11. Bölüm
11

11. Bölüm

„SOLL ICH NICHT EIN DANKBARER DIENER ALLAHS SEIN?“

Der Sohn des Abdullah b. Abbas (r.a.), des Onkels des Gesandten Allahs (s.a.w.), versuchte bereits im Kindesalter mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) viel Zeit zu verbringen, um sein Verhalten beobachten und von ihm die Glaubenspraxis lernen zu können. Da Maymuna (r.a.), die Ehefrau des Gesandten Allahs (s.a.w.), seine Tante (mütterlicherseits) war, übernachtete er manchmal bei ihnen. Als er im Alter von zehn Jahren war, sagte er: „Ich werde genau beobachten, wie der Gesandte Allahs in der Nacht sein Gebet verrichtet.“ Seine Beobachtungen schilderte er folgendermaßen: „Der Gesandte Allahs hat sich eine Weile mit seiner Familie unterhalten. Dann hat er geschlafen. Um Mitternacht oder kurz danach wachte er auf. Er strich mit seinen Händen über sein Gesicht, um hellwach zu sein. Dann hat er die letzten zehn Verse der Sure AlʿImran rezitiert. Anschließend nahm er seinen Wasserbehälter, der an der Wand hing, vollzog die rituelle Gebetswaschung (Wudhu) und stand zum Gebet auf. Ich stand auch sofort auf, wiederholte seine Handlungen und stellte mich zu seiner linken Seite zum Gebet auf. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) legte seine Hand auf meinen Kopf und zog mich zu seiner rechten Seite.“ Der kleine Abdullah (r.a.) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) in jener Nacht sechsmal zwei Gebetseinheiten und eine einzelne Gebetseinheit, d. h. insgesamt dreizehn Gebetseinheiten, verrichtet hat. Danach legte er sich auf den Boden und ruhte sich aus. Als der Muezzin zum Gebet rief, verrichtete er weitere zwei Gebetseinheiten und machte sich auf den Weg, um das Morgengebet in der Moschee vorzubeten.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) ist unser erster Wegweiser, von dem wir das Gebet gelernt haben. Jeder Gläubige hat den Wunsch, so wie er zu beten, zu fasten, die Wallfahrt so wie er zu vollziehen, den Koran so wie er zu rezitieren. Kurz gesagt: Jeder Gläubige hat den Wunsch, Allah zu dienen genauso wie der Gesandte Allahs (s.a.w.). Wie auch im Beispiel des kleinen Abdullah konnten sich die Gefährten, die wie der Gesandte Allahs (s.a.w.) Allah dienen wollten, sich nicht davon abhalten, den Gesandten Allahs (s.a.w.) während seiner Gebete zu beobachten oder diesbezüglich Fragen zu stellen. So hatte auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) gesagt: „Betet genauso, wie ihr mich beten gesehen habt.“ „Beobachtet mich und lernt auf diese Weise die Pflichten der Wallfahrt.“

Auch der junge Gefährte Zayd b. Halid (r.a.) war einer von denjenigen, die sich für das nächtliche Gebet des Gesandten Allahs (s.a.w.) sehr interessierten. Während einer Reise hatte er endlich die Gelegenheit gefunden, den Gesandten Allahs (s.a.w.) vom Eingang des Zeltes aus zu beobachten, während er im Zelt betete. Auch Wabisa b. Maʿbad (r.a.), einer der zehn Personen aus dem Stamm der Söhne des Asad (Bani Asad), die im neunten Jahr nach der Auswanderung (Hidschrah) den Islam angenommen hatten und nach Medina gekommen waren, um den Islam zu lernen, interessierte sich für die nächtlichen Gebete des Gesandten Allahs. Eines Tages beobachtete er den Gesandten Allahs (s.a.w.) während des Gebets. Er beschrieb die Art und Weise, wie er betete, folgendermaßen: „Wenn er sich mit dem Oberkörper verneigte, hielt er seinen Rücken so gerade, dass Wassertropfen von dort nicht herabfließen würden.“

Es war der Lebensstil des jungen Gefährten Ibn Umar (r.a.), jede einzelne Verhaltensweise des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu beobachten und zu überliefern. Er selbst achtete sehr darauf, sich bei Gottesdiensten wie der Gesandte Allahs zu verhalten. Aus diesem Grund heißt es in vielen Überlieferungen: „Ibn Umar machte dies und das, er betete so und so.“ Diese Aussagen beschreiben tatsächlich auf indirekte Weise das Verhalten und das Gebet des Gesandten Allahs.

Auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) selbst erzählte ihnen von seinen Gottesdiensten. Sahl b. Saʿd (r.a.) überliefert, er habe gesehen, dass der Gesandte Allahs eine Frau aus den Reihen der Ansar darum bat, dass ihr Diener, der den Beruf des Schreiners hatte, ihm eine Gebetskanzel aus Tamariske herstellt. Als die Gebetskanzel fertig war, verrichtete er auf ihr ein Gebet mit zwei Gebetseinheiten und sagte zu den Menschen: „Oh ihr Menschen! Diese Gebetskanzel habe ich machen lassen, damit ihr mir folgt und seht, wie ich bete.“

Eine andere Jugendgruppe aus sechs Personen aus dem Stamm der Söhne von Lays (Bani Lays) kamen zum Gesandten Allahs (s.a.w.), um den Islam näher kennenzulernen und blieben etwa zwanzig Nächte bei ihm. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte zu ihnen: „Betet genauso, wie ihr mich beten gesehen habt. Sobald die Gebetszeit eintritt, soll einer von euch den Gebetsruf (Adhan) ausrufen. Die älteste Person unter euch soll das Gebet vorbeten.“ So verrichtete Malik b. Huwayris (r.a.) mit dem Ziel, den Menschen das Gebet des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu zeigen, in einer Moschee in Basra – seinem Wohnort – ein Gebet.

Das Gebet, das der Gesandte Allahs (s.a.w.) „mein Augenlicht“ nannte, hatte im Leben des Propheten eine besondere Stellung. Wie die vorherigen Propheten war auch er, neben der Weiterleitung und Ausbreitung der göttlichen Botschaft, mit der Verrichtung des Gebets beauftragt worden. Der Sklave namens Zayd b. Harisa (r.a.), dem der Gesandte Allahs (s.a.w.) die Freiheit schenkte, den er wie seinen eigenen Sohn liebte, überlieferte, dass in den Anfängen der Offenbarung der Erzengel Gabriel (a.s.) kam und die rituelle Gebetswaschung sowie das Gebet zeigte. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) und die Muslime verrichteten am Anfang das Gebet mit nur zwei Gebetseinheiten. Da die Unterdrückung der Muslime durch die Beigeseller (Muschrikun) in Mekka andauerte, rezitierten sie den heiligen Koran während ihres Gebets sehr leise. Sie bevorzugten für ihre Gebete abgelegene Orte. In dieser Phase der Unterdrückung der Muslime haben sich die Beigeseller nicht gescheut, den Gesandten Allahs, der in der Nähe der Kaaba sein Gebet verrichtete, anzugreifen. So kam es sogar dazu, dass ein Beigeseller namens Uqba b. Abi Muʿayt den Gesandten Allahs ersticken wollte. Durch das Eingreifen des Abu Bakr (r.a.) konnte der Gesandte Allahs (s.a.w.) gerettet werden.

In dieser für die Muslime schwierigen Phase wurden die ersten Verse der Sure al-Muzzammil offenbart, die das Gebet der Nacht (Tahaddschud) als Pflichtgebet auferlegten. Daraufhin verrichteten der Gesandte Allahs (s.a.w.) und die Muslime ein Jahr lang das Gebet der Nacht. Zwölf Monate später offenbarte Allah Ta´ala die letzten Verse derselben Sure, die eine Erleichterung für die Muslime war. Dieser Vers wandelte das Gebet der Nacht, das verpflichtend war, in ein freiwilliges Gebet um. Doch Allah Ta´ala beließ für Seinen Gesandten das Gebet der Nacht sein Leben lang als Pflichtgebet.

Das tägliche Gebet, das fünfmal am Tag verrichtet wird, wurde etwa eineinhalb Jahre vor der Auswanderung von Mekka nach Medina (Hidschrah) in der Nacht der Himmelfahrt (Miradsch) als Pflichtgebet auferlegt. Die Art und Weise des Betens und der Gebetsablauf wurden dem Gesandten Allahs (s.a.w.) von Gabriel (a.s.) beigebracht. Dadurch erhöhte sich die Anzahl der Gebete, die vorher mit zwei Gebetseinheiten verrichtet wurden, auf vier Gebetseinheiten. Auf eine Frage nach den freiwilligen Gebeten und den Gebeten, die außer den Pflichtgebeten vom Gesandten Allahs (s.a.w.) verrichtet wurden, antwortete Aischa (r.a.) folgendermaßen: „Vor dem Mittagsgebet betete der Gesandte Allahs in meinem Haus ein (freiwilliges) Gebet mit vier Gebetseinheiten, danach betete er das gemeinschaftliche Gebet in der Moschee vor. Wenn er (danach) nach Hause kam, betete er ein weiteres (freiwilliges) Gebet mit zwei Gebetseinheiten. Er betete das gemeinschaftliche Abendgebet in der Moschee vor und als er (nach Hause) kam, betete er ein weiteres (freiwilliges) Gebet mit zwei Gebetseinheiten. Er betete das gemeinschaftliche Nachtgebet vor und betete (zu Hause) ein weiteres (freiwilliges) Gebet mit zwei Gebetseinheiten … (In der Früh) im Morgengrauen betete er zwei weitere (freiwillige) Gebetseinheiten.“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) legte großen Wert auf das Gebet der Nacht. Aischa (r.a.) beschreibt seine Gebete folgendermaßen: „Fragt nicht nach der schönen Art und der Länge seiner Gebete!“ Das Witr-Gebet verrichtete er stets nach den nächtlichen Gebeten. Er wachte in der Nacht auf, putzte seine Zähne, vollzog die rituelle Gebetswaschung und betete samt dem Witr-Gebet manchmal dreizehn, manchmal elf oder fünf Gebetseinheiten. Wenn er in der Nacht nicht aufwachen oder aufgrund seiner Schmerzen nicht aufstehen und das Gebet der Nacht verrichten konnte, betete er stattdessen in der Frühe zusätzliche zwölf Gebetseinheiten.“ Aischa (r.a.) beschreibt die nächtlichen Gebete (Tahaddschud) des Gesandten Allahs folgendermaßen: „Mir ist nicht bekannt, dass der Gesandte Allahs jemals den heiligen Koran in einer Nacht von Anfang bis Ende rezitiert oder von Mitternacht bis zum Morgengrauen gebetet oder außer im Monat Ramadan einen Monat lang durchgehend gefastet hätte.“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) blieb während seines Nachtgebets so lange stehen, dass seine Füße anschwollen. Er bevorzugte während des Gebets eine lange und deutliche Koranrezitation. Manchmal kam es sogar vor, dass er die ganze Nacht einen einzigen Vers wiederholte und auf diese Weise sein Gebet vervollständigte. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hielt die Gebetsposition der Niederwerfung so lange, dass andere Personen währenddessen fünfzig Verse aus dem heiligen Koran hätten rezitieren können. In manchen Nächten verrichtete er seine Gebete lang und im Stehen, wobei er auch manchmal seine Gebete im Sitzen verrichtete. Wenn er den edlen Koran im Stehen rezitiert hatte, verrichtete er die weiteren Gebetsabläufe wie die Verbeugung (Ruku´) und die Niederwerfung (Sadschdah) von dieser stehenden Position aus und wenn er den edlen Koran im Sitzen rezitiert hat, verrichtete er die weiteren Gebetsabläufe wie die Verbeugung und die Niederwerfung von der sitzenden Position aus. Als sein Ableben nahte, verrichtete er die freiwilligen Gebete nur im Sitzen. So hatte er sich beispielsweise in der Moschee eine stockartige Stütze angelegt. Auch als er vom Pferd gefallen und an seiner rechten Körperseite verletzt worden war, musste er eine Zeit lang die Gebete im Sitzen vorbeten.

Schon bevor das Fasten als Fardh (Pflicht) vorgeschrieben wurde, fastete er in Mekka am zehnten Tag des Monats Muharram, also am Tag der Aschura. Auch in der vorislamischen Epoche der Unwissenheit (Dschahiliyyah) fasteten die Quraysch an diesem Tag. Auch nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Medina ausgewandert war, führte er das Fasten an diesem Tag fort. Als er erfahren hatte, dass die Juden aus Medina, dem Propheten Moses (a.s.) folgend, an diesem Tag fasteten, sagte er: „Wir haben (bezüglich Moses zu folgen) ein größeres Recht, und wir stehen ihm näher.“ So forderte er die Muslime auf, am Tag der Aschura zu fasten. Doch im zweiten Jahr nach der Auswanderung wurde das Fasten im Monat Ramadan vorgeschrieben, weshalb die Entscheidung bezüglich des Fastens am Tag der Aschura nun den Menschen selbst überlassen wurde.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat insgesamt neunmal den Monat Ramadan fastend verbracht. Der Erzengel Gabriel (a.s.) kam in jeder Nacht des Fastenmonats Ramadan zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und rezitierte ihm die Verse aus dem edlen Koran, die bis zu diesem Zeitpunkt offenbart worden waren. Die Tradition der Muqabala (gegenseitige Koranrezitation) geht auf diese Begebenheit zurück. Später verbrachte der Gesandte Allahs seine Ramadan-Nächte damit, ein nur für den Monat Ramadan bestimmtes freiwilliges Gebet zu verrichten, welches „Salat al-Tarawih“ genannt wird. In Nächten des Ramadans, in denen er die Vermutung hatte, dass sie „die Nacht der Bestimmung“ (Laylatal-Qadr) sein könnten, konzentrierte er sich umso mehr auf seine Gebete und munterte auch seine Familienmitglieder dazu auf.

So hatte er einmal gegen Ende des Monats Ramadan zwei Tage durchgängig gefastet, ohne das Fasten dazwischen zu brechen (Wisal-Fasten). Als er allerdings erfahren hatte, dass einige seiner Gefährten auch auf diese Weise fasteten, erklärte er ihnen, dass diese Art des Fastens nur für ihn erlaubt sei. In den letzten zehn Tagen des Ramadans zog sich der Gesandte Allahs (s.a.w.) in die Moschee zurück und beschäftigte sich ausschließlich mit Gebet und Andacht. Nur in einem Jahr hatte er das Zurückziehen in die Moschee (Itiqaf) ausgelassen. Im Jahr, in dem er verstarb, zog er sich nicht nur für zehn, sondern für zwanzig Tage zurück. In jenem Jahr hatte er dem Erzengel Gabriel (a.s.) im Monat Ramadan den gesamten Koran zweimal rezitiert.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wies darauf hin, dass freiwillige Gaben (Sadaqa) im Monat Ramadan eine besondere Bedeutung haben, weshalb auch seine Freigiebigkeit in diesem Monat den Höhepunkt erreichte.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) strengte sich an, außer dem vorgeschriebenen Fasten im Monat Ramadan freiwillig in den Monaten Muharram (Aschura-Tag), Schaban und Radschab zu fasten. Allerdings hat er außer im Monat Ramadan in keinem Monat durchgängig gefastet. Die Überlieferungen, die aussagen, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) einen gesamten Monat gefastet hat, sollte man so verstehen, dass er einen Großteil des Monats gefastet hat.

Außerdem fastete der Gesandte Allahs (s.a.w.) sechs Tage im Monat Schawwal, jeweils am dreizehnten, vierzehnten und fünfzehnten Tag jeden Monats des Mondkalenders, die „Ayyamal-bid“ bezeichnet werden, und neun Tage im Monat Dhu´l Hiddschah. Es wird überliefert, dass er am neunten Tag, am Tag der Arafa, nicht gefastet hat, damit es (während des Pilgerns) nicht anstrengend wird und er sich körperlich nicht schwach fühlt. Er bevorzugte es, jeden Montag und Donnerstag zu fasten. Es kam auch vor, dass er in einem Monat jeden Samstag, Sonntag und Montag fastete und im nächsten Monat jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Weshalb er insbesondere das Fasten am Montag bevorzugte, begründet er folgendermaßen: „Ich bin an einem Montag geboren und habe die erste Offenbarung an einem Montag erhalten.“

Die Almosensteuer (Zakah) ist einer der Gottesdienste, die nach der Auswanderung von Mekka nach Medina vorgeschrieben wurden. Allah, Der Erhabene, hatte bereits mehreren Seinen Gesandten befohlen, die Almosensteuer zu entrichten. Neben den allgemeinen Regelungen der Almosensteuer, die Allah Ta´ala eingeführt hat, hat auch der Gesandte Allahs (s.a.w.), die Offenbarung und die soziale und wirtschaftliche Stellung der Gemeinschaft vor Augen haltend, Bestimmungen festgelegt. Er hat die Gläubigen gelehrt, wer die Almosensteuer bekommt, von welchen Gütern Almosensteuer entrichtet werden muss, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, welche Höhe die Steuer hat und welche ethisch-moralischen Aspekte dabei beachtet werden sollen. Er hat die Menschen dazu motiviert, ihre Almosensteuer zu entrichten, und diejenigen, die sie nicht entrichteten, hatte er zu unterschiedlichen Anlässen gewarnt. Auf der anderen Seite bestimmte Allah, Der Erhabene, den fünften Teil der Kriegsbeute für den Gesandten Allahs (s.a.w.) und seine nahen Verwandten. Aufgrund der charakterlichen Eigenschaften, der politischen und religiösen Sensibilität nahmen weder der Gesandte Allahs (s.a.w.) noch seine Familienangehörigen Almosensteuer oder Sadaqa-Gaben an.

Im neunten Jahr nach der Auswanderung von Mekka nach Medina schrieb Allah Ta´ala mit folgendem Vers den Muslimen die Pilgerfahrt (Hadsch) vor: „Und der Menschen Pflicht gegenüber Allah ist die Pilgerfahrt zum Hause, wer immer dazu in der Lage ist.“ Da aber in jenem Jahr die Beziehung zwischen den Muslimen und den Polytheisten gespannt war, konnte der Gesandte Allahs (s.a.w.) im ersten Jahr die Wallfahrt nicht vollziehen. Doch im darauffolgenden Jahr vollzog er die Pilgerfahrt gemeinsam mit seinen Gefährten. Allerdings sollte seine erste Pilgerfahrt gleichzeitig seine letzte sein. Drei Monate nach der Abschiedspilgerfahrt ging er zu seinem Schöpfer, Den er „mein erhabenster Freund“ nannte.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) vollzog vier Mal in seinem Leben die Umrah (kleiner Hadsch und das Pilgern außerhalb der Pilgersaison). Außer der Umrah, die er mit seiner Wallfahrt verband, führte er die anderen drei Umrah im Monat Dhu´l Qadah durch. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) vollzog nach der Rückkehr von Hudaybiya, ein Jahr nach der Rückkehr von Hudaybiya, nach dem Verteilen der Kriegsbeute von Hunayn, die in Dschiʿrana stattfand, und gemeinsam mit der Abschiedswallfahrt insgesamt viermal die Umrah.

Auch das Schlachten eines Opfertiers ist ein Gottesdienst, der seit Abraham (a.s.) fortgeführt wird, weshalb es für den Gesandten Allahs (s.a.w.) eine besondere Stellung hatte. Wenn der Gesandte Allahs ein Tier opfern wollte, kaufte er zwei kräftig gebaute Schafböcke mit Hörnern. Einen davon schlachtete er im Namen seiner Religionsgemeinschaft (Ummah), die die Einheit und Einzigkeit Allahs bezeugt und ihn als Gesandten Allahs annimmt, den zweiten Schafbock schlachtete er in seinem Namen und im Namen seiner Familie. Er mahnte die Menschen, das Opfertier auf die beste Art und Weise wie vorgeschrieben zu schlachten und ihm keine Angst einzuflößen und es nicht zu quälen. Er selbst pflegte das Messer vor dem Schlachten zu schleifen, damit das Schlachten schneller und einfacher durchgeführt werden konnte.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) betete die Festtagsgebete auf einer großen und offenen Fläche vor, die „Musalla“ bezeichnet wird, wobei er zunächst das Festtagsgebet vorbetete und anschließend die Festtagspredigt (Hutba) hielt.

Die Koranrezitation ist ein wichtiger Bestandteil der Gebete, hat aber gleichzeitig auch als eigenständiges Gebet eine besondere Stellung. Dieses heilige Buch war ihm entsandt worden, weshalb er sein ganzes Leben darauf verwendete, den edlen Koran zu lesen und ein Leben gemäß dem Koran zu führen. Der heilige Koran ist das wichtigste Wunder des Gesandten Allahs (s.a.w.). Der Gesandte Allahs las jeden Tag regelmäßig ein Kapitel (Hizb) aus dem Koran und versuchte, so gut wie möglich diese Gewohnheit nicht auszulassen. Er wartete nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt und suchte nicht nach einem bestimmten Ort, sondern rezitierte den Koran zu jedem Zeitpunkt und in jedem Ort. Außer dem Zustand der Unreinheit (Dschanabah) gab es kein Hindernis für die Koranrezitation. Während der Koranrezitation verlängerte er die Buchstaben, die verlängert werden mussten, legte nach jedem Vers eine kurze Pause ein und rezitierte den edlen Koran sehr klar und deutlich. Die Menschen, die dem Gesandten Allahs (s.a.w.) beim Rezitieren des Korans zuhörten, bewunderten seine Stimme und Rezitation. Der Gesandte Allahs mochte es auch, anderen Personen beim Rezitieren des edlen Korans zuzuhören, und konnte manchmal seine Tränen nicht halten.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) war ein Mensch, der sich seiner Aufgabe als Diener Allahs am besten bewusst war. So kam es durchaus vor, dass auch er manches vergaß, sich irrte oder manches nicht schaffte. Beispielsweise waren er und seine Gefährten nach der Rückkehr von einer Schlacht so müde, dass sie das Morgengebet (Fadschr) verpassten. Ein anderes Mal verwechselte er während des Gebets die Verse aus dem heiligen Koran. Auch irrte er sich ein anderes Mal in der Anzahl der Gebetseinheiten oder musste wegen starken Hustens die Koranrezitation abbrechen und ging in die Gebetsposition der Verbeugung (Rukuʿ) über. Das gottesdienstliche Leben war aufgrund der menschlichen Eigenschaften des Gesandten Allahs (s.a.w.) für die anderen Menschen praktizierbar und konnte zum Vorbild genommen werden. Aus diesem Grund wies er diejenigen, die ihn nur als Gesandten Allahs (s.a.w.) ansahen und hoffnungslos: „Wo steht er und wo stehen wir?“, sagten, auf den Sinn der Gottesdienste hin und empfahl ihnen, ihn zum Vorbild zu nehmen.

Während der Gottesdienste gab es bestimmte Grundprinzipien, an die sich der Gesandte Allahs (s.a.w.) hielt. Die Aufrichtigkeit im Glauben (Ichlas) und Innigkeit kamen dabei an erster Stelle. Demnach sind Gottesdienste nur zum Wohlgefallen Allahs zu verrichten und die Belohnung ist auch nur von Allah Ta´ala zu erwarten. Für die aufrichtigen Personen im Glauben, die ihre Gottesdienste so durchführen, „als würden sie Allah sehen“, gibt es eine Freudenbotschaft vom Gesandten Allahs (s.a.w.): „Wer Allah aufrichtig und Ihm ohne jegliche Beigesellung dient, das Gebet verrichtet und die Almosensteuer entrichtet, wird Seine Zufriedenheit erlangen und auf diese Weise das Diesseits verlassen.“

Ichlas, die Aufrichtigkeit, versetzt den Menschen in tiefe innere Ruhe und in ein absolutes Glücksgefühl. Abdullah b. Schihhir (r.a.), der den Gesandten Allahs (s.a.w.) eines Tages während des Gebets beobachtete, beschreibt die Konzentration des Gesandten Allahs folgendermaßen: „Ich habe den Gesandten Allahs während des Gebets gesehen. Durch das ständige Weinen kam aus seinem Brustkorb ein Geräusch wie aus einer Mühle.“ In einer anderen Überlieferung wird dies folgendermaßen dargestellt: „Aus dem Brustkorb des Gesandten Allahs hörte man aufgrund des Weinens Laute, die dem Geräusch eines kochenden Topfes ähnelten.“ Da das Gebet eine Kommunikation mit dem Schöpfer ist, ließ es den Gesandten Allahs alle Sorgen vergessen. Möglicherweise hat der Gesandte Allahs aus diesem Grund in schwierigen Situationen sich zum Gebet gewandt. Wenn er in seinem Herzen eine Enge spürte, bat er Allah Ta´ala täglich hundertmal um Vergebung.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sprach zu jedem Anlass Bittgebete und forderte auch seine Gefährten dazu auf. So sagte er: „Ein jeder von euch soll Allah um die Deckung jegliche seiner Wünsche und Bedürfnisse bitten, bis hin zu seinen Schnürsenkeln!“ Er betete zunächst für sich selbst, hielt aber den Umfang seiner Bittgebete weitläufig. Sein häufigstes Bittgebet lautete folgendermaßen: „Oh unser Herr! Gib uns sowohl im Diesseits als auch im Jenseits Gutes und beschütze uns vor der Bestrafung in der Hölle.“ Auch nach dem Verrichten seiner Gebete sprach er Bittgebete. Nach dem Gruß (as-Salam) am Ende des Gebets bat er Allah Ta´ala gelegentlich dreimal um Vergebung und sagte anschließend: „Oh Allah! Du heißt as-Salam (Du bist der Friede). Die Sicherheit und die Geborgenheit sind von Dir. Oh Besitzer der Macht und der Gaben! Du bist der Segen.“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) wies die Menschen darauf hin, die Gottesdienste nicht zu übertreiben, sondern machte sie darauf aufmerksam, wie er, den Weg der Mitte und der Regelmäßigkeit zu verfolgen. Wenn er eine Entscheidung treffen musste, entschied er sich – solange es keine Sünde war – für die einfachere Möglichkeit. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) brachte den Menschen sowohl die Ober- als auch die Untergrenzen der Gottesdienste bei, auch wie sie in welchen Situationen ihre Gottesdienste erleichtert verrichten können. Auch er selbst nutzte im Falle der Reisen oder Krankheiten die Erleichterungsmöglichkeiten der Gottesdienste.

Die Grundlage der freiwilligen Gebete, wie das Gebet der Nacht (Tahaddschud) war der Gedanke und Wunsch, „ein dankbarer Diener zu sein“. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) diente Allah Ta´ala nicht, damit seinen Sünden vergeben wird oder aus Zwang, sondern nur, um seinem Schöpfer zu danken. Erstaunlich dabei ist, dass manche Menschen, die die Gottesdienste vom Gesandten Allahs (s.a.w.) gelernt haben, gleichzeitig seine Gottesdienste als zu gering betrachteten, obwohl er sich sein Leben lang bemüht hat, „ein dankbarer Diener zu sein“. So entschieden sich manche Personen dafür, ihr gesamtes Leben nur den Gottesdiensten zu widmen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) warnte sie davor und sagte, dass sogar er als Gesandter Allahs seinen alltäglichen Aufgaben nachgeht, sich von der Realität des Diesseits nicht abwendet, und dass dieser Weg der Mitte seinem Weg entspricht, den er weiterempfiehlt.

Die Basis der Handlungen und Worte des Gesandten Allahs (s.a.w.) war der Gedanke der „Ubudiyyah“, also das Bewusstsein, ein Diener Allahs zu sein. Aus diesem Grund werden nicht nur bestimmte Gottesdienste wie das Gebet, das Fasten, die Wallfahrt und das Almosen-Geben zu den Gottesdiensten gezählt, sondern auch alle Handlungen und Taten, die gegenüber Allah Ta´ala, den Menschen und der Gesellschaft ein Zeichen der Treue darstellten. Das Aufheben eines Steines, der auf dem Weg liegt, jemandem beim Besteigen des Reittieres Hilfe zu leisten, jeder Schritt zum Gebet und jedes schöne Wort sind Wohltaten (Sadaqa). Auch das Lächeln, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren und einem Fremden oder einer Person, die sich verlaufen hat, zu helfen, zählt als Sadaqa. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jede gute und angemessene Handlung, die mit dem Bewusstsein, Allah Ta´ala zu dienen und Seine Zufriedenheit zu erlangen, durchgeführt wird, als Sadaqa gilt.

Diejenigen, die zur Gruppe der, „Männer, die weder Handel noch Geschäft abhält von dem Gedenken an Allah und der Verrichtung des Gebets und dem Entrichten der Steuer“, gehören und im Stress des Alltags, das Lob Allahs erlangen wollen, sollten folgendes Bittgebet, das der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach jedem Gebet zu lesen empfohlen hat, nicht außer Acht lassen: „Oh Allah, hilf mir dabei, Dich zu lobpreisen, Dir zu danken und Dir gut zu dienen!“