13. Bölüm
DIE PERSÖNLICHEN GEGENSTÄNDE UNSERES PROPHETEN
Es war das neunte Jahr nach der Auswanderung von Mekka nach Medina (Hidschrah). Der Gesandte Allahs (s.a.w.) kam gerade vom Feldzug aus Tabuk zurück und ging in sein Haus, das sich neben der Prophetenmoschee (Masdschid an-Nabawî) befand. Als er das Haus betrat, bemerkte er, dass das Regal in seinem Zimmer mit einem dünnen Vorhang verdeckt wurde, der mit bildlichen Darstellungen von Lebewesen versehen war. Er wurde wütend, seine Gesichtsfarbe änderte sich und er riss den Vorhang ab. Dann sagte er Aischa (r.a.) ansprechend: „Diejenigen, die versuchen, ihre eigenen Werke den Geschöpfen Allahs anzugleichen, werden am Tag der Auferstehung mit der härtesten Strafe bestraft.“ Nach dieser strengen Warnung des Gesandten Allahs zerschnitt Aischa (r.a.) den Vorhang und nähte daraus zwei Sitzkissen. Der Gesandte Allahs benutzte danach diese Kissen zum Sitzen. Die islamische Religion ist auf den Tawhid (absoluter Monotheismus – den Glauben an einen einzigen Gott/Allah) aufgebaut. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wünschte sich, dass die Spuren der Beigesellung/Polytheismus (Schirk) aus dem Gedächtnis der Gesellschaft vollständig gelöscht wurde, die erst kürzlich der Götzenanbetung den Rücken gekehrt hatte. Aus diesem Grund verbot der Gesandte Allahs, Gegenstände wie Vorhänge, Wandteppiche und ähnliche Sachen, die mit Bildern von Lebewesen versehen waren, nicht an Regalen, Wänden oder Decken aufzuhängen. Er wollte vermeiden, dass auf Gegenstände, die an den Glauben der vorislamischen Zeit der Unwissenheit erinnerten und zu dem damaligen Gedankengut lockten, Wert gelegt oder diese verehrt wurden.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) fühlte sich von manchen Gegenständen in Häusern gestört und wollte, dass sie entfernt wurden. Aischa (r.a.) überliefert, der Gesandte Allahs habe in seinem eigenen Haus die Gegenstände, auf denen sich das Kreuz der Christen befand, entweder zerbrochen oder das Kreuz entfernt.
Diese Überlieferungen zeigen uns, dass der Prophet versuchte, das Glaubensbekenntnis des Tawhids zu schützen, das Verständnis und die Haltung, der Materie symbolische Überlegenheit oder besondere Bedeutungen zuzuschreiben, entschieden ablehnte und die Vorherrschaft des Tawhids als bestimmenden Faktor in seinen Beziehungen zu den Dingen akzeptierte.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hielt es auch nicht für richtig, dass die Gegenstände, die verwendet werden, eine Person von der Spiritualität entfernen und sie ständig an das diesseitige Leben gebannt halten. Aischa (r.a.) überliefert, dass sie zu Hause einen Vorhang mit Vogelmuster hatte, der in Richtung der Qibla (Kaaba) aufgehängt war und beim Betreten des Hauses direkt auffiel. Der Gesandte Allahs sagte: „Oh Aischa, wechsel den Vorhang. Jedes Mal, wenn ich das Haus betrete, sehe ich diesen Vorhang und denke an das Weltliche.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte, dass das Diesseits etwas Vergängliches und ein Ort sei, an dem man sich nur für eine bestimmte Weile aufhält und einen Nutzen daraus zieht. Daher maß er keinem Gegenstand und keiner Ware mehr Wert bei, als nötig. Für den Gesandten Allahs dienten Gegenstände nur dem Gebrauch und hatten keinen besonderen Wert für ihn; auch gewann der Mensch durch Vermögen und Besitz nicht an Ansehen und Wert. Für ihn war es ausreichend, dass die Gegenstände, die er verwendete, seinem Nutzen dienten, und indem er sich entschieden von Luxus, Ausschweifung und Verschwendung fernhielt, wurde er zum Vorbild für Muslime. Für unseren Propheten waren Besitztum und Güter keine materielle Sache, denen sich der Mensch hingeben und sich mit ihnen aufwerten sollte, sondern Gebrauchsgegenstände, die für die Notwendigkeit verwendet werden sollten. Er dachte, dass die Waren, die er benutzte, ausreichten, um die Bedürfnisse zu decken, und bevorzugte ein bescheidenes Leben, ohne sich nach Luxus zu sehnen. So besaß der Gesandte Allahs (s.a.w.) kurz vor seinem Ableben weniger Eigentum als bei seiner Geburt. Denn er hatte sein Geld und Vermögen, das er nicht brauchte, auf dem Wege Allahs gespendet. So überliefert Amr b. Haris (r.a.), der Bruder der Mutter der Gläubigen, Dschuwayriya bnt. Haris (r.a.), der Gesandte Allahs habe nichts anderes zurückgelassen als seine Waffe, sein weißes Maultier und etwas Ackerfläche. Er hat weder Dirham noch Dinar, Diener oder Dienerinnen hinterlassen. Das, was der Gesandte Allahs als Erbe hinterlassen hat, waren nur einige lebensnotwendige Sachen, die auf das Minimum reduziert waren.
Obwohl der Gesandte Allahs (s.a.w.) die Möglichkeit hatte, jede Art von Vermögen und Macht zu besitzen, hatte er kein Interesse am Weltlichen. Eines Tages betrat Abdullah b. Masʿud (r.a.), ein Gefährte, der Wissen in der islamischen Rechtswissenschaft (Fiqh) hatte, das Zimmer des Gesandten Allahs, welches die Gefährten aufgrund seiner beengten Größe mit einem Taubennest verglichen. Er sah den Gesandten Allahs (s.a.w.) auf einer Strohmatte schlafen. Die harte Strohmatte hatte auf der einen Körperseite des Gesandten Allahs Spuren hinterlassen. Ibn Masʿud (r.a.) konnte sich nicht halten und fing an zu weinen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wusste nicht, weshalb er weinte, und fragte verwundert: „Was hat dich zum Weinen gebracht, Abdullah?“ Ibn Masʿud erklärte den Grund, weshalb er weinte: „Oh Gesandter Allahs, Kisra und Qaysar (Herrscher des persischen und Römischen Reiches) laufen auf Satin und seidenen Stoffen, in die Gold und Silber eingewebt sind. Du dagegen schläfst auf dieser Strohmatte. Außerdem hat diese Matte auf deinem Körper Abdrücke hinterlassen.“ Daraufhin tröstete ihn der Gesandte Allahs mit folgenden Worten: „Weine nicht, Abdullah! Ihnen gehört das Weltliche und uns gehört das Jenseits. Wie groß ist außerdem mein Interesse an dieser Welt? Ich bin auf dieser Welt wie ein Reisender, der unter einem Baum Schatten sucht und dann weiterzieht.“
Weder der Reisende noch der Schatten sind dauerhaft. Doch während einer Reise im Wüstenklima war das Ausruhen unter einem Schatten notwendig, um Kraft und Energie zu tanken, um so das Ziel zu erreichen. Die Welt und alles Weltliche sind vergänglich. Trotzdem darf das Weltliche, das auf dem Weg zum Jenseits ein wichtiges Kapital ist, nicht außer Acht gelassen werden. Mit diesem Gleichnis wollte der Gesandte Allahs (s.a.w.) diese Tatsache zum Ausdruck bringen.
Eines Tages kam eine Frau aus den Reihen der Ansar Aischa (r.a.) besuchen. Sie sah das Bett des Gesandten Allahs, das eine Strohmatte war. Wahrscheinlich hat es sie gestört, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) auf einer Strohmatte schlief, und schickte sofort, als sie zu Hause ankam, eine Matte aus dicker Wolle als Geschenk zum Gesandten Allahs. Als der Prophet nach Hause kam, sah er das neue Bett und fragte: „Was ist das?“ Aischa (r.a.) antwortete: „Oh Gesandter Allahs, eine Frau aus den Reihen der Ansar kam heute zu Besuch und sah das Bett. Als sie nach Hause gegangen war, hat sie diese Matte geschickt.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Schicke sie ihr zurück!“
Aischa (r.a.) erzählt die Begebenheit weiter: „Ich habe die Matte nicht zurückgeschickt. Eigentlich hat es mir sehr gefallen, solch eine Matte zu Hause zu haben. Der Gesandte Allahs hat diese Warnung dreimal wiederholt und gesagt: ‚Wahrlich, oh Aischa, wenn ich wollte, würde Allah mir Berge aus Gold und Silber geben.‘“
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) benutzte keine Gegenstände, die den Menschen zur Trägheit verführen und ihn von den täglichen Gebeten ablenken. Man fragte Hafsa (r.a.): „Wie sah das Bett des Gesandten Allahs in deinem Haus aus?“ Sie antwortete: „Wir falteten einen dicken Webteppich aus Wolle zweimal zusammen. Diesen benutzte er zum Schlafen. Eines Abends dachte ich mir, dass es für ihn weicher wäre, wenn wir den Teppich viermal falten würden. Und so habe ich es auch gemacht. Doch als der Gesandte Allahs (s.a.w.) am Morgen aufgestanden war, fragte er: ‚Was habt ihr diese Nacht als Matte hingelegt?‘ Wir sagten: ‚Es ist dein Bett wie immer. Allerdings haben wir es viermal gefaltet, damit es weicher ist.‘ Daraufhin sagte er: ‚Bringt es bitte in den alten Zustand. Denn die Weichheit des Bettes hat mich in der Nacht von meinem Gebet abgehalten.‘“ Obwohl der Gesandte Allahs (s.a.w.) kein bequemes Bett bevorzugte, verlangte er von seinen Gefährten nicht das gleiche Verhalten.
Es ist ihr natürliches Recht, dass die Menschen Sachen besitzen, die sie benötigen. Dabei stehen an erster Stelle Wohnung, Kleidungen, die den Körper bedecken und die Person vor Kälte und Wärme schützen, und Lebensmittel. Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der auch die finanziellen Umstände seiner Zeit vor Augen hatte, mahnte die Menschen, nicht zu übertreiben und nicht zu verschwenden. Auch hat er einen Kleidungsstil verboten, mit dem der Mensch seinen Reichtum zur Schau stellt und seinen Stolz zeigt.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat sich sein Leben lang von jeglicher Art der Übertreibung ferngehalten und war mit seiner bescheidenen Lebensweise ein schönes Beispiel für seine Gefährten. Er verwendete viele Materialien und Gegenstände, die zu seiner Zeit im alltäglichen Leben und in der Gesellschaft, in der er lebte, sehr gefragt waren, hat aber keine „Prahlerei“ daraus gemacht. So hat er sich zum Beispiel manchmal auf eine Decke gesetzt und manchmal hat er sich statt auf das Sitzkissen, das ihm angeboten wurde, auf den nackten Boden gesetzt. Obwohl der Gesandte Allahs (s.a.w.) die Möglichkeit hatte, unter besseren Umständen zu leben, war es seine eigene Entscheidung, ein einfaches Leben wie seine Freunde zu führen. Aus diesem Grund war sein Haus mit einfachen Möbeln ausgestattet. Er hatte einige Kissen aus gegerbtem Leder, die mit Palmfasern gefüllt waren, zwei Strohmatten, die er als Bett benutzte, an der Wand hingen einige Tierfelle und er besaß ein paar Decken. Außerdem hatte er eine Öllampe, die er nachts zur Beleuchtung verwendete, ein Messer, einen großen Teller, aus dem er aß, und zwei Becher, von denen einer aus Glas mit einem silbernen Griff und einer aus Holz mit einem Metallgriff war. Des Weiteren hatte er in seinem schlichten Haus neben einem großen Zuber, den sie zum Teigherstellen benutzten und aus dem sie Wasser beim Baden schöpften, einige Wassergefäße, die bei der Gebetswaschung oder zum Trinken verwendet wurden.
Obwohl zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.w.) in der muslimischen Gesellschaft Siebe benutzt wurden, besaß der Gesandte Allahs bis zu seinem Tod kein Sieb, mit dem er Mehl sieben konnte, und hatte auch kein einziges Mal Brot aus reinem Weizenmehl gegessen.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) achtete auf seine Körperpflege und benutzte bestimmte Dinge, um sauber und gut auszusehen, die er auch auf Reisen bei sich hatte. Er hatte zwei Haarkämme, mit denen er sich sogar nachts, wenn er aufwachte, seine Haare kämmte, wobei der eine aus Eisen und der andere aus Elfenbein hergestellt war.
Er besaß einen Spiegel; wenn er sich darin ansah, sprach er folgendes Bittgebet aus: „Gepriesen sei Allah! Oh mein Herr, Du hast mich schön erschaffen und so verschönere auch meinen Charakter.“ Er hatte ein Augenstift, das „Ismid“ genannt wird und den der Gesandte Allahs (s.a.w.) vor dem Schlaf jeweils dreimal auftrug. Da dieser Stift den Augen Glanz verlieh und die Wimpern pflegte, empfahl er auch seinen Gefährten, Ismid aufzutragen. Er massierte seine Haare und seinen Bart mit Öl ein, wobei der Glanz in den Haaren und im Bart des edlen Propheten für jeden sichtbar war. Er hatte eine Zahnbürste (Miswak) aus den Zweigen des Arak-Baumes, die er nach dem Betreten des Hauses und in der Nacht benutzte und die zu den persönlichen Gegenständen des Gesandten Allahs (s.a.w.) gehörten, die er stets bei sich trug.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) nahm an mehreren Schlachten teil, um den Islam und die Muslime zu schützen, und hat Kriegswerkzeuge der damaligen Zeit wie Schwert, Rüstung und Schutzhelm benutzt. Er gab seinen Kriegsutensilien immer schöne Namen. Er hatte insgesamt neun Schwerter, von denen er die meisten als Kriegsbeute erlangt hatte. Sein bekanntestes Schwert war das, das er nach der Schlacht bei Badr erhielt und „Zulfikar“ nannte. Der Griff dieses Schwertes war aus Silber und auf der Schwertscheide befanden sich ebenso Ringe aus Silber. Der Griff des Schwertes, das der Gesandte Allahs (s.a.w.) am Tag der Eroberung Mekkas in der Hand hielt, hatte Verzierungen aus Gold und Silber. Außerdem hatte er weitere Schwerter: „Maʾsur“, das er von seinem Vater geerbt hatte und das er während seiner Reise nach Medina bei sich trug; „Adb“, das Schwert, das er von Saʿd b. Ubada (r.a.) als Geschenk bekommen hatte und während der Schlacht bei Badr benutzt hatte; „Qalʿî“, „Battar“ und „Hatf“, die er von den Bani Qaynuqa als Kriegsbeute erlangt hatte; und „Rasub“ und „Mihzam“, zwei Schwerter vom Volksstamm des Tay.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hatte eine Rüstung, um sich im Krieg von den Pfeilen und Schwertern der Feinde zu schützen. Er hatte insgesamt sieben Rüstungen. Die bekannteste Rüstung war unter dem Namen „Zatal-fudhul“ bekannt. Die zwei Rüstungen, namens „Fidda“ und „Saʿdiyya“, waren sein Anteil an der Kriegsbeute nach der Schlacht mit Bani Qaynuqa. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) trug in der Schlacht von Uhud die zwei Rüstungen „Zatal-fudhul“ und „Fidda“ und in der Schlacht von Haybar die zwei Rüstungen „Zatal-fudhul“ und „Saʿdiyya“ übereinander. Außerdem besaß er einen Schutzhelm, den er am Tag der Eroberung Mekkas trug. Er hatte von den Bani Qaynuqa drei Lanzen und drei Bögen, die er „Rawha“, „Bayda“ und „Safra“ nannte. Zudem hatte er drei weitere Bögen mit den Namen „Zawra“, „Saddad“ und „Katum“; insgesamt sechs Bögen, wobei der Letztere in der Schlacht von Uhud zerbrochen wurde.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) erlangte den Großteil dieser Kriegswerkzeuge entweder durch Kriegsbeute oder bekam sie als Geschenk.
Unser Prophet (s.a.w.) befahl: „Oh ihr Menschen! Esst, trinkt, kleidet euch an und verrichtet Wohltaten (gebt Sadaqa), ohne Hochmut und Übertreibung.“ Sein Enkel Hasan (r.a.) überlieferte: „Der Prophet befahl uns gewöhnlich, das Beste zu tragen, was wir bekommen konnten, und die angenehmsten Düfte aufzutragen, die wir finden konnten.“
Wie in allen Lebensbereichen war der Gesandte Allahs (s.a.w.) auch bezüglich der Einrichtung seiner Wohnung für die Gefährten und für seine Ummah (Religionsgemeinschaft) ein schönes Beispiel, wobei Schlichtheit, Notwendigkeit, Ordnung und Sauberkeit die wichtigsten Aspekte für ihn waren. Obwohl er sich stets am bescheidenen Lebensstandard seiner Gefährten orientierte, sah er darin kein Problem, dass manche von ihnen – solange es nicht übertrieben wurde – gute und hochwertige Sachen besaßen. Auch er besaß wertvolle Gegenstände, wobei diese meist als Kriegsbeute erlangt oder ihm als Geschenk dargereicht wurden. Weder war er dagegen, Geld zu verdienen, noch war er jemand, der dies als Ziel und Sinn des Lebens ansah.