12. Bölüm
DER REINE, SCHLICHTE UND ELEGANTE GESANDTE ALLAHS
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) mochte Unordnung, Durcheinander und Hässlichkeit nicht; ihm gefiel ein ordentliches, passables und schönes Leben. Es gibt mehrere Beispiele, die zeigen, wie empfindlich er diesbezüglich war. Eines Tages begegnete er einem Mann mit ungekämmten Haaren. Er fragte sich in dem Moment: „Hat denn dieser (Mann) nichts gefunden, womit er seine Haare hätte kämmen können?“ Und als er einem Mann mit unsauberer Kleidung begegnete, sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Hat denn dieser (Mann) kein Wasser gefunden, womit er seine Kleidung hätte waschen können?“
Eines Tages, als der Gesandte Allahs (s.a.w.) in der Moschee (Masdschid) saß, kam ein Mann herein, dessen Haare und Bart ungekämmt waren. Der Gesandte Allahs zeigte dem Mann mit einer Handbewegung, dass er sich draußen saubermachen solle. Der Mann ging aus der Moschee und kam mit einem ordentlichen Aussehen wieder herein. Der Gesandte Allahs fragte: „Ist es denn nicht auf diese Weise schöner, als wenn einer von euch wie der Satan mit zerzausten Haaren (einem unordentlichen Aussehen) kommt?“
Ein Muslim hat die Aufgabe, zu jeder Zeit und unter jeder Bedingung seine Möglichkeiten richtig zu nutzen, um stets ein angenehmes Aussehen zu präsentieren. Natürlich ist das reinliche und elegante Aussehen nur eine Aufgabe von vielen anderen, doch ist sie von großer Bedeutung. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) betonte, dass es wichtig ist, sogar während der Arbeit sauber auszusehen, auf ordentliche Bekleidung und angenehme Erscheinung immer Wert zu legen. So hatte der Gesandte Allahs einen Hirten mit zerschlissener Kleidung gesehen und fragte seine Gefährten, ob dieser Mann keine andere Kleidung hätte. Die Gefährten sagten, dass er in seiner Tasche Ersatzkleider habe. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Sag ihm, er soll seine Kleidung wechseln.“ Der Gefährte, der als Hirte tätig war, zog seine saubere Kleidung an, die er dabei hatte und der Gesandte Allahs sagte: „Sieht ihn euch an! Allah soll es ihm vergelten (ihn belohnen). Ist es so etwa nicht schöner?“ Daraufhin fragte der Hirte den Gesandten Allahs (s.a.w.): „Oh Gesandter Allahs! Soll ich mich auch während einer Schlacht (auf dem Pfade Allahs) auf diese Weise bekleiden?“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) antwortete: „Ja, sogar im Kampf auf dem Pfade Allahs!“
Unser geliebter Prophet empfahl, selbst in einem Durcheinander wie dem Krieg schöne Kleidung anzuziehen, und wollte offensichtlich damit bezwecken, dass Muslime unter allen Umständen hervorstechend vorzeigbare Menschen sind mit gepflegter, ansprechender, sauberer und anständiger Erscheinung. Tatsächlich beinhalten die Befehle und Verbote des Gesandten Allahs (s.a.w.) Weisheiten und gute Zwecke, die wir zum größten Teil nicht ahnen können. Der Mann, der dem Gesandten Allahs (s.a.w.) die Frage stellte: „Oh Gesandter Allahs! Soll ich mich auch während einer Schlacht (auf dem Pfade Allahs) auf diese Weise kleiden?“, nahm an einer Schlacht teil und fiel im Krieg. Es scheint, dass der ehrenwerte Prophet wollte, dass er in schöner Kleidung vor Allah erscheint.
Auch der Gefährte Malik b. Nadla (r.a.) wurde mit einer ähnlichen Aufforderung gewarnt, als er mit unordentlicher Kleidung den Gesandten Allahs besuchte. Der Gesandte Allahs fragte ihn: „Hast du Vermögen?“ Er sagte: „Ja.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) fragte: „Was besitzt du alles?“ Malik antwortete: „Allah hat mir ein Kamel, ein Schaf, ein Pferd und Diener gegeben.“ Daraufhin sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Wenn Allah dir nun einmal Vermögen gegeben hat, so sollen die Gaben Allahs und Seine Großzügigkeit an dir zu sehen sein.“
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) kleidete sich in unterschiedlichen Farben, er hatte weiße, schwarze, grüne, rote und gelbe Kleidung angezogen. Doch er mochte es nicht, sich mit sehr auffallenden Farben zu kleiden. Die Farbe Weiß bevorzugte er am meisten und empfahl sie. Eines Tages sagte er: „Zieht eure weiße Kleidung an, denn diese ist die beste Kleidung und wickelt eure Verstorbenen auch in weiße Leichentücher.“
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) kleidete sich entsprechend den Klimabedingungen der geografischen Lage, in der sie lebten, sowie natürlich auch den Traditionen und Gewohnheiten entsprechend, sauber und schlicht und empfahl seinen Gefährten auch diese Bekleidungsweise. Die Informationen in den Hadith-Werken teilen uns mit, dass er eine Kopfbedeckung (Kappe) trug und darum ein Turban wickelte. Seine Kleidung bestand im Allgemeinen aus zwei Teilen: einem Oberteil (Oberhemd), genannt „Rida“, und einer Beinbekleidung/Hose, die als „Izar“ bezeichnet wurde. Sein Lieblingskleidungsstück war das Hemd. Doch das Hemd des Gesandten Allahs war nicht wie das Hemd, das wir heute kennen. Es war ein langes weißes Kleid für Männer, das aus Baumwolle hergestellt wurde, keinen Kragen und keine Knöpfe hatte und bis zu den Knien reichte oder noch länger war. Zu Lebzeiten des Gesandten Allahs gab es sowohl Kleider mit langen Ärmeln, die bis zu den Handgelenken reichten, als auch kürzere Kleider mit kürzeren Ärmeln. Wahrscheinlich bevorzugte der Gesandte Allahs (s.a.w.) dieses Kleidungsstück aus gesundheitlichen, klimabedingten und traditionellen Gründen, da es ein ordentliches Aussehen verlieh.
Gelegentlich zog der Gesandte Allahs (s.a.w.) über seinem Hemd eine Art „Robe/Talar“ (türk: Cübbe), „Aba“ (Überwurf meist aus Leinen) oder Strickjacke/Cardigan (türk: Hirka) an. Eines seiner Lieblingskleidungsstücke war eine Art Gewand, das im Jemen hergestellt wurde. Dieses Gewand aus Baumwolle, das für das warme Klima gut geeignet war, hatte meistens ein gestreiftes Muster. Ebenso zog er „Kaftane“ und eine Außenbekleidung aus schwarzer Wolle an. Dies zeigt, dass der Islam keine Einheitskleidung für alle Völker vorgibt, sondern je nach Klima, Tradition und Gewohnheiten unterschiedliche Kleidungsstile erlaubt. Der wichtigste Aspekt dabei ist jedoch, dass die Kleidung bequem, schön und im Rahmen der Anstandsregeln sein sollte; ebenso sollte man sich ohne jegliche Verschwendung und Hochmut kleiden.
Manche Gefährten berichten, dass er zum Gebet ein schwarzes Gewand mit Stickereien anzog. Doch da die Stickereien den Gesandten Allahs (s.a.w.) während des Gebets immer wieder ablenkten, sagte er: „Die Stickereien dieses Gewandes lenken mich ab, gib es daher Abu Dschahm und bringt mir dasselbe Gewand ohne Muster und Stickerei.“ Es wird außerdem überliefert, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) eines Tages um ein „Schalwar“ (eine weit ausgeschnittene Hose, die heute als „Haremshose“ bekannt ist) feilschte und sie danach gekauft hat. Da aber der Schalwar in der Region nicht üblich ist, wissen wir nicht genau, ob der Gesandte Allahs ihn für sich selbst oder für jemand anderen gekauft hat.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) zog den Klimabedingungen entsprechend offenen Schuhe und Schuhe in Sandalenform an. Neben den Sandalen benutzte der Gesandte Allahs (s.a.w.) auch „Mash“ (lederne Überzieh-Füßlinge, ähnlich den Mokassins). Es wäre nicht richtig, die Mash des Gesandten Allahs mit den heutigen Mash gleichzusetzen. Denn die Mash des Gesandten Allahs (s.a.w.) waren Schuhe für draußen und keine sockenartige Fußbekleidung, über die die Schuhe angezogen werden, wie wir sie heute verwenden.
Seine ein Paar schwarzen Mash, die er von Nadschaschi (r.a.), dem König von Abessinien, geschenkt bekommen hatte, zog er an, bis diese alt wurden. Die Sandalen des Gesandten Allahs (s.a.w.) waren hingegen aus gegerbtem Rindsleder. Die Sohlen waren aus einfachem oder zweifachem Leder, worauf ein Geflecht (Korb für den Vorderfuß) war. Dieses Geflecht wurde auch aus einfachem oder zweifachem Leder angefertigt. Die Sandalen hatten zudem zwei Lederriemen, die durch die Zehen geführt wurden. Diese Riemen waren vorne an die Ledersohle befestigt und oberhalb des Geflechts angenäht.
Auch bei der Bekleidung war seine Haltung und Grundprinzip, wie in allen anderen Lebensbereichen auch, nicht verschwenderisch und hochmütig zu handeln. Diesbezüglich sagte er: „Esst, spendet (gebt Sadaqa) und kleidet euch ohne Hochmut und Verschwendung.“ Mit Hochmut meinte der Gesandte Allahs (s.a.w.) eine Verhaltensweise, bei der die moralischen Prinzipien der Religion ignoriert und, verhüllt in prunkvoller Bekleidung, die Mitmenschen gering geschätzt werden.
Tatsächlich kam eines Tages ein gutaussehender Mann zum Propheten (s.a.w.) und sagte: „Oh Gesandter Allahs! Schönheit wurde mir lieblich gemacht. Wie Sie sehen können, bekam ich meinen Anteil an Schönheit. Aber ich kann es nicht ertragen, dass jemand hübscher ist als ich, selbst wenn es um die Schnürsenkel meiner Schuhe geht. Ich frage mich, ob dieses Verhalten von mir Arroganz ist? Daraufhin sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Dieses Verhalten wird nicht als Arroganz bewertet. Arroganz bedeutet, die Wahrheit auf die leichte Schulter zu nehmen und Menschen herabzuwürdigen.“
Ein anderes Mal wies der Gesandte Allahs (s.a.w.) auf das unangemessene Verhalten der Araber hin, die ihre Kaftane am Boden schleifen ließen, um damit ihren Reichtum zur Schau zu stellen, und sagte: „Allah schaut am Tag der Auferstehung diejenigen nicht an, die mit Hochmut ihre Kleider am Boden schleifen lassen.“ Abu Bakr (r.a.), der wissen wollte, ob seine Situation innerhalb des Hochmuts gewertet wird und sagte: „Oh Gesandter Allahs, wenn ich nicht Acht gebe, berührt eine Seite meines Gewandes auf jeden Fall den Boden.“ Daraufhin gab der Gesandte Allahs (s.a.w.) folgende Erklärung ab, die die Wichtigkeit der Absicht hervorhebt: „Aber du gehörst nicht zu denen, die das machen, weil sie hochmütig sind.“
Der Gesandte Allahs war auch gegen eine Bekleidung, die er als „Kleidung des Ruhms“ bezeichnete. Diese Bekleidung diente dazu, sich von den anderen Menschen zu unterscheiden und unter den Menschen aufzufallen. Auch das Anziehen geflickter Kleidungsstücke, um den Menschen zu demonstrieren, dass man auf das Weltliche keinen Wert legt, sondern die Askese und Gottesfurcht als Lebensstil verinnerlicht hat, wurde als „Kleidung des Ruhms“ bezeichnet.
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) achtete neben der Sauberkeit seiner Kleidung auch darauf, dass die Bekleidung seine Würde und Ehre nicht verletzte. Aus diesem Grund hatte er einen großen Einfluss auf seine Mitmenschen. Der Gefährte Bara b. Azib (r.a.) drückte mit folgenden Worten seine Gefühle bezüglich des Kleidungsstils des Gesandten Allahs aus: „In seinem roten Gewand und den Haaren bis zu den Schultern habe ich keinen hübscheren Menschen gesehen als den Gesandten Allahs.“ Dschabir b. Samura (r.a.) sagte: „Ich habe den Gesandten Allahs in einer Vollmondnacht in seinem roten Gewand gesehen. Mal beobachtete ich den Gesandten Allahs, mal den Mond. Der Gesandte Allahs war schöner als der Mond.“ Als Ibn Abbas (r.a.), der durch Ali (r.a.) zu einem aufständischen Volk als Bote gesandt wurde, seine schönsten Kleider anzog und sein Amt antritt, sagte das aufständische Volk zu Ibn Abbas, dass diese Bekleidung dem islamischen Kleidungsstil nicht entspreche. Ibn Abbas antwortete: „Ich habe den Gesandten Allahs (s.a.w.) mit noch schöneren Kleidern gesehen.“
Andererseits achtete der Prophet als Staatsmann besonders auf seine Kleidung. Nach dem, was Anas b. Malik (r.a.) erzählt, schickte Zu Yezen, König von Hımyer, unserem Propheten als Geschenk ein Kleid im Wert von dreiunddreißig Kamelen. Unser Prophet (s.a.w.) nahm dieses Geschenk an und antwortete mit einem Kleid im Wert von etwa zwanzig Kamelen.
Eines Tages zog der Gesandte Allahs (s.a.w.) ein goldbesticktes Gewand an, das Sa‘d b. Muadh (r.a.) ihm geschickt hatte, und hielt damit eine Predigt. Als er seine Rede beendet hatte, berührten die um ihn versammelten Menschen dieses Gewand mit ihren Händen und sagten: „Wir haben nichts Schöneres gesehen als das.“ Unser Prophet (s.a.w.) fragte: „Gefällt euch dieses Gewand?“, und klärte auf. „Wisset, dass sogar die Taschentücher von Sa‘d b. Muadh im Paradies besser und wertvoller sind als dieses Gewand!
Auch wenn es einige Gefährten gab, die aus Zuneigung und Liebe zum Gesandten Allahs (s.a.w.), sein Ess- und Trinkverhalten sowie seinen Kleidungsstil und ihn auch in anderen alltäglichen Gewohnheiten nachahmten, verhielten sich die meisten Gefährten entsprechend ihrem eigenen Geschmack und waren frei in ihren Entscheidungen. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Gewohnheiten und Entscheidungen des Gesandten Allahs bezüglich des Kleidungsstils als Teil seiner Menschlichkeit betrachtet wurden und nicht als Teil seiner Aufgabe als Prophet.
Wenn der Gesandte Allahs (s.a.w.) ein neues Kleidungsstück anzog, betete er: „Oh mein Herr, Lob sei Dir, Du hast mir dieses Kleidungsstück gegeben. Ich bitte Dich darum, dass dieses Kleidungsstück gut für mich ist und für gute Zwecke verwendet wird. Von dem Schlechten und davon, dass dieses Kleidungsstück für schlechte Zwecke verwendet wird, suche ich bei Dir Zuflucht.“ Und wenn er jemanden mit einem neuen Kleidungsstück sah, wünschte er ihm: „Möge dieses Kleidungsstück an dir alt werden.“
Andererseits überbrachte der Gesandte Allahs (s.a.w.) die gute Nachricht, dass wenn jemand die Größe zeigt, seine neu erworbenen Kleider jemandem zu geben, der sie dringender braucht, und er selbst sich mit seinen alten Kleidern zufriedengibt, dem wird Allah am Tag des Jüngsten Gerichts Schutz und Schatten gewähren.
Abdullah (r.a.), der Sohn von Umar (r.a.), wurde einst gefragt: „Wie soll ich mich kleiden?“ Abdullah antwortete: „Kleide dich so, dass dumme Menschen dich nicht verachten und kluge Menschen dich nicht tadeln.“
Denn die Kleidung hat für die Selbstachtung und die Stellung in der Gesellschaft eine sehr wichtige Rolle. Aus diesem Grund wird von Hasan (r.a.), dem Enkelsohn des Gesandten Allahs, überliefert, der Gesandte Allahs (s.a.w.) habe befohlen, „sich mit der schönsten Kleidung, die man findet, zu kleiden und die schönsten Düfte aufzutragen“, und er selbst hat sich sein Leben lang nach diesen Prinzipien gekleidet und ist somit das schönste Vorbild für uns.