinste begreifen, von dem Wissen und der Rechtleitung profitieren, mit der Allah mich entsandte, diese lehren und lernen; sowie derer, die, wenn sie davon hören, aus Hochmut weder ihren Kopf erheben noch die Rechtleitung akzeptieren, mit der Allah mich entsandte.“ Mit dem Hadith: „Die Gelehrten auf der Erde sind wie die Sterne am Himmel“, umschrieb der ehrenwerte Gesandte (s.a.w.), die von den Gelehrten ausgehende Erleuchtung ihrer Umgebung mit Wissen.
Die vom Propheten Muhammed (s.a.w.) erzählten Geschichten und Abhandlungen (Qisas) bezüglich des Glaubens, der Handlungen und des guten Charakters, hatten bei der Erziehung und Belehrung der Muslime eine äußerst effektive Wirkung. Denn das Erzählen von Geschichten war ein Mittel, mit dem die Aufmerksamkeit sowie die Begeisterung der Adressaten geweckt und ihre Gemüter beruhigt und inspiriert wurden. In den im edlen Koran häufig angeführten, zum Guten ermutigenden und vom Schlechten abschreckenden Erzählungen über gute und schlechte Beispiele früherer Völker steckten in vollkommener Affinität religiöse und moralische Botschaften. Die von früheren Völkern erlebten guten und schlechten Ereignisse wurden vor diesem Hintergrund mit höchster literarischer Kunst veranschaulicht. Durch die Hervorhebung ihres Endschicksals, das auch jene treffen wird, die sich wie diese Völker verhalten, wurde die Belehrung der Zuhörerschaft bezweckt. So weist der Koranvers: „Darum erzähle ihnen diese Geschichte, vielleicht bedenken sie es“, darauf hin, dass die Erinnerungen an die früheren Völker (Qisas) als eine effektive Methode bei der Erziehung nützlich sein können.
Für das bessere Verständnis komplizierter Inhalte sowie hoher moralische Werte, waren Geschichten, die Emotionen und Begeisterung hervorrufen, zum Denken anregen und Lehren aus sich ziehen lassen, ein wirkungsvolles Mittel. Denn ein Thema anhand konkreter Beispiele mit Veranschaulichungen, Vergleichen und Gleichnissen zu vermitteln, hatte einen bildenden Mehrwert für den Zuhörer. Außerdem stärkten diese Geschichten die Fähigkeit, Schwierigkeiten und Krisen zu bewältigen und ermutigten jene, die dieselben Probleme durchlebten, sich mit Bittgebeten, Trost, Geduld und Gottvertrauen zu behelfen. Daher hörten die Prophetengefährten, insbesondere die Kinder und Jugendlichen unter ihnen, dem Propheten mit besonderer Aufmerksamkeit und Begeisterung zu, wenn er ihnen Geschichten (Qisas) früherer Völker erzählte. Die Erzählung über die Frau, die in der Hölle bestraft wird, weil sie eine Katze einsperrte und sie vor Hunger sterben ließ, oder über den Mann, der für einen verdurstenden Hund, der vor Verzweiflung den feuchten Boden ableckte, Wasser aus dem Brunnen schöpfte und ihm deshalb das Wohlgefallen und die Vergebung Allahs zuteilwurden, zählen zu den Geschichten, die der Prophet den Menschen wiedergab.
Bei seinen Lehr- und Bildungstätigkeiten legte der Gesandte Allahs (s.a.w.) auch Wert auf eine angemessene und effiziente Zeitplanung. Als ein Mann zu Abdullah b. Masʿud (r.a.) kam und zu ihm sagte: „Ich würde wollen, dass du jeden Tag zu uns predigst!“, antwortete dieser: „Weil ich euren Überdruss befürchte, vermeide ich dies und wähle für euch angemessene Zeiten aus. So suchte auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) stets geeignete Tage für seine Predigten aus, aus Sorge davor, bei uns Überdruss zur verursachen.“ Diese Vorgehensweise war mit Blick auf die Aufrechterhaltung des gezeigten Interesses durchaus nützlich.
Seinem Bildungs- und Erziehungsstil entsprechend behandelte der Gesandte sein Gegenüber stets achtungsvoll, egal um wen es sich handelte. Jeder Gefährte war der Überzeugung, dass er vom Propheten mehr Wertschätzung erfährt, als die anderen. Vor allem hatten Kinder und Jugendliche einen besonderen Platz im Herzen des Propheten. Ihnen brachte er zu Beginn unter anderem die Glaubens- und Denkgrundsätze bei und gab ihnen praxisorientierte Ratschläge, wie sie ihre Lebensjahre im Kindes- und Jugendalter sinnvoll nutzen können. Als eines Tages Abdullah b. Abbas (r.a.) den Gesandten Allahs (s.a.w.) auf einer Reise begleitete und dabei hinter ihm auf demselben Kamel saß, sagte der Prophet zu ihm: „Junger Mann! Ich werde dir nun einige Dinge beibringen: Berücksichtige Allah und Allah wird dich berücksichtigen. Berücksichtige Allah, auf dass du Allah stets an deiner Seite vorfindest. Wenn du etwas wünschst, wünsch es von Allah! Wenn du Hilfe benötigst, bitte Allah um Hilfe! Wisse, dass, selbst wenn alle Menschen sich versammeln würden, um dir Nutzen zu bringen, dir nur das an Nutzen zukommen wird, was Allah (für dich) bestimmt hat (Taqdir). Und wenn alle Menschen sich versammeln würden, um dir zu schaden, wird dir nur das an Schaden zukommen, was Allah (für dich) bestimmt hat. In dieser Sache sind die Stifte längst niedergelegt und die (Schriften der) Seiten getrocknet (das Schicksal besiegelt).“
Mit der Anrede „Oh mein Kind!“ sprach der Gesandte Allahs (s.a.w.) die Gefühlswelt der Kinder an, gewann ihre Aufmerksamkeit und vergewisserte sich, dass sie ihm gut zuhörten. So berichtet Anas b. Malik (r.a.): „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte zu mir: ‚Oh mein Kind! Wenn es dir möglich ist, den Morgen und den Abend ohne Hass und Feindschaft zu beginnen, dann tu dies auch!‘ Dann fuhr er fort: ‚Oh mein Kind! Dies ist meine Sunnah. Wer meine Sunnah praktiziert, der liebt mich wirklich. Und wer mich wirklich liebt, der wird mit mir gemeinsam im Paradies sein.‘“
Und als einmal Umar b. Abu Salama (r.a.), der in der Obhut des Gesandten Allahs (s.a.w.) aufwuchs, mit seiner Hand im Essen herumwühlte, wies der Prophet ihn auf die Tischmanieren hin und sagte: „Mein Kind, sprich die Basmala und iss mit deiner rechten Hand von deiner Seite des Tellers!“
Aus den Überlieferungen geht hervor, dass der Gesandte beim Sprechen sowie bei Unterhaltungen auch seine Körpersprache angemessen nutzte. In seiner Lehrpraxis wählte er je nach Gesprächspartner einen sanften, innigen und angenehmen Ton oder sprach mit erhobener Stimme. Darüber hinaus regte er mit scherzhafter Gestik und lebhafter Mimik den Körper und die Seele seines Gesprächspartners an. Dschabir b. Abdullah (r.a.) beschreibt die Predigten des Gesandten Allahs (s.a.w.) wie folgt: „Wenn der Prophet predigte, dann erröteten seine Augen, seine Stimme erhob sich und er war erregt, als würde er ein Heer ermahnen … Bei einem Mal legte er seine Zeige- und Mittelfinger zusammen und sagte: ‚Das Jüngste Gericht und ich (meine Sendung) sind so nah zueinander.‘“
Es wird auch überliefert, dass er mit seinen Händen folgendermaßen gestikulierte: „Wenn er (auf etwas oder jemanden) zeigte, dann tat er das mit der gesamten Handfläche. Wenn er (über etwas) erstaunt war, drehte er seine Handfläche um. Wenn er sprach, legte er seine Handflächen zusammen und schlug seine rechte Handfläche gegen seinen linken Daumen.“ Als er sagte: „Der Gläubige ist dem (anderen) Gläubigen wie ein anderes Gebäude(-element). Sie stützen einander“, verschränkte er seine Finger ineinander. Während er betonte, dass die Muslime wie Geschwister sind, und über ihre gegenseitigen Rechte sprach, kam er auf die Gottesfurcht (Taqwa) zu sprechen und sagte dreimal wiederholend: „Die Gottesfurcht befindet sich hier“, wobei er jedes Mal mit der Hand auf seine Brust zeigte. Um zu demonstrieren, wie nah man bei ihm im Paradies sein wird, wenn man ein Waisenkind in seine Obhut nimmt, legte er seinen Zeige- und Mittelfinger zusammen. Als er einmal verkündete: „Wahrlich, Allah schaut nicht auf eure Körper oder euer Aussehen, sondern auf eure Herzen“, zeigte er ebenfalls auf seine Brust. Wenn der Prophet gereizt war, so bemerkte man dies an seinem erröteten Gesicht, und wenn ihm etwas gefiel, konnte man die Freude in seinem Gesicht erkennen.
Manchmal zeichnete und verbildlichte er auch etwas, das er vermitteln wollte, sodass es leichter verstanden und erlernt werden konnte. Nach einer Überlieferung von Abdullah b. Masʿud (r.a.) zeichnete der Gesandte Allahs (s.a.w.) eine gerade Linie und sagte: „Dies ist der Weg Allahs.“ Danach zeichnete er rechts und links davon weitere Linien. Dann sagte er: „Dies sind diverse Wege. An jedem Weg sitzt ein Satan, der zu seinem Weg ruft“, und rezitierte den Vers: „Denn dies ist Mein rechter Weg. So folgt ihm und folgt nicht (anderen) Pfaden, damit ihr nicht von Seinem Pfad getrennt werdet.“
In einigen Situationen zeigte er zum besseren Verständnis am eigenen Beispiel die praktische Umsetzung von Dingen, die er zu lehren versuchte. So kam eines Tages ein Beduine zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und fragte ihn, wie man die rituelle Gebetswaschung (Wudhu) vollzieht. Daraufhin demonstrierte der Prophet ihm die Waschung, wobei er die zu waschenden Körperteile dreimal wusch. Dann sagte er: „Dies ist die rituelle Waschung. Wer mehr als das macht, hat gesündigt, die Grenze überschritten oder Unrecht begangen.“
Es kam auch vor, dass er diejenigen ermahnte, die seine Empfehlungen und Anweisungen nicht befolgten. Als einmal ein Gefährte sagte: „Oh Gesandter Allahs! Ein gewisser Jemand zieht das (gemeinschaftliche) Gebet so sehr in die Länge, wenn er uns vorbetet, dass ich schon fast nicht mehr zum Gebet kommen möchte.“ Abdullah b. Masʿud (r.a.), der diesen Hadith überlieferte, merkte an, dass er den Gesandten (s.a.w.) noch nie so wütend sah wie in diesem Moment, als dieser sagte: „Oh ihr Menschen! Ihr schreckt die Leute ab. Wer auch immer Vorbeter im gemeinschaftlichen Gebet ist, der soll das Gebet erleichtern. Denn in der Gemeinde können sich Kranke, Schwache und Beschäftigte befinden.“
Zum bevorstehenden Tabuk-Feldzug ordnete der Gesandte Allahs (s.a.w.) an, dass die Muslime sich entsprechend auf dieses schwierige Gefecht vorbereiten. Doch drei Gefährten hatten sich dem Feldzug nicht angeschlossen, obwohl sie keinerlei Entschuldigung dafür hatten. Dass diese Gefährten, die weder in Bezug auf den Glauben noch in gottesdienstlichen Angelegenheiten Schwächen zeigten, an diesem schwierigen Tag nicht am Feldzug teilnahmen, kränkte den Propheten sehr. Nach der Rückkehr vom Feldzug ordnete er an, dass niemand mit diesen drei Gefährten redet, bis Allah ein diesbezügliches Urteil verkündet. Erst 50 Tage nachdem sie ihren Fehler eingesehen und bereut hatten, begann der Gesandte Allahs wieder mit ihnen zu sprechen.
Unser Prophet (s.a.w.) achtete auch sehr stark auf seinen Redestil, wenn er erzieherische oder belehrende Aussagen tätigte. Seinen Redestil beschreibt Aischa (r.a.) folgendermaßen: „Der Gesandte Allahs sprach nicht so schnell, wie ihr es tut. Stattdessen pflegte er deutlich und langsam zu sprechen, sodass die Anwesenden es sich einprägen konnten.“ Wenn er etwas erzählte, konnte man problemlos seine Worte zählen. Dinge, die er als wichtig erachtete, wiederholte er. Manchmal wiederholte er nur die ersten Worte der Aussagen, um die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu erregen. So begann er einmal seine Ansprache mit den Worten: „Möge er auf die Nase fallen! Möge er auf die Nase fallen! Möge er auf die Nase fallen!“ Die Gefährten fragten neugierig: „Wer, oh Gesandter Allahs?“ „Wer das höhere Alter seiner beiden Eltern oder eines von ihnen miterlebt und es dennoch nicht schafft, durch sie (ihre Gunst) ins Paradies zu kommen.“
Von Zeit zu Zeit sprach er seine Gefährten an, indem er ihre Namen nannte, und sie antworteten dann: „Ja bitte, oh Gesandter Allahs.“ Dann sprach er sie erneut mit ihrem Namen an und erhielt dieselbe Antwort. Dies wiederholter er ein paar Mal, wodurch er die volle Aufmerksamkeit seiner Gesprächspartner gewinnen konnte und ihnen dann sein Anliegen vermittelte. Dabei sprach er sowohl zur Gemeinde – wenn es beispielsweise wichtig war und alle betraf –, als auch zu einzelnen Gefährten, die er persönlich anredete.
Für die Frauen nahm sich der Gesandte Allahs (s.a.w.) im Rahmen seiner Lehrtätigkeit gesondert Zeit. Unter der Überschrift „Kann den Frauen für ihre Wissensaneignung ein gesonderter Tag zugeteilt werden?“ führt Buchari (r.a.) folgenden Hadith an: „Eines Tages kam eine Frau zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: ‚Oh Gesandter Allahs! Die Männer haben es leicht, deinen Worten Gehör zu schenken. Teile uns doch auch einen Tag zu, an dem wir zu dir kommen können, sodass du uns lehren kannst, was Allah dich lehrte.‘ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: ‚Versammelt euch an jenem Tag.‘ So versammelten sich die Frauen und der Gesandte Allahs (s.a.w.) ging zu ihnen und brachte ihnen bei, was Allah Ta´ala ihn gelehrt hatte.“ Dies zeigt, dass die Frauen in der Zeit der Glückseligkeit (Asr as-Saʿadah) sich mit den öffentlichen Ansprachen und allgemeinen Predigten des Gesandten Allahs (s.a.w.) in der Moschee, zu der sie jederzeit Zugang hatten, nicht begnügen wollten und daher zusätzlich um eine gesonderte Unterrichtsitzung baten. Bei diesem speziell an Frauen gerichteten Unterrichtsformat konnten die Fragen direkt an den Gesandten Allahs gestellt werden, der sie dann entsprechend beantwortete. Manchmal ließen sie sich ihre Fragen auch durch die Vermittlung Aischas (r.a.) beantworten. Diesbezüglich sagte Aischa (r.a.) daher: „Wie vorzüglich die Frauen der Ansar doch sind! Ihre Schamhaftigkeit hielt sie nicht davon ab, ihre Religion zu erfragen und ihr Wissen über den Glauben zu vertiefen.“
Der als Suffa bezeichnete beschattete Bereich, der nach der Hidschrah in die Stadt Medina am Eingangsbereich der Prophetenmoschee errichtet wurde, kann gewissermaßen als ein früher Vorläufer der systematischen Bildungseinrichtungen betrachtet werden. Die Gefährten, die sich dieser Bildungsstätte widmeten und als Ashab as-Suffa bezeichnet wurden, erhielten besondere Aufmerksamkeit vom Propheten, der sich persönlich um ihre Bedürfnisse und ihren Unterhalt kümmerte. Abu Hurayra (r.a.), Abdullah b. Umar (r.a.) und Uqba b. Amir (r.a.) etwa, die zu jenen Gefährten zählten und die am meisten Hadithe überlieferten, waren Absolventen dieser Bildungsstätte. Grundsätzlich wurden Gefährten aus der Ashab as-Suffa für Ämter im Staatsdienst bevorzugt, wie z. B. für das Amt des Statthalters, Kommandanten, Richters und Lehrers.
Manche Prophetengefährten, die weiter weg wohnten und angereist waren, um den Gesandten Allahs (s.a.w.) zu besuchen, wurden während ihres Aufenthaltes in der Suffa beherbergt. Ähnlich wie in heutzutage bekannten Kursen und Seminaren erlernten sie in dieser kurzen Zeit beim Propheten die Gebote der Religion und konnten in ihrer Heimat diese an Familienmitglieder und Verwandte weitergeben. So berichtet Malik b. al-Huwayris (r.a.) wie folgt von seinem Aufenthalt in der Suffa: „Wir kamen als Jugendliche zum Gesandten Allahs und waren alle ungefähr im selben Alter. Wir blieben 20 Tage bei ihm. Der Gesandte Allahs war sehr barmherzig und liebevoll. Als er bemerkte, dass wir Sehnsucht nach unseren Familien hatten, fragte er, wen wir alles zurückgelassen hätten. Daraufhin erzählten wir ihm von ihnen. Der Gesandte Allahs sagte: ‚Kehrt zurück zu euren Familien, kommt zusammen mit ihnen und informiert auch sie (darüber, was ihr hier gelernt habt). Wenn die Gebetszeit eintritt, so weist sie auf das Gebet hin. Einer von euch soll zum Gebet rufen und der Älteste von euch soll als Vorbeter das Gebet anleiten!‘“
Als ein Prinzip mied der Prophet (s.a.w.) nutzloses Wissen und strebte nützliches Wissen an. Ein Bittgebet, das er stets wiederholte und an das er auch andere erinnerte, war folgendes: „Oh Allah, ich bitte Dich um nützliches Wissen, um rechtmäßige Versorgung und um Taten, an denen Du Wohlgefallen hast!“ Dass man unnützes Wissen vermeiden sollte, betonte er auch mit folgenden Worten: „Oh Allah, ich suche Zuflucht bei Dir vor der Triebseele (Nafs), die unersättlich ist, dem Herzen, das keine Ehrfurcht kennt, und vor Bittgebeten, die nicht erhört werden!“ Denn während nützliches Wissen, das den Menschen bereichert und ihm in seinen Handlungen Vorteile sichert, für alle Geschöpfe eine Quelle der Gnade und des Segens darstellt, belastet unnützes Wissen das Gedächtnis und führt dazu, dass nützliche Wissensinhalte vergessen werden.
Unser Prophet (s.a.w.) war sich der Bedeutung des Wissens und der Gelehrsamkeit bewusst, weshalb er daran erinnerte, dass das Fehlen von Menschen, die sich mit dem Wissen bzw. der Wissenschaft beschäftigen und das Wissen weitergeben, zwangsläufig zu Abirrungen durch Desinformation sowie zum Verlust der Wahrheit führt: „Allah entreißt den Menschen das Wissen nicht in einem Zuge. Er nimmt ihnen das Wissen weg, indem er den Gelehrten ihre Seelen nimmt, bis am Ende kein einziger Gelehrter mehr am Leben bleibt und die Menschen Unwissende zu ihren Führern machen. Ihnen wird man Fragen stellen, woraufhin sie trotz ihrer Unwissenheit (Rechts-)Auskunft erteilen werden. Auf diese Weise werden sie (selbst) irregehen und (andere) irreführen!“
Somit ist das Moralverständnis des Propheten (s.a.w.) samt seiner Lehr- und Erziehungsmethode sowie seiner Auffassung von Körper, Verstand, Geistes- und Gefühlswelt unser wertvollstes Vorbild für die Erziehung starker, gesunder und ausgewogener Generationen für die Zukunft. Denn etwas so Besonderes wie die Erziehung des Menschen erfordert neben Sanftmütigkeit und Demut auch Ernsthaftigkeit, Wertschätzung und Würde. In der Sunnah sowie in den Ahadithen des Propheten lässt sich in diesem Zusammenhang eine auf Erleichterung und Praktikabilität ausgerichtete Vielfalt finden, die in sich harmonisch und strukturiert ist. Gewiss wird jeder Mensch, unabhängig von seiner Wesensart sowie dem Erziehungsstil, durch den er geprägt wurde, zahlreiche vorbildliche Verhaltens- und Handlungsweisen im Leben des gesegneten Propheten finden, da dieser das lebendige Beispiel des gnadenreichen Korans darstellt und zur Vervollkommnung der edlen Moral gesandt wurde.