10. Bölüm
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10. Bölüm

DER GEFÜHLVOLLE UND EMPFINDSAME PROPHET

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) verabschiedete Kasim und Abdullah, seine beiden Söhne von seiner Frau Khadidscha (r.a.), in Mekka in das ewige Leben, als sie noch kleine Kinder waren. Nach dem Tod (Khadischas (r.a.)) bekam er einen Sohn von Mariya, der Sklavin, die ihm vom ägyptischen Herrscher (Muqawqis) als Geschenk gesandt wurde. Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der diese frohe Botschaft bekommen hatte, sagte: „Heute Abend ist mein Sohn auf die Welt gekommen, ich habe ihn nach meinem Großvater, dem Propheten Abraham (a.s.), benannt.“ Er wünschte sich, dass sein Sohn wächst und seine Abstammungslinie fortführt. Der neugeborene Ibrahim wurde der Milchmutter Ummu Sayf gegeben, der Ehefrau des Schmiedes namens Baraʾ b. Aws, die außerhalb von Medina lebten. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) ging regelmäßig seinen Sohn besuchen, küsste und schmuste ihn und verbrachte eine schöne Zeit mit ihm.

Damit sich Mariya und Ibrahim ausgewogen ernähren konnten, hatte der Gesandte Allahs (s.a.w.) ihnen die Milch von Kamelen und Schafen zur Verfügung gestellt. Durch die gute Ernährung verbesserte sich das Hautbild Ibrahims, seine Haut wurde heller und er ähnelte allmählich seinem Vater. Er war nun siebzehn oder achtzehn Monate alt und sehr niedlich, als er eines Tages plötzlich erkrankte. Der Gesandte der Barmherzigkeit, der diese Nachricht bekommen hatte, machte sich gemeinsam mit seinem Freund Abdurrahman b. Awf (r.a.) auf den Weg zu seinem Sohn. Der Zustand Ibrahims hatte sich sehr verschlechtert und er näherte sich dem Tod. Die Augen des Gesandten Allahs (s.a.w.), der sehr barmherzig und liebevoll gegenüber Kindern war, tränten. Die Gefährten, die den Gesandten Allahs (s.a.w.) weinen sahen, sagten erstaunt: „Oh Gesandter Allahs! Weinst du etwa? Die Muslime, die dich weinen sehen, werden sicherlich auch weinen!“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) antwortete: „Die Augen tränen und das Herz trauert. Doch trotzdem sagen wir nur das, was unserem Herrn gefällt.“ Als dann Ibrahim verstarb, sagte er: „Wenn es kein alles umfassendes Wort und keinen zu gehenden Pfad gäbe und wenn sich diejenigen, die diese Welt später verlassen, mit denen, die sie vorher verlassen haben, nicht vereinen würden, so hätten wir jetzt andere Gedanken im Kopf. Oh Ibrahim! Wir sind über deinen Tod wirklich sehr traurig.“

Dann sagte der Prophet der Barmherzigkeit zu seinen Freunden: „Hüllt meinen Sohn nicht in das Leichentuch ein, bevor ich ihn nicht (ein letztes Mal) gesehen habe!“ Nachdem Ibrahim gewaschen wurde und mit dem Leichentuch umwickelt werden sollte, kam der Gesandte Allahs (s.a.w.), umarmte ihn und weinte erneut.

Die Gefährten hatten gedacht, dass das Verbot – die Verstorbenen wehklagend und lautstark zu beweinen und sich die Kleider vom Leibe zerreißend zu trauern oder Klagelieder zu singen -, das der Gesandte Allahs verhängt hatte, auch das stille Weinen mit einschließt. Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der den Menschen stets die Geduld predigte und sie davor warnte, sich nicht über das göttliche Schicksal zu beklagen, sollte nach Erwartung der Gefährten, nicht einmal beim Todesfall seines eigenen Sohnes weinen, sondern, ohne eine einzige Träne zu vergießen, den Tod mit Geduld akzeptieren. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) aber zeigte in diesem Fall an erster Stelle als Mensch und mit der Güte eines Vaters seine Trauer nach außen und lehrte zugleich seine Gemeinschaft, wie sie sich nach dem Tod einer geliebten Person zu verhalten hat. Mit seinem Verhalten zeigte er, dass sowohl die Trauer als auch das Weinen in Maßen gehalten werden müssen.

Ja, der Gesandte Allahs (s.a.w.) weinte, denn er war ein Mensch und hatte Gefühle. Er war ein Vater und trug Barmherzigkeit in seinem Herzen. Auch er hatte ein Herz, das schmerzen konnte. Er hatte Augen, er wurde emotional und konnte manchmal seine Tränen nicht halten. Er war ein Prophet, er war der Prophet der Barmherzigkeit und er hatte ein Herz voller Güte.

Eine ähnliche Situation erlebte der Gesandte Allahs (s.a.w.) ein zweites Mal nach dem Tod seiner Enkeltochter Umayma, welche die Tochter von Zaynab (r.a.) war. Der Gesandte Allahs (s.a.w.), der mit einer unendlichen Barmherzigkeit eines Großvaters um seine Enkelin weinte, versuchte auf der anderen Seite seine Tochter Zaynab und die anderen Verwandten zu trösten. Er sagte: „Allah ist sowohl der Nehmende als auch der Gebende. Alles hat eine bestimmte Zeit!“ Er fügte hinzu: „Dies (das Weinen) ist eine Barmherzigkeit. Allah setzt die Barmherzigkeit in die Herzen seiner Diener, die er auswählt. Allah ist barmherzig gegenüber diejenigen, die barmherzig sind!“

Der Prophet der Barmherzigkeit, ein gefühlvoller Mensch, vergoss nicht nur um seinen eigenen Sohn oder seine eigene Enkeltochter Tränen, sondern auch um seine Gefährten. Beispielsweise wurden seine Wangen mit Tränen nass, als er den Leichnam seines Freundes Uthman b. Mazʿun (r.a.), der viele Gottesdienste geleistet hatte, küsste. Abdullah b. Umar (r.a.) überliefert, der Gesandte Allahs (s.a.w.) habe eines Tages gemeinsam mit seinen Freunden den Gefährten Saʿd b. ʿUbada (r.a.), der krank war, zu Hause besucht. Als sie in Saʿds Zimmer traten, sahen sie die ganze Familie um Saʿd herum sitzen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) fragte: „Ist Saʿd verstorben?“ Sie sagten: „Nein, oh Gesandter Allahs, er ist nicht verstorben.“ Dennoch wurde der Gesandte Allahs (s.a.w.) in jenem Moment sehr emotional und fing an zu weinen. Diejenigen, die den Gesandten Allahs (s.a.w.) weinen sahen, konnten ebenfalls ihre Tränen nicht halten.

Hinter den Tränen des Gesandten Allahs (s.a.w.), die seine Gefühle widerspiegelten, lagen manchmal Trauer, manchmal Barmherzigkeit oder Sehnsucht und manchmal Sorge und Angst um seine Gemeinschaft. Abdullah b. Amr (r.a.), einer der Freunde des Gesandten Allahs (s.a.w.), überliefert, dass sich zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.w.) eine Sonnenfinsternis ereignete. Als der Gesandte Allahs zum Gebet aufstand, standen auch die Gefährten auf und beteten hinter ihm. In beiden Gebetseinheiten (Rak´ah) des rituellen Gebets hat er sowohl das Stehen (Qiyam), die Verbeugung (Rukuʿ) als auch die Niederwerfungen (Sudschud) etwas in die Länge gezogen. Während der Niederwerfung der zweiten Gebetseinheit atmete er tief ein und aus und weinte gleichzeitig. Dabei sagte er: „Oh Allah, Du hast mir dies nicht angekündigt, solange ich unter ihnen bin! Du hast es mir nicht angekündigt, solange wir Dich um Vergebung bitten (ich bin unter ihnen und wir bitten Dich um Vergebung. Zerstöre uns nicht in einer solchen Situation!).“ Als sein Gebet zu Ende war, hob er seinen Kopf hoch, die Sonne war inzwischen wieder gelichtet. Danach stand er auf und hielt seiner Gemeinschaft eine Predigt. Nach der Lobpreisung Allahs fuhr er folgendermaßen fort: „Die Sonne und der Mond sind jeweils eines der Zeichen Allahs, (die auf das Wesen, die Einheit und Einzigkeit Allahs hindeuten). Sobald ihr eine Sonnen- oder Mondfinsternis beobachtet, eilt zum Gebet und gedenkt Allahs. Bei Allah, Der meine Seele in Seinen Händen hält, mir wurde das Paradies so nahe gebracht, dass ich fast seine Früchte pflücken konnte. Und auch die Hölle wurde mir so nahe gebracht, dass ich fürchtete, dass euch das Feuer von allen Seiten umgibt, und ich habe sofort bei Allah Zuflucht gesucht.“

Neben seiner Rolle als Vater hatte er auch die Rolle des Gesandten Allahs. Da manche Personen zwischen der Sonnenfinsternis, die sich am Todestag Ibrahims ereignete, und dem Tod Ibrahims einen Zusammenhang herstellten, hielt er es wahrscheinlich für notwendig, solch eine Rede zu halten. Dabei betonte er Folgendes: „Die Sonnen- oder Mondfinsternis ereignet sich nicht aufgrund der Geburt oder des Todes einer Person.“

Es wurde beobachtet, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.), wie jeder Mensch auch, manchmal aufgeregt und gestresst sein konnte. Asma (r.a.), die Tochter von Abu Bakr (r.a.), berichtet, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) aufgrund der Sonnenfinsternis äußerst gestresst war und in seiner Eile versehentlich das Gewand seiner Ehefrau angezogen hatte. Als sie dies bemerkt hatten, brachten sie ihm sofort sein Gewand.

An bewölkten oder stürmischen Tagen war der Gesandte Allahs (s.a.w.) sehr besorgt, wobei man seine Besorgnis an seinem Gesicht erkennen konnte. Eines Tages sagte Aischa (r.a.): „Oh Gesandter Allahs! Wenn es bewölkt ist, freuen sich die Menschen in der Hoffnung, dass es regnen wird. Doch an deinem Gesicht lese ich an bewölkten Tagen Betrübnis heraus!“ Daraufhin sagte er: „Oh Aischa! Wer kann mir garantieren, dass sich hinter diesen Wolken keine Strafe verbirgt? So wurde ein Volk (das Volk Ad) mit einem Wind vernichtet. Sie hatten (eigentlich) die Strafe kommen sehen, doch sagten sie hoffnungsvoll: ‚Das ist eine Wolke, die uns Regen bringen wird!‘“

Anas b. Malik (r.a.) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) der schönste, freigebigste und zugleich mutigste Mensch war. Eines Nachts wachte das Volk von Medina mit einem gewaltigen Geräusch auf, das den Menschen Angst einflößte. Diejenigen, die in die Richtung gingen, aus der das Geräusch kam, sahen den Gesandten Allahs (s.a.w.), der bereits vor ihnen gegangen war, aus dieser Richtung zurückkehren. Er saß ohne Sattel auf dem Pferd des Abu Talha (r.a.), sein Schwert war angelegt und er sagte: „Habt keine Angst! Habt keine Angst!“

Auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) konnte manchmal besorgt sein und brauchte Schutz. In solchen Momenten beschützten ihn seine Gefährten. Beispielsweise konnte er in einer Nacht in Medina nicht schlafen und sagte: „Wenn doch ein guter Mann von meinen Gefährten mich in dieser Nacht beschützen könnte!“ Daraufhin kam Saʿd b. Abi Waqqas (r.a.) mit seiner Waffe und hielt Wache, sodass der Gesandte Allahs (s.a.w.) beruhigt schlafen konnte.

Hind b. Abu Hala (r.a.), ein Gefährte, der die Eigenschaften des Gesandten Allahs (s.a.w.) am besten kannte und uns die Merkmale seines Aussehens überliefert hat, sagt, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) niemals die Bequemlichkeit und das Vergnügen im Vordergrund hielt, sondern stets betrübt und nachdenklich war. Er hatte eine ruhige Natur. Er redete nur, wenn es nötig war. Diese Aussagen des Hind stellen uns dar, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) kein Mensch war, der nur auf seine eigene Bequemlichkeit achtete und gefühllos gegenüber seine Mitmenschen war, sondern ganz im Gegenteil eine breite Gefühlswelt hatte und aus diesem Grund oft in tiefgründigen Gedanken versunken war.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat sich niemals in seine eigene Ecke, in sein eigenes Schlösschen zurückgezogen. Er fühlte mit den besorgten Menschen ihr Leid in den Tiefen seines Herzens mit und predigte ihnen, geduldig und stark zu sein, wodurch sie Kraft und Mut gewannen. In den ersten Jahren der Offenbarung wurden die Muslime und auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) in Mekka gequält, ihnen wurde viel Leid und Schmerz zugefügt. Auch hatte er mit seinen Gefährten zusammen die Jahre der Blockade erlebt, die zwei bis drei Jahre andauerte. Er hat gemeinsam mit seinen Gefährten Hunger, Angst und die Auswanderung durchlebt und schließlich gemeinsam mit ihnen an Kriegen teilgenommen. Ebenso hat er mit seinen Gefährten die Gräben (Handak) ausgehoben. Der Prophet der Barmherzigkeit, der ein sehr gefühlvoller Mensch war, legte auf schwache, arme, kraftlose Menschen sowie Diener und Dienerinnen, kurz gesagt auf all seine Gefährten einen großen Wert. Diese Eigenschaft des Gesandten Allahs (s.a.w.) beschreibt Allah Ta´ala im heiligen Koran mit folgenden Worten: „Wahrlich, nun kam bereits ein Gesandter aus eurer Mitte zu euch. Schwer liegen eure Missetaten auf ihm. Fürsorglich ist er für euch! Gegen die Gläubigen (aber) ist er gütig und barmherzig.“

Eine der deutlichsten Eigenschaften des Gesandten Allahs (s.a.w.) ist, dass er der Prophet der Barmherzigkeit ist. Allah hat ihn als Barmherzigkeit für alle Welten entsandt. Als man von ihm verlangte, die Beigeseller (Muschrikun) zu verfluchen, sagte er: „Ich bin nicht zum Verfluchen entsandt worden, sondern als Barmherzigkeit!“

Auch die Tatsache, dass er ein schamhafter Mensch war, ist ein Zeichen seines gefühlvollen Charakters. Abu Saʿid al-Hudri (r.a.) beschreibt diese Eigenschaft des Gesandten Allahs (s.a.w.) mit folgenden Worten: „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) war schüchterner als ein junges Mädchen, das sich unter seinem Schleier versteckt. Wenn ihm etwas nicht gefiel, konnten wir es sofort an seiner Mimik erkennen.“

Manchmal kam es auch vor, dass Ereignisse den Gesandten Allahs (s.a.w.) ärgerten und seine Stimmung trübten. Die Gefährten konnten die Wut des Gesandten Allahs (s.a.w.) meistens an seinem Gesichtsausdruck erkennen. So hatte er einst ausgedrückt, dass auch er ein Mensch ist und sich wie jede andere Person ärgern kann. Falls er mit Wut eine Person verletzt haben sollte, bat er Allah Ta´ala darum, dies als Grund zur Vergebung und Barmherzigkeit für jene Person zu vergelten. Dies kam aber nur sehr selten vor und stellte einen Ausnahmezustand dar. Im heiligen Koran wird verkündet: „Und dank der Barmherzigkeit Allahs warst du gütig zu ihnen. Wärst du aber grob und hartherzig gewesen, so wären sie von dir davongelaufen. Darum vergib ihnen und bete für sie um Verzeihung.“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) nahm es stets mit Geduld auf, wenn er ungerecht behandelt wurde. Doch sobald es um das Recht Allahs und Seiner Diener ging, war er sehr sensibel, sodass er auch manchmal mit einem harten Ton reagieren konnte. Eines Tages hatte Muʿadh b. Dschabal (r.a.) während des Gebets die Sure al-Baqara rezitiert und somit das Gebet sehr lang gehalten. Aufgrund der Länge des Gebets trennte sich eine Person von der Gemeinschaft und betete selbstständig weiter. Nachdem diese Person sich beim Gesandten Allahs (s.a.w.) beschwert hatte, warnte der Gesandte Allahs (s.a.w.) Muʿadh mit einem scharfen Ton: „Muʿadh! Stellst du etwa die Geduld der Menschen auf eine Probe?“

Doch an dieser Stelle sollte auch hinzugefügt werden, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) die Menschen auf eine besondere Art warnte. Kaʿb b. Malik (r.a.), eine der drei Personen, die an der Schlacht bei Tabak nicht teilgenommen hatten, ging zum Gesandten Allahs, als dieser von der Schlacht zurückgekehrt war. Er wollte dem Gesandten Allahs (s.a.w.) erklären, weshalb er an der Schlacht nicht teilgenommen hatte. Als er bei ihm angekommen war, begrüßte er den Gesandten Allahs. Kaʿb beschreibt diese erste Begegnung mit ihm nach dem vorgefallenen Ereignis folgendermaßen: „Der Gesandte Allahs hat mich mit zornigen Blicken angelächelt und ‚Komm!‘ gesagt …“

Der Prophet der Barmherzigkeit war nicht einmal gegenüber seinen Feinden hasserfüllt. Sowohl in Mekka als auch in Medina hat er nicht für die Vernichtung seiner Feinde, sondern für ihre Rechtleitung gebetet. Am Tag der Eroberung Mekkas hatte der Gesandte Allahs (s.a.w.) keinesfalls den Gedanken, Rache an ihnen zu nehmen, sondern ließ sie frei. Aischa (r.a.) habe einst gesagt: „Der Gesandte Allahs hat niemals für eine persönliche Sache Rache genommen. Allerdings nahm er für Allah Rache, wenn gegen die Verbote Allahs verstoßen wurde.“

Ein weiterer Aspekt, der belegt, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) ein gefühlvoller Mensch war, ist die Tatsache, dass er zu seinen Ehefrauen sehr liebevoll war und ihnen große Aufmerksamkeit schenkte. Die Liebe zu seiner ersten Ehefrau Khadidscha (r.a.) hat er auch nach ihrem Tod bewahrt und ihr nur Gutes nachgesagt. Seine Liebe war so groß, dass Aischa (r.a.), die jüngste Ehefrau des Gesandten Allahs (s.a.w.), Khadidscha (r.a.) Jahre später noch beneidete.

Als die Ehefrau des Gesandten Allahs, Aischa (r.a.), verleumdet wurde, betrübten die Gerüchte auch den Gesandten Allahs (s.a.w.). Er besprach dieses Thema mit seinen engsten Freunden und ließ sich von ihnen beraten. Für ihn als Ehemann war es eine schwierige und sorgenvolle Zeit. Durch die Verse, die offenbart wurden, erfuhr der Gesandte Allahs, dass es sich nur um eine gemeine Verleumdung gehandelt hatte und Aischa (r.a.) unschuldig war.

Als die Ehefrauen des Gesandten Allahs (s.a.w.) mehrmals weltliches Hab und Gut verlangten, wurde er auf sie böse und lebte neunundzwanzig Tage getrennt von ihnen in einem Zelt. Die Frauen des Gesandten sahen ihren Fehler ein, als die Verse offenbart wurden, die sie dazu aufforderten, eine Entscheidung zwischen dem irdischen Leben einerseits und Allah und Seinem Gesandten andererseits zu treffen. Nachdem sie diese Verse zur Kenntnis genommen hatten, entschieden sie sich für Allah und Seinen Gesandten.

Genauso wie jeder andere Mensch konnte auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) guter Dinge sein und sich freuen. Kaʿb b. Malik (r.a.) sagte: „Wenn der Gesandte Allahs glücklich war, strahlte sein Gesicht wie der Mond. Wir erkannten seine Freude an seinem Gesicht.“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) verzichtete auch nicht darauf, zu scherzen. Er machte schöne und gute Witze, doch achtete er dabei stets darauf, dass seine Witze der Wahrheit entsprachen, und sprach nicht einmal beim Scherzen eine Lüge aus. Seine Witze in Form von metaphorischen und allegorischen Wortspielen, die logisch aufgebaut waren, konnte nicht jeder verstehen. Doch die Gefährten, die diese Begabung des Gesandten Allahs gut kannten, vergolten es ihm mit ähnlichen Witzen. Manche Gefährten, die nicht wussten, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) kleine Scherze machte, sagten verwundert: „Oh Gesandter Allahs! Scherzt du etwa mit uns?“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) antwortete: „Ich sage nur die Wahrheit!“

Dschabir b. Samura (r.a.), der von den Gesprächen, der Liebe und der innigen Beziehung zwischen dem Gesandten Allahs und seinen Gefährten berichtet hat, sagte, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach dem Morgengebet bis zum Sonnenaufgang an seinem Platz blieb. Er stand erst auf, wenn die Sonne aufgegangen war. Währenddessen redete er mit seinen Gefährten, sie rezitierten Gedichte in der Moschee, erzählten von ihren Erinnerungen aus der Dschahiliyya (vorislamische Epoche der Unwissenheit) und lachten, wobei der Gesandte Allahs nur lächelte.

Ja, auch der Gesandte Allahs (s.a.w.) lachte, übertrieb es aber nicht. Er war stets sehr freundlich und hatte immer ein Lächeln im Gesicht. Wenn der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach manchen Ereignissen etwas mehr lachte, beschrieben die Gefährten sein Lachen mit diesen Worten: „Er hat so sehr gelacht, dass man seine Backenzähne sehen konnte.“ Aischa (r.a.) war diejenige, die den Gesandten Allahs am besten kannte. Sie sagte: „Ich habe den Gesandten Allahs (s.a.w.) niemals so sehr lachen gesehen, dass man seine kleine Zunge (Gaumenzäpfchen) sehen konnte. Er lächelte nur.“

Diese Anekdoten aus dem Leben des Gesandten Allahs (s.a.w.) zeigen, dass der Gesandte Allahs wie jeder andere Mensch Gefühle hatte, dementsprechend handelte und sich je nach Umstand unterschiedlich verhielt. Es ist sehr wichtig zu wissen, in welchen Situationen der Gesandte Allahs (s.a.w.) Angst hatte und sich Sorgen machte, wann er mit Schwierigkeiten konfrontiert war, und wie er sich in diesen Situationen vorbildlich verhalten hat. Der Prophet der Barmherzigkeit hat als ein Mann, ein Ehemann, ein Staatsoberhaupt und schließlich als Gesandter Allahs, niemals seine Gefühle vor seinen Mitmenschen verheimlicht, sondern zeigte ihnen als Vorbild, wie es ist, eine gesunde Gefühlswelt zu haben, und wie man es schafft, seine Gefühle zu kontrollieren. Daher war er für die Gläubigen ein Wegweiser und zeigte ihnen, wie sie mit ihren positiven und negativen Emotionen umzugehen haben.

Die oben genannten Beispiele zeigen, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) seine Gefühle niemals unterdrückte. Er scheute sich nicht davor, seine Gefühle nach außen zu zeigen, sie auf eine richtige Weise auszuleben und sie mit seinen Mitmenschen zu teilen. In einer Kultur, in der der Gedanke „Männer weinen nicht!“ sehr weit verbreitet ist, werden die Menschen gezwungen, ihre natürlichen Gefühle zu unterdrücken. Unterdrückte Gefühle kommen im Laufe der Zeit entweder auf eine unerwartete Art und Weise zum Vorschein und führen zu größeren Problemen oder lösen unterschiedliche psychische Störungen aus. So hat der Gesandte Allahs (s.a.w.) es bevorzugt, seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen, anstatt sie zu unterdrücken. Er zog es vor, sensibel zu sein, anstatt sich übertrieben emotional zu verhalten, und in einer extremen Weise zu reagieren. Der Prophet der Barmherzigkeit ist – wie mit all seinen anderen Charaktereigenschaften auch – auch mit seiner Gefühlswelt und Einfühlsamkeit ein schönes Beispiel und Vorbild für Muslime.